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Fifa-Referee Felix Brych: Kriegsverbrecher-Vergleich: Serben wüten gegen deutschen Schiri

"Der Deutsche, der Dieb!": Serbien wittert einen "brutalen Raub" durch Felix Brych. Der Schiedsrichter sieht sich nach seinem ersten WM-Einsatz in Russland mit heftiger Kritik konfrontiert. Ärger droht jedoch jemand anderem.

Sieht sich massiver Kritik aus Serbien ausgesetzt: der deutsche Schiedsrichter Felix Brych

Sieht sich massiver Kritik aus Serbien ausgesetzt: der deutsche Schiedsrichter Felix Brych

DPA

Wüste Beschimpfungen, Verschwörungstheorien und eine geschmacklose Kriegsverbrecher-Entgleisung: Felix Brych geht mit dem Ballast schwerster Kritik aus Serbien in seine nächsten WM-Einsätze. Nach der landesweiten Wut über einen nicht gegebenen Elfmeter protestierte der serbische Verband in einem offiziellen Brief bei der Fifa über den deutschen Schiedsrichter und seine Assistenten. 

Nach seinen skandalösen Aussagen muss sich nun jedoch Serbiens Coach Mladen Krstajic beim Weltverband verantworten, am Sonntag wurde ein Disziplinarverfahren eröffnet. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, so wie man uns den Prozess gemacht hat", sagte der Ex-Bundesligaprofi über Brych.

Mit dem Bezug auf das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, das zahlreiche Serben wegen schwerster Verbrechen während der Kriege beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens verurteilt hat, gipfelten die Schmähungen nach der 1:2-Niederlage gegen die Schweiz. Auch am Sonntag klagten die Zeitungen Brych auf ihren Titelseiten an. "Wir decken auf, wer der Betrüger Felix Brych ist. Der Deutsche, der Dieb!", schrieb die weit verbreitete Boulevardzeitung "Kurir" und bezichtigte den Unparteiischen der Bestechlichkeit.

Große Töne aus Serbien

Der Weltverband erhielt angesichts der Ansetzung der deutschsprachigen Unparteiischen für das Europaduell ebenfalls reichlich Kritik. Serbiens Verbandspräsident Slavisa Kokeza witterte gar ein Komplott. "Wir alle wissen, dass mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung deutsch ist", sagte er wahrheitswidrig bei der BBC und sprach von "einem brutalen Raub". Auch ihm droht in einem Disziplinarverfahren Ärger durch die Fifa.

Zwischen dem schwedischen Nationalcoach Janne Andersson und Mitgliedern aus dem deutschen Betreuerstab ist es zu einem unschönen Gerangel gekommen.

Die Protestnote des Verbands dürfte keine direkten Konsequenzen haben. Mehrere Verbände hatten sich während dieser WM schon ebenfalls schriftlich über eine Schiedsrichter-Leistung beklagt. Da der 42 Jahre alte Brych das hitzige Spiel im Griff hatte, darf er wohl auf weitere hochkarätige Einsätze hoffen. Einzelne Szenen will die Fifa erst nach der Vorrunde öffentlich bewerten.

In der 66. Minute der Partie in Kaliningrad kämpfte Serbiens Stürmer Aleksandar Mitrovic im Strafraum mit den Schweizern Stephan Lichtsteiner und Fabian Schär um den Ball. Die Eidgenossen klammerten, der Angreifer stützte sich auf und verschaffte sich so zusätzlich Platz - Brych entschied auf Foul von Mitrovic. Das deutsche Gespann mit den Video-Assistenten um Felix Zwayer und Bastian Dankert beließ es bei dieser ersten Bewertung auf dem Rasen, es kam zu keiner Überprüfung am Spielfeldrand.

Aus Sicht des deutschen Schiedsrichter-Chefs Lutz Michael Fröhlich "durchaus vertretbar" und "keinesfalls krass falsch, so dass ein Video-Assistent eingreifen müsste", sagte Fröhlich der Deutschen Presse-Agentur. Der 60-Jährige bescheinigte Brych "eine gelungene Spielleitung": "Felix Brych hat das brisante Spiel unaufgeregt und sicher geleitet. Er ließ das Spiel laufen, wo es möglich war und setzte auch die Gelben Karten nachvollziehbar und konsequent ein." 

"Der Deutsche hat uns bestohlen"

Während in den Schweizer Medien der deutsche Unparteiische nach der politisch aufgeladenen Partie kein Thema war, überschlugen sich die serbischen Kommentatoren in ihren Worten. "Eine Schande, wie sie schändlicher nicht sein kann", schrieb "Sportski zurnal". Die Boulevard-Zeitung "Alo" titelte: "Der Deutsche hat uns bestohlen. Der Unparteiische massakrierte unsere Mannschaft und ermöglichte unserem Gegner, eine Niederlage in einen Sieg umzuwandeln."

Nach dem ersten Einsatz bei der WM ging es für Brych wieder zurück nach Moskau, dort bereiten sich die Unparteiischen gemeinsam mit Trainingseinheiten vor. Vor vier Jahren leitete er in Brasilien zwei Vorrundenspiele. In Russland dürfte der Schiedsrichter von 2017 nun voraussichtlich noch zu weiteren Auftritten kommen - nur die Serben würden beim Weiterkommen nicht mehr unbedingt auf Brych als Spielleiter hoffen.

Auch das Ausscheiden bei einer Weltmeisterschaft will gelernt sein. Diese peruanischen Fans beherrschen es jedenfalls nicht.
fin/Florian Lütticke, Thomas Brey und Ulli Brünger / DPA

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