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Olympia in Vancouver: Es ist angerichtet

Die deutschen Olympioniken wollen in Vancouver wie schon in Turin vor vier Jahren wieder die erfolgreichste Wintersportnation werden. 15 Medaillen wünscht sich der Verband. Biathletin Magdalena Neuner soll eine davon liefern und zwar möglichst eine goldene.

Von Christian Ewers, Whistler

Das Schokoladentörtchen rührte sie nicht an, natürlich nicht. Aber sie verschlang es mit den Augen, so lange und so schmachtend starrte Magdalena Neuner auf ihr Geburtstagsgeschenk, das ihr die deutsche Teamleitung aufgetischt hatte. 23 Jahre alt wurde die Biathletin am Dienstag in Whistler, Kanada. Ihr größter Feststag jedoch soll erst noch kommen. Neuner will bei den Olympischen Spielen Gold gewinnen - womöglich schon am Samstag, dann startet sie im 7,5-Kilometer-Sprintrennen. "Ein Olympiasieg wäre die Krönung", sagte Neuner, "ich fühle mich gut, mal schauen, was dabei rauskommt." Sie gab sich locker, gelöst, lachte über jeden Scherz im Klubhaus des Golfvereins "Nicklaus North", der seit Beginn dieser Woche zum sogenannten Deutschen Haus umfunktioniert wird. Hier, am gottverlassenen Rand des Skidorfs Whistler, zehn Autominuten vom Marktplatz entfernt, will die deutsche Olympiamannschaft so manche Medaille feiern.

15 plus X, lautet die Formel von Thomas Pfüller, dem Generalsekretär des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). 15 Medaillen also sollen es am Ende sein, eine von Magdalena Neuner ist bereits in der Kalkulation enthalten. Die sechsfache Weltmeisterin ist eine der größten Hoffnungen in der Equipe, zu der 153 Athleten zählen. 64 sind bereits angereist, 24 wohnen in Vancouver, 40 im olympischen Dorf in den Bergen von Whistler, British Columbia.

"Positive Stimmung" im deutschen Lager

Die Deutschen wollen Platz eins im Medaillenspiegel verteidigen; in Turin vor vier Jahren waren sie die erfolgreichste Wintersportnation. Den Erfolg zu wiederholen werde schwer genug, glaubt Bernhard Schwank. "Die Spitze ist in der Breite enger geworden", sagte der Chef de Mission etwas kryptisch, meinte aber, was viele Chefs im Sport immer wieder gern sagen: dass es keine "kleinen Nationen" mehr gibt, dass Konkurrenz von allen Seiten droht.

Schwank lobte während der Auftaktpressekonferenz die "positive Stimmung" im deutschen Lager und auch den "guten Gesundheitszustand" der Athleten. "Alles ist angerichtet", sagte Schwank, dem diese Winterspiele besonders wichtig sind. Es gehe um mehr als nur um Medaillen für die Deutschen, glaubt Schwank. München ist ernsthaft interessiert an der Ausrichtung der Spiele 2018 - deshalb ist jeder deutsche Sieg auch ein Signal. "Ein starke Auftritt würde unserer Bewerbung gut tun", sagte Schwank. "Wir wollen eine Botschaft in die Welt senden."

Ein paar Tage müssen sich der ehrgeizige Chef de Mission und die Athleten noch gedulden; am Freitag steigt die Eröffnungsfeier in Vancouver, am Samstag beginnt der Kampf um die 229 Medaillen in 86 Wettbewerben dann richtig. Und Magdalena Neuner mischt sofort mit.

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