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Umstrittenes Fußballprojekt Super-League-Initiatoren: Ein neuer Anlauf und "konfrontative Gespräche" mit der Uefa

Super-League-Initiatoren: "Konfrontative Gespräche" mit UEFA
Mit dem früheren RTL-Deutschland-Chef Bernd Reichart an der Spitze nehmen die drei Topclubs Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin einen neuen Anlauf für die Einführung einer Super League im europäischen Fußball.
© Boris Breuer / A22 Sports Management / DPA
Die Initiatoren der kontrovers diskutierten Super League wollen ihre neuerlichen Pläne mit der Europäischen Fußball-Union diskutieren. Helfen soll dabei ein ehemaliger Medienmanager – und ein gewisser Konfrontationskurs.

Die Initiatoren einer möglichen neuen Super League wollen ihre Pläne in der kommenden Woche mit Europäischen Fußball-Union diskutieren. "Ich werde nächste Woche in Nyon sein, um auch mit der Uefa darüber zu sprechen. Das ist auch mein Verständnis von Dialog, dass man auch die andere Seite hört und auch konfrontative Gespräche führt, denn wir werden uns sicher nicht auf alles verständigen können", sagte Bernd Reichart, der das bereits einmal gescheiterte Projekt der Topclubs Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin vertritt, im Podcast "Einfach mal Luppen" mit dem Ex-Weltmeister Toni Kroos und dessen Bruder Felix.

Super League: Neuer Anlauf, neue Gespräche

Die geplanten Gespräche mit der Uefa bezeichnete Reichart als "schönes Signal an Klubs, die sich momentan noch scheuen oder sogar Sanktionen fürchten, wenn sie in den Dialog treten". Seit dem neuen Anlauf für das Projekt einer Super League im europäischen Fußball Mitte Oktober habe er bereits "Gespräche mit einem guten Dutzend Klubs" geführt. Die Spitzen der deutschen Topklubs hatten sich öffentlich allerdings erneut ablehnend geäußert.

Warten auf EuGH-Urteil

Reichart erwartet in der Zukunft eine Umstrukturierung aller europäischen Wettbewerbe, hält aber vorher einen Dialog über die genaue Ausgestaltung für notwendig. "Wir haben kein Format, das wir aus der Kiste zaubern, wir wollen in den Dialog treten und wir wollen genau solche Themen erarbeiten." Wenn die Uefa eingeschränkt werde in der Ausrichtung der Wettbewerbe, "dann muss jemand das ganze System neu organisieren", sagte der frühere RTL-Chef mit Blick auf die noch ausstehende Entscheidung des EuGH zur Super League. 

Die "European Super League Company" hatte Klage gegen die Uefa und Fifa bei einem Gericht in Madrid eingereicht, dieses hatte den EuGH gebeten, EU-Recht für das Verfahren auszulegen. Ein Urteil wird im kommenden Jahr erwartet. Das Super-League-Projekt war in seiner Ursprungsform im April 2021 gescheitert. Von den zunächst zwölf Klubs, die eine Abspaltung angestrebt hatten, zogen sich neun innerhalb weniger Stunden wieder zurück.

Bundesliga-Trainer Baumgart: "Die werden einen Weg finden"

Steffen Baumgart rechnet indes damit, dass die umstrittene Super League im Fußball kommt. "Die Debatte um die Super League nimmt Fahrt auf, die Debatte ums Abschaffen von 50 plus 1 – wir diskutieren das alles so lange, bis wir es haben. Ich glaube: Es ist nur eine Frage der Zeit", sagte der Trainer des Bundesligisten 1. FC Köln im Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Die, die so eine Liga durchsetzen wollen, egal wie sich das Ganze am Ende schimpft, ob Super League oder sonst wie, die werden einen Weg finden."

Vorstoß der Topklubs Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin

Zuletzt hatten die drei Topklubs Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin einen neuen Anlauf für das Superliga-Projekt gestartet. Die Uefa, die mit der Champions League den derzeit wichtigsten internationalen Klubwettbewerb organisiert, hatte zuvor massiven Widerstand geleistet. Doch auch das Format der Königsklasse stößt Baumgart, der selbst für "altmodischen Fußball und Tradition" steht, auf. "Was ich nicht gut finde, ist die Regulierung der Wettbewerbe insgesamt: Eine Champions League muss eine Liga der Champions sein, nicht für Platz eins bis vier in Deutschland, England, Spanien, Italien. Dann ist es eine verkappte Super League", erklärte der 50-Jährige. Die AS Rom habe dieses Jahr die Conference League gewonnen, weil sie in der Europa League rausgeflogen war und "eine Etage tiefer weitermachen durften. Das funktioniert für mich nicht."

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Zweiklassengesellschaft im europäischen Fußball

Mit der Conference League gebe die Uefa "den Kleinen ein Bonbon. Aber sie bestätigt damit die Zweiklassengesellschaft zwischen den Reichen und denen, die keinen großen Namen haben. Ist das nicht sogar diskriminierend?", fragte er. Wenn die Europäische Fußball-Union (Uefa) diesen Wettbewerb für die kleinen Länder geschaffen habe, "dann muss sie auch erklären, dass sie selbst es ist, die diese kleinen Länder aus der Champions League ausgeschlossen hat. So muss man es sagen", meinte Baumgart.

mth DPA

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