Schwedische Angst Die Deutschen - ein "Alptraum"


Während sich Deutschland über Achtelfinalgegner Schweden freut, geht bei den Blau-Gelben die Angst um. Vor allem die "eine Milliarde singenden deutschen Fans" schüchtern die Nordlichter ein.

Die Schweden fürchten vor dem WM-Achtelfinale vor allem eins: "Eine Milliarde singende, heulende, jubelnde und grölende deutsche Fans". So sah es die Stockholmer Zeitung "Expressen" nach dem 2:2 im letzten Gruppenspiel gegen England, und "Aftonbladet" titelte über Deutschland als nächsten Gegner kurz und klar: "Ein Alptraum". Henrik Larsson dagegen, Torschütze zum viel bejubelten 2:2-Endstand gegen Beckham & Co. in Köln, macht der Heimvorteil der Klinsmann-Elf überhaupt keine Angst: "Die sind jetzt die Favoriten und müssen mit dieser Last fertig werden."

Wie kein anderer in der Elf steht Larsson, Schwedens souverän populärster Fußballspieler, für den bisher höchst wechselhaften Verlauf des WM-Turniers bei den Blau-Gelben. Sein Ausgleichstreffer kurz vor dem Abpfiff hielt er selbst vor allem für psychologisch wichtig, weil man das dringend benötigte Selbstvertrauen getankt habe. Hoffnung macht den Skandinaviern, dass sie in den drei Gruppenspielen eine stetig aufsteigende Formkurve produziert haben: Auf den enttäuschenden und dürftigen.0:0-Auftakt gegen Trinidad und Tobago folgt ein verbissen erkämpftes 1:0 in letzter Minute über Paraguay und nun nach Anlaufschwierigkeiten eine überzeugende zweite Halbzeit im Prestige-Duell mit England.

"Geheimfavoriten" haben Erwartungen nicht erfüllt

"Wir wissen jetzt, dass wir ein Spiel umdrehen können", meinte Marcus Allbäck, der gegen England das wichtige 1:1 erzielt hatte. Der Ex-Rostocker hat gute Noten als Ersatz für den wegen einer Zerrung nicht eingesetzten Superstar Zlatan Ibrahimovic von Juventus Turin bekommen. Vor allem zählte dabei eines: Allbäck hat getroffen.

Überhaupt werden daheim eher sonst unauffälligere Spieler wie Tobias Linderoth im defensiven Mittelfeld oder weiter vorn der noch junge Kim Källström gelobt. Das Supertrio mit den Weltnamen Larsson, Ibrahimovic und dem bei Arsenal London spielenden Fredrik Ljungberg dagegen hat bisher bei der WM die extrem hohen Erwartungen im Team des "Geheimfavoriten" nicht voll erfüllt.

"Das wird ein Superspiel."

Im Achtelfinale soll das nun anders werden. Trainer Lars Lagerbäck meinte nach dem England-Spiel, dass Ibrahimovic am Samstag gegen Deutschland vielleicht wieder einsatzfähig sei: "Wir haben jedenfalls ein bisschen Hoffnung." Allerdings ist mit der Zerrung eben nicht automatisch auch Ibrahimovic' monatelange Formschwäche beendet. Aber für den Notfall steht ja noch der torgefährliche Allbäck parat.

Viel wichtiger dürfte für das Achtelfinale am Mittsommertag sein, dass Larsson endlich zu seiner Bestform findet. Er habe beim Welt- Turnier auf dem Platz zu wenig Verantwortung übernommen, heißt es in den Kommentaren schwedischer Medien. Dauerläufer Ljungberg, von den "Großen" bisher der erfolgreichste, kann es kaum erwarten: "Das wird ein Superspiel. Die Deutschen sind alle ziemlich groß, da müssen wir den Ball unten halten und sie ordentlich zum Laufen bringen."

Endlich ein Sieg gegen Deutschland

Mächtig stolz waren die Nordlichter, dass sie in letzter Minute ihre Serie mit 38 Jahren ohne Niederlage gegen England durch Larssons Ausgleich retten konnten. "Das war wichtig für uns Spieler und für das schwedische Volk", meinte Larsson. Nun muss die Elf um den stets zurückhaltenden und für viele zu defensiv denkende Trainer Lagerbäck eine andere Serie knacken: Seit 1958 hat es gegen Deutschland keinen Sieg in einem Pflichtspiel mehr gegeben.

Damals waren es am 24. Juni, also genau 48 Jahre vor dem Achtelfinale von München, im legendären WM-Halbfinale von Göteborg nicht zuletzt singende, heulende, jubelnde, grölende und schreiende Fans im Ullevistadion mit ihrem "Heja Sverige", die den Ausschlag für das 3:1 der Gastgeber gaben. Nicht eine Milliarde, aber immerhin 57.000 Zuschauer waren damals dabei. Tausend Deutsche hatten in letzter Minute gegen Vorlage ihres Reisepasses Einlass gefunden.

Jürgen Klinsmann blickt dem WM-Achtelfinale mit großem Optimismus entgegen, zeigt aber auch Respekt vor dem Gegner. "Schweden ist eine Mannschaft, die in Europa und der Welt ein Wort mitreden kann. Es wird hart", sagte der Bundestrainer am Mittwoch in Berlin. Seinem Team machte er ein Kompliment für den Gruppensieg, trotzdem sei eine Steigerung in den K.o.-Spielen unbedingt nötig. Körperlich und mental sieht Klinsmann die deutsche Elf bestens vorbereitet. Alle Akteure sind derzeit gegen Schweden einsatzfähig.

Thomas Borchert/DPA DPA

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