Public Viewing Wieder WM-Partys in ganz Deutschland


Mit der WM 2010 in Südafrika kehrt nach vier Jahren das Gefühl des Sommermärchens zurück nach Deutschland. Nach einem rechtlichen Hickhack mit der Fifa sind die Public-Viewing-Übertragungen gesichert.

Vier Jahre nach dem Sommer-Festival der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ist wieder Party angesagt. Mit dem Anpfiff am 11. Juni im tausende Kilometer entfernten Johannesburg sollen in Innenstädten quer durch die Republik die Fanmeilen noch einmal auferstehen. Ob an der Siegessäule in Berlin, auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg oder im Münchner Olympiastadion - Hunderttausende werden vor Riesenleinwänden König Fußball zelebrieren, überlebensgroß, mit tatkräftiger Hilfe der Sponsoren und der scharfen Kontrolle des Weltfußballverbands FIFA.

Ob in Düsseldorf, Oldenburg, Saarlouis oder Leipzig, in Biergärten und Kneipen, Kirchengemeinden und Parks - vielerorts werden die Fußball-Bilder zum Klang von Südafrikas Vuvuzela-Tröten die Menschen wieder locken, wie eine dpa-Umfrage ergab. Allerdings warnen Experten die werbetreibenden Firmen davor, nicht wie 2006 auf "fußballtrunkene Euphorie" zu setzen. Mit dem Aus für Kapitän Michael Ballack dürften die deutschen Fans den Ball zunächst eher flach halten.

Dennoch greifen vielerorts Kommunen und Sponsoren tief in die Tasche, in anderen Städten fallen die Partys ins Wasser. Etwa in Stuttgart, Saarbrücken, Schwerin oder Potsdam gibt es die Meisterschaft eher auf dem heimischen TV-Gerät, als auf der Leinwand. Kaum Sponsoreninteresse sowie knappe Kassen, lauten die häufigsten Begründungen.

Rund 1600 Veranstalter haben nach bisherigem Stand in ganz Deutschland von der FIFA die Lizenz für die Übertragung der Live- Bilder der WM-Spiele bekommen - nach einem rechtlichen Hickhack mit dem Fußballverband. Die FIFA will verhindern, dass etwa in Metropolen wie Berlin, wo der Verband seine einzige offizielle Fanmeile in Deutschland startet, allzu viele Feste die Bilanz vermiesen. Schon 2006 entstanden auf der Straße des 17. Juni jene Bilder von rund einer Million friedfertiger Menschen, die um die Welt gingen.

Einige Städte scheuen die Kosten

In Hamburg lädt ein Autohersteller auf das Heiligengeistfeld ein, wo gleichzeitig 70.000 Hanseaten die Spiele verfolgen können. Es soll eines der größten Fanparks Europas werden mit einer 70 Quadratmeter großen Leinwand. Auch Frankfurt plant eine kostenlose City-Arena für 15 000 Besucher. Vom Rathenauplatz bis zum Roßmarkt soll eine Doppel- Arena aufgebaut werden. Was für das Finanzzentrum gilt, dürfte auch für die anderen Städte eine Rolle spielen: Mit Kosten von rund einer Million Euro bekomme Frankfurt eine "relativ preisgünstige Promotion", wie Kurt Stroscher von der städtischen Tourismus und Congress GmbH sagt.

Allerdings scheuen auch viele Städte die Ausgaben. Im Südwesten droht die Party ganz ins Wasser zu fallen. Die klamme baden- württembergische Landeshauptstadt Stuttgart will sparen. Sorgen müssen sich die Fans trotzdem nicht machen: Jeder werde irgendwo einen Platz zum Fußballgucken finden, versichert Roger Rinke, Geschäftsführer der Stuttgarter Screen Visions, die 2006 Fanfeste mit Leinwänden ausstattete. "Die Menschen feiern dann eben nicht auf dem Schlossplatz mit 50.000, sondern auf dem Marktplatz von Sindelfingen mit 8000."

Es gibt auch Städte wie Nürnberg, die sich die Partys bezahlen lassen. In der fränkischen Hauptstadt sollen auf der Wöhrder Wiese, wo jüngst Tausende den Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg verfolgten, Leinwände für rund 30.000 Menschen aufgestellt werden.

Vor allem Stadien und Hallen bieten sich zum Massengucken an. Ob im Leipziger Zentralstadion, in Gelsenkirchen, in der Köln Arena oder in der Dortmunder Westfallenhalle - sollte die Nationalmannschaft über die Vorrunde kommen, rechnen die Organisatoren mit zehntausenden Zuschauern und einem Hauch vom Sommermärchen 2006.

Dennoch bleibt der Marketing-Fachmann Markus Voeth (Uni Hohenheim) skeptisch. "2006 war etwas Einmaliges auf dem deutschen Markt, das sich so nicht - vermutlich auch nicht in abgeschwächter Form - wiederholen wird." Wer auf Werbekonzepte aus 2006 setze, laufe ein hohes Risiko, am Markt vorbei zu investieren.

P.S.: Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

DPA/dab DPA

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