WM 2010: Meuterei Druck sprengt Englands Team auseinander


Erst die Meuterei bei den Franzosen, nun droht auch die englische Mannschaft zu zerfallen: Bei den Three Lions hat Abwehrchef John Terry erst den Kapitän entmachtet und jetzt gibt selbst Trainer Fabio Capello das Team auf.

Teammanager Fabio Capello resigniert und steht vor dem Aus, Schattenkapitän John Terry übernimmt das Kommando: Die englische Fußball-Nationalmannschaft hat offenbar jeglichen Teamspirit verloren und scheint am drohenden Vorrunden-K.o. bei der WM in Südafrika zu zerbrechen. "Es fühlt sich an, als wären die letzten zwei Jahre Zeitverschwendung gewesen. Ich habe keine Ahnung, wie oder warum die Spieler an diesem Punkt ankommen konnten", sagte Capello nach einer lautstarken Krisensitzung zwei Tage vor dem "Finale" in der Gruppe C gegen Tabellenführer Slowenien am Mittwoch in Port Elizabeth (16.00 Uhr/ARD und Sky live).

Körperliche und psychische Verfassung zu schlecht

Offenbar kommen die Three Lions einmal mehr bei einem großen Turnier mit dem Druck nicht zurecht. Die körperliche und psychische Verfassung von Wayne Rooney, Steven Gerrard und Co. ist derart schlecht, dass die Fans im Fußball-Mutterland die Hoffnung auf den ersten WM-Titel seit 44 Jahren längst aufgegeben haben. Und auch Capello kann sich mittlerweile kaum noch vorstellen, dass bei seinem Team noch rechtzeitig der Knoten platzt.

"Das Problem könnte der Druck sein. Er lähmt die Beine und den Geist. Man spürt, dass die Mannschaft unheimlich unter Druck steht", sagte der 64-Jährige, dem vor allem das fehlende Spieltempo seiner Mannschaft nicht nachvollziehen kann: "Die ganze Mannschaft ist bei dieser WM viel zu langsam. Es gibt keine Tempowechsel. Ich erkenne das Team einfach nicht wieder."

Terry putscht Spielführer Gerrard weg

Mit seinen deutlichen Worten distanzierte sich Capello, der im Falle eines Scheiterns aller Voraussicht nach entlassen wird, von seiner Mannschaft, die sich ohnehin bereits selbstständig gemacht hat. Innenverteidiger Terry, nach einem Sex-Skandal zu Beginn des Jahres von Capello als Kapitän abgesetzt, entmachtete nach dem 0:0 gegen Algerien den neuen Spielführer Steven Gerrard und berief eine Sondersitzung mit den wesentlichen Akteuren ein.

Als neuer "Spielertrainer" will der Abwehrchef vom englischen Doublegewinner FC Chelsea vor dem letzten Spiel gegen die Slowenen das Ruder noch einmal rumreißen, die Meuterei kam bei den Kollegen aber nicht gut an. "Er hat aus dem Nähkästchen geplaudert", sagten Rooney und Gerrard unisono: Der Alleingang von Terry sorgte teamintern vor allem deshalb für große Unruhe, weil er kurz nach der Krisensitzung an die Öffentlichkeit trat und die englische Presse detailgetreu über die Probleme zwischen Mannschaft und Teammanager informierte.

"Vielleicht fliegt jemand aus dem Team - na und?"

"Vielleicht fliegt nach diesem Abend jemand aus dem Team. Aber wo ist das Problem? Wenn einige Spieler unzufrieden sind und wir einen Streit mit dem Teammanager haben, dann sollte man ehrlich miteinander sein und sprechen. Wir sind alle erfahrene Spieler und mussten uns die Probleme endlich von der Seele reden", sagte Terry, der von Capello forderte, die Taktik zu ändern: So soll England gegen Slowenien mit einem 4-5-1-System und Rooney als einziger Spitze spielen: "Wenn das Capello sauer macht, dann sagen ich: 'Na und!' Denn ich bin hier um für England den WM-Titel zu gewinnen. Und ich spreche für die ganze Mannschaft und die Fans in England, die sich große Erfolge wünschen."

Auch Frank Lampard distanziert sich von John Terrys Verbalspitzen. Es gebe keine gemeinsame Spielerrevolte gegen den Coach, sagte der Fußball-Profi des FC Chelsea. "Das ist alles übertrieben, ich bin kein Rebell, es gibt keine Rebellengang", so der 32-Jährige.

Englischer Verband auf Seiten der Spieler

Unterdessen hat sich der englische Verband FA offenbar auf die Seite der Spieler geschlagen und bereitet die Entlassung von Capello vor. Sollte er nach einem Ausscheiden in der Vorrunde wider Erwarten nicht zurücktreten, gilt als sicher, dass der Verband den Vertrag kündigen wird - verbunden mit einer Abfindung von geschätzten 13,8 Millionen Euro. England braucht im dritten und letzten Gruppenspiel einen Sieg gegen Slowenien, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Schiedsrichter der Partie ist der deutsche Fifa-Referee Wolfgang Stark.

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SID/nik SID

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