Olympia-Abstellung Blatter spricht ein Machtwort


Jetzt hat sich auch Fifa-Präsident Josef Blatter in den Streit um die Abstellung namhafter Bundesliga-Profis für das Olympische Fußballturnier eingemischt. Einen Tag vor der Entscheidung des Sportgerichtshofes CAS forderte er die betroffenen Vereine Werder Bremen und Schalke 04 auf: "Lasst sie spielen!"

Mit einem flammenden Appell hat Fifa-Boss Joseph Blatter die Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 und Werder Bremen 24 Stunden vor der Berufungsverhandlung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS zur Freistellung ihrer Profis Rafinha und Diego für die Olympischen Spiele aufgefordert. "Wir wollen, dass die Vereine, selbst wenn sie Recht bekommen, die Spieler nicht nach Hause beordern. Lasst sie spielen", erklärte der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa am Montag in Peking.

Offenbar sind die Bundesligisten mittlerweile bereit, sowohl Diego als auch Rafinha unabhängig vom Ausgang des CAS-Urteils für Brasiliens Auswahl spielen zu lassen. Wie Werder wird wohl auch Schalke auf eine Rückholaktion des eigenmächtig nach Peking gereisten Rafinhas verzichten. Abgesehen davon, dass der 22-Jährige sich seinen Olympia-Traum unbedingt erfüllen will, reift auf Schalke allmählich die Erkenntnis, dass eine erzwungene "Last-Minute-Rückkehr" des Rechtsverteidigers keinen Sinn mehr machen würde.

Rafinha bei Schalke nur noch zweite Wahl

"Er verpasste einen entscheidenden Teil der Vorbereitung. Würden wir ihn bei den Brasilianern noch rausschmeißen, hätte er zudem den Kopf nicht frei für uns", sagte Schalke-Manager Andreas Müller der "Bild"-Zeitung. Intern hat Trainer Fred Rutten längst verdeutlicht, dass Rafinha zunächst nur als "Reservist" taugen würde, weil er lieber auf die in der Vorbereitung zur Verfügung stehenden Profis setzt. Auf Rafinhas Position ist zurzeit Nationalspieler Heiko Westermann erste Wahl.

Zuvor hatten bereits die Bremer signalisiert, dass Diego in China bleiben darf. Außerdem hatte Werder einen Tag nachdem die Fifa per Einzelrichter-Urteil die Abstellungspflicht für unter 23-Jährige bestätigt und mit dem Gewohnheitsrecht begründet hatte, den Serben Dusko Tosic zur serbischen Nationalelf ziehen lassen.

Blatter ist von Haltung der Clubs überrascht

Blatter bekräftigte bei seinem Auftritt vor der Weltpresse noch einmal die Haltung der Fifa. "Seit 1992 ist das olympische Fußball-Turnier offen für Spieler unter 23 Jahren. Es hat noch nie eine Klage über die automatische Spielberechtigung aller U 23-Spieler bei Olympia gegeben", sagte Blatter. Der Weltverband sei daher von der "unnachgiebigen Haltung" der betroffenen Clubs - neben Bremen und Schalke kämpft auch der FC Barcelona um seinen argentinischen Star Lionel Messi - überrascht worden.

Er warf den Vereinen mangelnden Respekt gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vor. "Das sind doch keine armen Clubs. Die leiden sicher nicht darunter, wenn die Spieler fehlen. Man sollte ihnen ermöglichen, sich ihren Traum zu erfüllen", sagte Blatter. Als Kronzeugen in eigener Sache berief er Bayern Münchens Trainer Jürgen Klinsmann, der den Gewinn der Bronzemedaille bei den Sommerspielen 1988 in Seoul einmal als den "emotionalsten Moment meiner Karriere" bezeichnet hatte.

Fifa will für die Zukunft eine klare Richtlinie

Schalke-Manager Müller verteidigte die Linie der Bundesligisten, die an dem Verfahren vor dem CAS festgehalten haben, um den Weltverband künftig zu einer endgültigen und verbindlichen Regelung zu zwingen. "Wir müssen uns allein aus Prinzip gegen die Fifa wehren. Sie schwächt die Vereine immer mehr." Blatter wies dies zurück, sieht aber ebenfalls Handlungsbedarf: "Wir hatten geglaubt, dass wir eine klare Lage geschaffen haben. Das war nicht der Fall. Wir werden dieses Thema daher dem Kongress vorlegen, um dies für 2012 zu realisieren."

DPA DPA

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