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WM-Finale: Die Spieler in der Einzelkritik

Italien hat sich im Elfmeterschießen gegen Frankreich durchgesetzt und ist zum vierten Mal Weltmeister. Doch welche Leistungen haben die einzelnen Spieler im WM-Finale abgeliefert?

ITALIEN

Gianluigi Buffon:

Beim Elfmeter von Zidane ohne Chance, gegen dessen Kopfball reagierte er famos (104.). Einige ungenaue Abschläge. Nach sieben Minuten war sein Traum vom Gegentor-Rekord beendet.

Gianluca Zambrotta:

Auf der rechten Seite dieses Mal zurückhaltender als gewohnt und mit Sorgen vor allem gegen Malouda. Der Juve-Star nahm den Kampf an, nach vorn erzielte er jedoch keine Wirkung.

Fabio Cannavaro:

Im 100. Länderspiel wieder der Souverän. Wohl der beste Verteidiger bei dieser WM, ließ sich in keinem Zweikampf ausspielen. Ein würdiger Kapitän! Aber einige sehr harte Attacken.

Marco Materazzi:

Der "Ersatz" für Alessandro Nesta kämpfte sich ins Spiel. Erst mit Elfmeter-Pfiff bestraft, dann mit 2. WM-Tor. Die Brust wurde breiter - auch für Zidanes Kopf. Nervenstark vom Punkt.

Fabio Grosso:

Wie schon im Halbfinale gegen Deutschland der Held von Italien. Sicherte mit seinem Elfmeter den "Azzurri" den vierten Titel. Jetzt wird dem Mann aus Palermo ein Denkmal gebaut.

Mauro Camoranesi:

Ungewohnt viele Ballverluste beim rechten Flügel- Läufer von Juventus. Trieb das Spiel nur selten nach vorn, der zündende Moment aber fehlte dem 26-Jährigen aus Turin.

Gennaro Gattuso:

Bekämpfte Frankreich-Star Zidane auf höchstem Niveau, raubte ihm die Spielfreude und später völlig die Nerven. Keiner war so viel im Zweikampf wie der Fighter vom AC Mailand.

Andrea Pirlo:

Der 31-jährige Regisseur der "Azzurri" wieder mit vielen Ballkontakten, aber nicht so auffällig wie gegen Deutschland. Schlug die Ecke zum 1:1 und gute Standards (78.). Traf mit Elfer.

Andrea Perrotta:

Einige Stockfehler bremsten den Antreiber über die linke Seite. Stark im eigenen Strafraum (41.) als Ausputzer, wenig stark im Pass-Spiel. Fand selten zum gewohnten Duett mit Pirlo.

Francesco Totti:

Der 29-jährige Superstar wurde von Makelele praktisch aus dem Spiel genommen. An einer einzigen guten Aktion (36.) beteiligt. Weit unter seinen Möglichkeiten - 61. Minute raus.

Luca Toni:

Rackerte, sprang, setzte sich ein - der 1,94 Meter große Stürmer war ein ständiger Gefahrenherd, aber mehr als ein Lattenkopfball (36.) sprang nicht heraus. Gab aber nie auf!

Daniele De Rossi:

Der Rotsünder gegen die USA kam nach vier Spielen Sperre und heftiger Trainer-Schelte nach einer Stunde zu seiner Finalchance. Der Römer verwandelte seinen Elfmeter.

Alessandro del Piero:

Der 31-jährige Juve-Stürmer kam wieder als Joker fünf Minuten vor dem regulären Ende. Ließ sich gleich bei seinem ersten Zweikampf entzaubern - doch beim Elfer-Duell war er da.

Vincenzo Iaquinta:

Der Mann, der kurz vor Schluss auf den WM-Zug aufgesprungen war, durfte in der 61. Minute vor den Augen seiner 70-jährigen Oma ran. Die alte Dame sah aber nicht viel vom Enkel.

FRANKREICH

Fabien Barthez:

Fiel erst nur durch Zeitspiel bei den Abstößen auf, zögerte dann beim Gegentor mit dem Rauslaufen. Konnte wie im gesamten Turnier nicht belegen, warum er den Vorzug vor Coupet bekam.

Willy Sagnol:

Frühes Gelb nach Foul an Grosso (12.), riskanter Rückpass (39.) - Der Bayern-Verteidiger konnte keine entscheidenden Akzente setzen. Sein verwandelter Elfmeter half auch nichts mehr.

Lilian Thuram:

Rettete in seinem 121. und letzten Länderspiel spektakulär per Flugkopfball (15.) und gegen Toni (36.). Der Abwehr- Stratege erarbeitete sich selbst einen würdigen Abschied.

William Gallas:

Der Verteidiger vom FC Chelsea hatte mit dem baumlangen Toni seine liebe Mühe und Not. Kam vor allem bei einigen Luftduellen zu spät. Kämpfte aber wacker und ohne groben Schnitzer.

Eric Abidal:

Spätestens beim falschen Einwurf war klar: Dem Nachfolger von Lizarazu fehlt auf links noch die Klasse. Konnte sich selten durchsetzen. Zumindest sicherer Elfmeter-Schütze.

Patrick Vieira:

Sein erster Turnier-Patzer führte zum Ausgleich. Danach kurze Zeit ungewohnt verunsichert, kämpfte sich zurück in die Partie, musste nach einer Stunde aber angeschlagen raus.

Claude Makelele:

Tottis Albtraum. Schaltete Italiens Star komplett aus. Souverän im Zweikampf und Stellungsspiel. Der Mann vom FC Chelsea rettete mehrfach im eigenen Strafraum. Der beste Franzose.

Franck Ribéry:

Der Hoffnungsträger für die Zeit nach Zidane lief viel - und versehentlich den Schiedsrichter um (16.). Quirlig, aber hektisch. Kurz vor seiner Auswechslung fehlten Zentimeter (99.).

Zinédine Zidane:

Stilloser Abschied für den Maitre: Seine üble Tätlichkeit überschattete das Elfmetertor im Wembley-Stil. Vorher so unbeschreiblich leichtfüßig. Der Fußball wird ihn deshalb vermissen.

Florent Malouda:

Sehr beweglich und stets anspielbar. Holte geschickt den Elfmeter heraus. Legte eine kurze Kunstpause ein, war dann bei Dribblings und Vorstößen aber wieder gefährlich.

Thierry Henry:

Schmerzhafter Start: Brauchte einige Zeit, um sich vom Cannavaro-Check zu erholen. Gefiel dann durch seine enorme Eleganz, sein vierter WM-Treffer blieb ihm aber verwehrt.

Alou Diarra:

Kam für Vieira (56.) zu seinem zweiten WM-Einsatz. Spielte auf dessen Position solide und stopfte einige Löcher. Das Spiel nach vorne gehörte nicht zu seinen Aufgaben.

David Trezeguet:

Der Schütze des Golden Goal der EM 2000 kam nach 100 Minuten für Ribéry und wurde der traurige Held. Verschoss seinen Elfmeter und entschied damit das Endspiel gegen sein Team.

Silvain Wiltord:

Auch der zweite Tor-Joker vom Sieg im EM-Finale 2000 kam in der Verlängerung und konnte nach Rot für Zidane keine Akzente im Angriff setzen. Traf wenigstens vom Punkt.

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