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WM 2018: Eklat nach WM-Partie: Serbischer Trainer vergleicht deutschen Schiri mit Kriegsverbrechern

Serbiens Medien überschlagen sich mit Kritik am deutschen Referee Felix Brych. Coach Mladen Krstajic wählt einen geschmacklosen Vergleich.

Brych diskutiert mit einem SPieler

Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych wurde nach der Partie zwischen Serbien und der Schweiz harsch kritisiert

DPA

Der serbische Verband spricht von einem Skandal, die Medien wüten über Felix Brych. Die schlimmste Entgleisung in der Kritik gegen den deutschen WM-Schiedsrichter und dessen Video-Assistenten leistet sich aber Coach Mladen Krstajic. "Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, so wie man uns den Prozess gemacht hat", sagte der frühere Bundesligaprofi nach Angaben des nationalen Fußballverbandes (FSS) am Samstag nach der 1:2-Niederlage gegen die Schweiz vor serbischen Journalisten.

Geschmackloser Vergleich mit Kriegsverbrechern

In den sozialen Medien schrieb Krstajic weiter: "Augenscheinlich sind leider nur die Serben zu selektiver Gerechtigkeit verurteilt: Früher das verfluchte Haag und heute im Fußball der Videoassistent." Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hatte in den letzten Jahren zahlreiche Serben wegen schwerster Verbrechen während der Kriege beim Auseinanderbrechen Jugoslawiens (1991-1999) verurteilt.

Wegen eines nicht gegebenen Elfmeters steht Brych trotz einer souveränen Leistung im Zentrum schärfster Kritik aus Serbien. "Der brutale Diebstahl von Brych", titelte die Zeitung "Sportski zurnal".

Offizieller Protest des Verbands bei der FIFA

Der serbische Fußballverband schickte einen Protestbrief an den Weltverband. Die FIFA bestätigte am Samstag den Eingang eines Schreibens mit Bezug auf die Partie, machte aber keine weiteren Angaben. Brasilien hatte sich während der WM in Russland ebenfalls bereits schriftlich über eine Schiedsrichter-Leistung beklagt, Folgen hatte dies nicht. Serbiens Legende und Verbandsfunktionär Savo Milosevic ging Brych ebenfalls verbal an. "Das ist skandalös", sagte der frühere Nationalspieler.

"Wir hätten schon gegen Costa Rica einen Strafstoß bekommen müssen. Wir wurden das zweite Mal betrogen. Das sind spielentscheidende Szenen. Dafür gibt es doch den Videobeweis, um solche Fehler zu vermeiden."

Das Gespann aus Brych und den Video-Assistenten um Felix Zwayer und Bastian Dankert beließ es aber bei der ersten Bewertung auf dem Rasen, es kam zu keiner Überprüfung am Spielfeldrand. In der 66. Minute kämpfte Serbiens Stürmer Aleksandar Mitrovic im Strafraum mit den Schweizern Stephan Lichtsteiner und Fabian Schär um den Ball. Die Eidgenossen klammerten, der Angreifer stützte sich auf und verschaffte sich so zusätzlich Platz - Brych entschied auf Foul von Mitrovic. Aus Sicht des deutschen Schiedsrichter-Chefs Lutz Michael Fröhlich durchaus vertretbar" und "keinesfalls krass falsch, so dass ein Video-Assistent eingreifen müsste", sagte Fröhlich der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Kollege unterstützt Brych: "gelungene Spielleitung"

Der 60-Jährige bescheinigte Brych "eine gelungene Spielleitung": "Felix Brych hat das brisante Spiel unaufgeregt und sicher geleitet. Er ließ das Spiel laufen, wo es möglich war und setzte auch die Gelben Karten nachvollziehbar und konsequent ein."

Für Brych war es der erste Auftritt bei dieser WM, vor vier Jahren kam er in Brasilien bei zwei Vorrundenspielen zum Einsatz. In Russland dürfte der 42-Jährige nun voraussichtlich noch zu weiteren Auftritten kommen - nur die Serben würden beim Weiterkommen nicht mehr unbedingt auf Brych als Schiedsrichter hoffen.

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sw / DPA

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