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WM 2014: Halbfinale! Deutschland bezwingt starke Franzosen

Das war eng: Dank Mats Hummels und Manuel Neuer gewinnt Deutschland 1:0 gegen Frankreich und zieht ins Halbfinale ein. Der Gegner am Dienstag heißt Brasilien.

Jetzt ist der ganz große Coup drin! Exakt 60
Jahre nach dem "Wunder von Bern" hat die deutsche Nationalmannschaft
zum 13. Mal das WM-Halbfinale erreicht und damit einen großen Schritt
zum vierten WM-Triumph nach 1954, 1974 und 1990 gemacht. Mats Hummels versetzte mit seinem zweiten
Turniertreffer zum 1:0 (1:0)-Sieg in der Hitze von Rio de Janeiro
Frankreich per Kopfball den K.o. und sorgte bei den Fans in der Heimat endgültig
für riesen WM-Euphorie. In der Schlusssekunde rettete Manuel Neuer
mit einer Glanzparade den Sieg.




Mit dem überzeugenden Kapitän Philipp Lahm wieder als rechtem
Verteidiger schaffte Bundestrainer Joachim Löw die Grundlage für den
umjubelten Vorstoß unter die besten Vier, wo die DFB-Auswahl bereits
in den vergangen drei Turnieren stand. Am Dienstag ist in Belo
Horizonte Brasilien der Gegner. Die Seleção schlug Kolumbien im zweiten Viertelfinale des Tages mit 2:1.

Nach kontroversen Diskussionen auch in seinem engsten Stab verwarf
Löw sein bisheriges Personalkonzept und beorderte Lahm aus dem
Mittelfeld zurück auf die rechte Seite in der Viererkette. Doch der
Bundestrainer hatte im 110. Länderspiel seiner Amtszeit noch mehr in
petto: In der Innenverteidigung musste Abwehrchef Per Mertesacker für
den genesenen Hummels Platz machen, Sami Khedira rückte neben Bastian
Schweinsteiger und Toni Kroos ins Mittelfeld und in der Sturmspitze
kam Miroslav Klose zu seinem Startelfdebüt in Brasilien.

Hummels trifft nach Freistoß von Kroos

"Jogi hat gespürt, dass die Mannschaft eine Stimulans braucht. Dem
hat er mit Lahm und Klose entsprochen", berichtete Teammanager Oliver
Bierhoff vor dem Anpfiff in der ARD und fügte mit Blick auf die
Personalie Mertesacker hinzu: "Das war eine schwere Entscheidung für
den Trainer, auch menschlich. Er hat mit ihm persönlich gesprochen
und Per hat das super aufgenommen."

In neuer Formation startete die DFB-Auswahl vor 74.240 Zuschauern im
legendären Maracana schwungvoll in ihr 890. Länderspiel seit der
Premiere im Jahr 1908. Und wie beim Auftakt-4:0 gegen Portugal war es
Hummels, der die Löw-Truppe und Millionen Fans in der Heimat früh
jubeln ließ. Nach einem Freistoß von Kroos behauptete sich der
BVB-Verteidiger im Luftkampf gegen Raphael Varane und köpfte den Ball
unhaltbar für Frankreichs Schlussmann Hugo Lloris unter die Latte. Es
war das vierte Länderspieltor für Hummels - und das vierte per Kopf. Zuhause in Deutschland freute sich der Dortmunder Teamkollege Marco Reus.




Mit der Führung im Rücken kontrollierte die DFB-Auswahl das
Geschehen, obwohl die personellen Schachzüge von Löw nur bedingt
aufgingen. Kapitän Lahm machte die rechte Seite hinten dicht und
entwickelte viel Drang nach vorn, wo Klose jedoch kaum zur Geltung
kam. Nur in der 24. Minute ließ der 36 Jahre alte Routinier seine
Gefährlichkeit aufblitzen, als er im Strafraum von Mathieu Debuchy
gehalten wurde und zu Boden ging. Schiedsrichter Nestor Pitana aus
Argentinien winkte jedoch ab und ließ weiterlaufen.

Gelb für Khedira

In der sengenden Mittagshitze von Rio de Janeiro fielen aber nur zwei
Akteure in der ersten Hälfte richtig ab. Mesut Özil war überhaupt
nicht im Spiel und bot erneut eine enttäuschende Vorstellung. Und der
erst kurz vor der WM von einem Kreuzbandriss genesene Khedira
offenbarte einmal mehr Probleme mit Kraft und Antrittsschnelligkeit.
Der Champions-Leaguer-Sieger von Real Madrid konnte kaum einen
Zweikampf für sich entscheiden und kassierte nach dem Wechsel nach
einem taktischen Foul auch noch Gelb.

Die Franzosen berappelten sich nur langsam von dem Tiefschlag des
Rückstandes und kamen erst gegen Ende der ersten Halbzeit zu einigen
gefährlichen Angriffen. Nachdem Karim Benzema in der Anfangsphase per
Direktabnahme knapp das Tor verfehlt hatte, dauerte es allerdings
fast eine halbe Stunde bis zur nächsten Chance. Die hatte es aber in
sich: Einen Schuss von Mathieu Valbuena parierte Manuel Neuer im
Stile eines Klassemannes, den Nachschuss von Benzema blockte Hummels
ab. Kurz vor dem Pausenpfiff musste Neuer in seinem 50.
Länderspieleinsatz noch einmal gegen Benzema retten.

Nach dem Wechsel riss die Equipe tricolore das Spiel immer mehr an
sich. Die DFB-Auswahl wurde nun in der Defensive wesentlich häufiger
gefordert und entwickelte kaum noch eigene Angriffe. Immerhin gelang
es weitgehend, die Positionen zu halten und dadurch die Räume eng zu
machen. Die Abwehr stand, so dass Neuer lediglich bei einem Kopfball
von Varane (60.) eingreifen musste.

Joker Schürrle für den glücklosen Klose

Löw reagierte auf die veränderte Spielsituation, die ihm sichtlich
nicht behagte, und brachte nach 68 Minuten Joker André Schürrle für
den ausgelaugten Klose. Der glück- und erfolglose Stürmer von Lazio
Rom verpasste sein 16. Endrundentor und muss sich den Titel des
besten WM-Schützen weiter mit dem Brasilianer Ronaldo teilen.

Erst in der Schlussphase wurde es dann noch einmal aufregend. Erst
köpfte Benedikt Höwedes bei einem Abwehrversuch den Ball an den Kopf
von Hummels, der dadurch fast ein Eigentor fabrizierte. Dann hätte
Schürrle im Gegenzug das Spiel entscheiden müssen, doch der
England-Legionär vom FC Chelsea scheiterte völlig frei vor Lloris am
französischen Keeper. Drei Minuten vor Ultimo vergab Schürrle erneut,
doch das ging am Ende im Jubel unter.


Jens Mende, Klaus Bergmann und Christian Kunz, DPA / DPA

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