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Skandal: Diktator "Franco" unterwandert FC Barcelona

Die Führungsebene des FC Barcelona befindet sich in einer tiefen Krise. Brisante Anschuldigungen, Lügen und tiefes Misstrauen erschüttern den spanischen Traditionsklub seit Monaten.

Von Frauke Hansen und Klaus Bellstedt

Auslöser des Skandals ist ein Dokument des Kultusministeriums, das beweist, dass Vorstandsmitglied Alejandro Echevarría Verbindungen zur rechtsgerichteten Stiftung des ehemaligen Diktators Francisco Franco hat. Hauptankläger in der brisanten Affäre ist Barcelonas Ex-Vorstandsmitglied Lluís de Val. Ihm liege das Schreiben vor, aus dem eine Mitgliedschaft Echevarrías seit 1996 eindeutig hervorgehe, sagt de Val.

Die umstrittene "Fundación Nacional Francisco Franco" hat sich zum Ziel gesetzt, die Parolen des Generals zu verbreiten und zu erhalten. Sie wird von der Tochter des Ex-Diktators, der vom Militärputsch 1936 bis zu seinem Tod 1975 Spanien fest unter seiner Herrschaft hielt, geleitet. Die Organisation wurde von der 2004 abgewählten Aznar-Regierung finanziell sogar noch unterstützt. Sehr zum Unmut der politischen Opposition im Lande.

"Der Präsident hat den Vorstand angelogen"

Der Beschuldigte Echevarría bestreitet die Vorwürfe vehement und bezieht sich auf eine Beglaubigung der Franco-Stiftung", die ihm keine Mitgliedschaft bestätigt. Das Schreiben allerdings trägt das Datum vom 8. Juni 2003 - warum also zog Echevarría sie nicht früher aus dem Ärmel? Die Gerüchte und Anschuldigungen um und gegen ihn kursieren nämlich schon länger - auf zwei Vorstandssitzungen im letzten Jahr und im August diesen Jahres wurden sie aber dementiert. Prominentester Verteidiger Echevarrías war damals pikanterweise übrigens nicht der umstrittene Funktionär selbst, sondern der Präsident des FC Barcelona, Joan Laporta - sein Schwager. "Alejandro Echevarría gehört der Stiftung nicht an und hat es auch nie getan", bekräftigte Laporta mehrmals.

"Das ist eine glatte Lüge" empörte sich seinerzeit Lluís de Val, der auch auf ein notariell beglaubigtes Dokument verweist, aus dem klar hervorgeht, dass Echevarría noch immer Gönner der rechtsgerichteten Stiftung Francisco Franco ist. De Val steht mit seiner Meinung nicht alleine da: Auch Josep María Minguella, Ex-Spieler-Berater und Kandidat für die Präsidentschaft beim FC Barcelona hatte mit einem Misstrauensvotum gegen Präsident Laporta gedroht. Er erwäge mit seinen Anwälten "schlagkräftige legale Maßnahmen", um Laporta zum Rücktritt zu bewegen. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass dem Klub kein Schaden zugefügt werde.

Laporta hat sich "lächerlich gemacht"

Aber nicht nur die Mitgliedschaft an sich ist der Stein des Anstoßes und erregt die Gemüter, sondern vor allem auch die Tatsache, "dass Laporta den Vorstand, das höchste Repräsentationsorgan der Klub-Mitglieder, angelogen hat", sagt de Val. Unterstützung erhält er von Jordi Majó, Ex-Kandidat für die Präsidentschaft bei Barcelona: "Ich unterstreiche, dass es nicht seine Ideologie ist, die uns misstrauisch macht, sondern seine wiederholten Lügen."

Bis vor wenigen Tagen wollte sich der Vorstand selbst nicht weiter zu der Angelegenheit äußern und auch Laporta blieb stumm. Echevarría hingegen sprach zuletzt von einer "Lynchkampagne" gegen seine Person. Für ihn war die Diskussion durch die Präsentation seines Entlastungsschreibens beendet. Die Rufe nach seinem Rücktritt im Vereins-Umfeld verstummten allerdings nicht. "Echevarría muss sein Amt niederlegen, das ist das mindeste. Und auch Laporta sollte eigentlich dasselbe tun", forderte bis zuletzt Jordi Majó.

Und tatsächlich: Majós Forderungen scheinen Gehör gefunden zu haben. Wie spanische Medien berichten, hat Echevarría am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht seinen Austritt aus dem Vorstand gegenüber Präsident Laporta erklärt. Für den mächtigen Barcelona-Boss scheint die Affäre allerdings noch längst nicht ausgestanden. Mit Echevarría hat er nicht nur einen engen Vertrauten verloren, sondern auch seine Glaubwürdigkeit. Das Verhalten von Echevarría habe dazu beigetragen, dass Laporta sich komplett "lächerlich gemacht hat", sagt de Val. Seiner Meinung nach sei es für den Fortgang des Weltklubs zwingend notwendig, den Fall komplett aufzulösen, jede andere Vorgehensweise sei "Pfuscherei".

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