Nach der emotionalen Erinnerung an den gestorbenen Mitspieler Johnny Gaudreau des US-Eishockeyteams rief Präsident Donald Trump in der Kabine der Olympiasieger an. "Ich weiß nicht, ob es per Facetime oder was auch immer war, aber die Spieler haben mit ihm gesprochen und er hat seinen Respekt ausgedrückt und gratuliert", berichtete US-Trainer Mike Sullivan nach dem dritten Eishockey-Olympiasieg nach 1960 und 1980 - auf den Tag genau 46 Jahre nach dem "Miracle on Ice". "Wir sind alle stolze Amerikaner, das war ein großartiger Moment", sagte US-Kapitän Auston Matthews von den Toronto Maple Leafs zum Trump-Anruf.
Nach dem 2:1 (1:0, 0:1, 0:0) nach Verlängerung im Finale von Mailand gegen den Erzrivalen Kanada fuhren die Olympiasieger mit einem Gaudreau-Trikot über das Eis. "Das war sehr emotional. Johnny war mit uns hier. Er hat uns allen so viel bedeutet. Man kann nicht beschreiben, was er für uns und das Eishockey geleistet hat", sagte Co-Kapitän Charlie McAvoy (Boston Bruins).
Emotionale Jubelgeste für verstorbenen Gaudreau
NHL-Star Gaudreau von den Columbus Blue Jackets war wie sein Bruder Matthew Ende August 2024 beim Radtraining durch einen Unfall ums Leben gekommen. Ein vermutlich unter Alkoholeinfluss stehender SUV-Fahrer hatte beide umgefahren. "Das war speziell", kommentierte auch US-Skistar Lindsey Vonn aus der Heimat.
Vor dieser Geste hatten die US-Boys am Schlusstag der Winterspiele den Topfavoriten Kanada dank des überragenden Torhüters Connor Hellebuyck von den Winnipeg Jets entzaubert. "Er war ohne Zweifel unser Held heute", sagte Coach Sullivan und Matthew Tkackchuk von Stanley-Cup-Sieger Florida Panthers sagte: "Das war sicher eine der besten Leistungen überhaupt, die wir jemals gesehen haben."
Überragender Torhüter Hellebuyck
Mit teils unwirklichen Paraden hatte der 32-Jährige die kanadischen Stars um Olympia-Topscorer Connor McDavid entnervt und überhaupt die Verlängerung erzwungen. Dort schoss Jack Hughes von den New Jersey Devils die USA in der zweiten Minute zum dritten Olympiasieg nach 1960 und 1980. Vor 46 Jahren hatte eine US-Collegeauswahl in Lake Placid die damals übermächtig erscheinende Sowjetunion geschlagen und später Gold gewonnen. "Das hat seitdem definitiv zu lange gedauert", sagte Kapitän Auston Matthews von den Toronto Maple Leafs.
In der regulären Spielzeit hatten Matt Boldy (6. Minute) von Minnesota Wild für die USA und Cale Makar (39.) von Colorado Avalanche für Kanada getroffen. Top-Favorit Kanada ohne den verletzten Kapitän Sidney Crosby verlor damit erstmals ein Olympia-Finale gegen den großen Erzrivalen. Schon das Frauenfinale hatten die USA gegen das Mutterland des Eishockeys gewonnen. Bronze bei den Männern gewann Finnland durch ein 6:1 am Vorabend gegen Deutschland-Bezwinger Slowakei.
Kanada ohne Kapitän Crosby
Für die nordamerikanische Profiliga, die die weltbesten Spieler erstmals seit 2014 wieder für die Winterspiele freigegeben hatte, war es das perfekte Finale. Schon vor dem krönenden Abschluss war die große Rivalität beider Teams zelebriert worden. Einen Schönheitsfehler gab es allerdings: Kanadas Kapitän musste sich die Schmach von der Tribüne aus ansehen. Crosby, der Kanada 2010 in Vancouver zum Overtime-Sieg gegen die USA geführt hatte, hatte sich im Viertelfinale gegen Tschechien verletzt und bereits das Halbfinale gegen Finnland verpasst.
In Abwesenheit verpasste die kanadische Ikone seine dritte Goldmedaille nach 2010 und 2014. Ein sowjetisches Sextett um den legendären Torhüter Wladislaw Tretjak bleibt in dieser Wertung führend. Ohne Crosby tat sich Kanada schwer. Zwar schossen die Stars um Aushilfskapitän Connor McDavid immer wieder aufs Tor, dort glänzte aber der aktuell beste Keeper der Welt.
Bitter war die Finalpleite insbesondere für Leon Draisaitls Kumpel McDavid. Der 29 Jahre alte Superstar Kanadas gilt als bester Spieler der Welt, trotz seines 2016 errungenen WM-Titels in Nordamerika aber auch als ewiger Zweiter. Mit den Edmonton Oilers verlor er seitdem bereits zwei Finalserien um den Stanley Cup.
Nun muss der Olympia-Topscorer mit der erneuten Schmach leben. Da hilft auch sein in Mailand aufgestellter olympischer Rekord nichts: Noch nie zuvor hat ein Spieler in einem Olympia-Turnier 13 Punkte gesammelt.