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Zidane-Eklat: Materazzi dementiert "Terrorist"-Zitat

Was hat Materazzi Zidane gesagt, dass der Superstar im Finale so ausrastete? Es gibt Hinweise, dass er den Superstar als "dreckiger Terrorist" beschimpft habe. In einer ersten Stellungnahme bestreitet Materazzi die Vorwürfe.

Die Anti-Rassismus-Organisation "SOS Racism" mit Sitz in Paris erklärte, ihr lägen Informationen aus gut informierten Kreisen vor, die darauf hindeuteten, dass Materazzi Zidane als einen "dreckigen Terroristen" beschimpft habe. Möglicher Hintergrund für diese Äußerung könnte die Herkunft des Superstars sein. Zidane ist Sohn einer algerischen Einwanderfamilie.

Vermutungen zirkulieren

Marco Materazzi hat diese Vorwürfe allerdings zurückgewiesen. "Das ist nicht wahr", zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Montag Materazzi, nachdem die "Squadra Azzurra" nach Italien zurückgekehrt war. "Ich habe ihn nicht einen Terroristen genannt. Ich bin ein Ignorant. Ich weiß nicht mal, was das Wort bedeutet", so Materazzi. Ob und was er tatsächlich gesagt, dazu äußerte er sich bisher nicht.

"Materazzi muss etwas sehr Schlimmes gesagt haben"

Dass allerdings mehr passiert sein muss als nur ein "normales" Scharmützeln zwischen Fußballern - davon ist auf jeden Fall einer der Cousions von Zidane überzeugt. Rabah Zidane wird von der Nachrichtenagentur AP mit folgenden Worten zitiert: "Zizou flippt normalerweise nicht aus. Materazzi muss etwas sehr Schlimmes gesagt haben".

Auch andere Versionen machten die Runde. Laut dem österreichischem "Standard" haben andere Zeitungen eigens Lippenleser zur Rate gezogen. Diese seien zum Schluss gekommen, dass Zidanes Mutter aufs Übelste beschimpft worden sei. Eine andere Lippenleserin will nach dem brasilianischen TV-Sender "O Globo" den Namen von Zidanes Schwester entschlüsselt haben.

Lob von Chirac

Ungeachtet aller Spekulationen war Zinedine Zidane - unrasiert allerdings - ordnungsgemäß beim Empfang der französischen Mannschaft im Elysee Palast erschienen und dort von Staatspräsident Jacques Chirac in höchsten Tönen gelobt worden. "Was ich Ihnen erklären will in dieser vielleicht angespanntesten und schwierigsten Zeit Ihrer Karriere, ist die Bewunderung und Zuneigung der gesamten Nation - sowie deren Respekt."

Chirac fuhr fort: "Sie sind ein Virtuose, ein Fußball-Genie. Sie sind auch ein Mann des Herzens, der Hingabe, der Überzeugung. Und deshalb bewundert und liebt Frankreich Sie." Zidane lächelte nur verlegen.

Fußballdenkmal vom Sockel gestoßen

Zumindest eines hat Zidane damit erreicht: Dass Italien zum vierten Mal Weltmeister geworden ist, ist am Tag nach dem Abpfiff beinahe in Vergessenheit geraten. Denn was die Menschen eigentlich bewegte, war der Fall eines Helden, der Fall von Zinedine Zidane. Die Fußballwelt wühlt vor allem die Frage auf, wie es zu dem Eklat in der 111. Minute kommen konnte. In der Minute, als sich ein Fußballdenkmal quasi selbst vom Sockel gestossen hat. Als Zidane nach einem Verbalgefecht den italienischen Verteidiger mit einem Kopfstoss richtig niederstreckte. Nach Meinung von Horst Bredekamp, Kunsthistoriker und Experte für Fußballgeschichte, liege in Zidanes Tätlichkeit etwas Selbstzerstörerisches.

Christoph Marx mit Reuters/DPA / DPA

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