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Die Perspektive der Nationalmannschaft Rosige Aussichten - bis auf den Sturm


Die DFB-Auswahl hat die Fußball-WM in Südafrika auf Platz drei beendet. Ein neuer Abschnitt beginnt. In zwei Jahren ist EM in Polen und der Ukraine. Welche Spieler noch dabei sein werden, wer wichtiger und wer nicht mehr gebraucht wird.
Von Klaus Bellstedt, Johannesburg

TOR:
Traditionell gibt es hier seit den Tagen von Toni Turek die geringsten Probleme. Manuel Neuer hat eine gute WM gespielt und mit 24 noch mehr als sein halbes Torwartleben vor sich - ebenso wie René Adler, 25. Jörg Butt wird 2012 seinen 38. Geburtstag wohl nicht in Osteuropa feiern, und der dann 32-jährige Tim Wiese von Werder Bremen wird weiterhin unberechenbar bleiben. Von den Jungen durfte der 22-jährige Tobias Sippel aus Kaiserslautern beim Testspiel gegen Malta schon mal A-Kader-Luft schnuppern.

ABWEHR:


Auch hier: wenig Grund zur Sorge. Bis auf den spät erblühten Arne Friedrich, 31, sind sämtliche Defensivkräfte noch im besten Wettkampfalter. In der Innenverteidigung wird neben Abwehrboss Per Mertesacker vermutlich Mats Hummels eine ernstzunehmende Alternative zu Friedrich, womöglich auch Holger Badstuber oder Benedikt Höwedes. Auf den Außenbahnen könnte neben dem ewigen Philipp Lahm und den Etablierten Marcell Jansen und Jerome Boateng auch der von Bundestrainer Löw und Juventus Turin sehr geschätzte Dennis Aogo eine Rolle spielen.

MITTELFELD:

Hier wird's eng - und das ist gut so. Eher unwahrscheinlich, dass Michael Ballack mit dann knapp 36 Jahren noch den Capitano geben wird. Es sei denn, Matthias Sammer übernimmt als neuer Trainer nach der WM in Südafrika das Ruder. Sammer steht auf starke Hierarchien. Das könnte für Ballack als Kapitän der Nationalmannschaft bei der WM in Polen und der Ukraine sprechen. Das bei der WM bewährte Duo Schweinsteiger/Khedira kann man sich dagegen auch bei der EM sehr gut vorstellen, unterstützt von Spielern wie Christian Träsch, Philipp Bargfrede, Christoph Moritz oder Stefan Reinartz. Die junge Kreativabteilung um Mesut Özil, Toni Kroos, Markus Marin und Thomas Müller dürfte Gesellschaft von Kevin Großkreutz, Marco Reus und Timo Gebhart bekommen.

STURM:


Da fangen die Probleme an. Miroslav Klose, Deutschlands bester Schütze seit Gerd Müller, würde in Polen und der Ukraine auch schon seinen 34. Geburtstag feiern. Sollte Joachim Löw Trainer bleiben, könnte sich Klose berechtigte Hoffnungen machen - aber sonst? Auch Claudemir Jeronimo Barreto - kurz: Cacau - würde 2012 liebend gern bei der Europameisterschaft mitkicken. Er wäre aber mit 31 als spielender Stürmer, der von seiner Schnelligkeit lebt, auch nicht mit der Frischste.

Bleiben aus der aktuellen Truppe außer der offensiven Allzweckwaffe Thomas Müller und Flügelstürmer Lukas Podolski nur die im Problemkindstatus verharrenden Mittelstürmer Stefan Kießling und Mario Gomez. Letzterer startete gerade eine Offensive, wenn auch nur verbal und in Richtung Klose: "Es ist legitim, dass er die nächste EM in seinem Geburtsland Polen spielen möchte. Doch er wird nicht jünger. Irgendwann wird seine Zeit in der Nationalmannschaft enden, und ich werde alles dafür tun, derjenige zu sein, der den Platz einnimmt." Ob Gomez seinen Karriereknick stoppen kann, dürfte sich kommende Saison beim FC Bayern zeigen.

NACHWUCHS

Aus den Nachwuchsmannschaften stockt der Nachschub. Eric-Maxim Choupo-Moting hat sich in Kamerun festgespielt, Julian Schieber hat es in Stuttgart nicht geschafft und versucht's nun in Nürnberg. Bleiben: Sandro Wagner und Richard Sukuta-Pasu. Wagner, vom 9. bis zum 21. Lebensjahr in Diensten des FC Bayern, ist vor einem Jahr schon mit dem U21-Team in Schweden Europameister geworden. Er ist ein großgewachsener Angreifer, der beidfüßig schießen kann. Aber es gibt auch einen Haken: Der Neu-Bremer hat einen Kreuzbandriss hinter sich. Keiner weiß, wie Wagner diese schwerste aller Fußballerverletzungen auch im Kopf überwunden hat.

Sukuta-Pasu hat Vorfahren aus dem Kongo, wurde in Wuppertal geboren und ist jetzt angestellt beim St. Pauli. Der Stürmer war in allen DFB-Nachwuchsteams eine große Nummer und ist es bei der U21 immer noch. Im Winter kam Sukuta-Pasu auf Leihbasis aus der Nachwuchs-Schmiede von Bayer Leverkusen zum FC St. Pauli. Im Sommer 2011 muss er zurück zu Bayer und will dort eine echte Alternative sein. Das Ziel EM 2012 schlummert bei Sukuta-Pasu schon ein wenig im Hinterkopf: "In zwei Jahren haben wir eine EM, bis dahin kann viel passieren." Recht hat er - in jeder Beziehung.


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