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Australian Open Eklat in Melbourne: Australien entzieht dem ungeimpften Djokovic das Visum – Tennisstar geht vor Gericht

Novak Djokovic vor einem Jahr bei den Australian Open
Novak Djokovic vor einem Jahr bei den Australian Open: Der Serbe kämpft darum, auch in diesem Jahr an dem Turnier teilzunehmen
© William West / AFP
Die Ausnahmegenehmigung für Novak Djokovic für die Australian Open sorgt für mächtig Wirbel. Der Tennisstar wird lange am Flughafen aufgehalten, schließlich wird ihm das Visum entzogen. Doch der Serbe wehrt sich – und sogar sein Präsident springt ihm bei.

Kurz nach seiner Landung am späten Mittwochabend (Ortszeit) in Melbourne nahm die Farce um Tennis-Superstar Novak Djokovic eine jähe Wendung. Trotz seiner umstrittenen medizinischen Ausnahmegenehmigung für den Start bei den Australian Open verweigerten die Grenzschützer dem wohl ungeimpften Serben die Einreise, weil sein Visum offenkundig ungültig war, und ließen ihn stattdessen in ein Hotel für Ausreisepflichtige bringen. Einige Stunden später strich die australische Regierung Djokovic das Visum. Der Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste wurde mitgeteilt, dass sie Australien am Donnerstag verlassen muss.

Australian Open: Eklat in Melbourne: Australien entzieht dem ungeimpften Djokovic das Visum – Tennisstar geht vor Gericht

"Das Visum für Novak Djokovic wurde gecancelt", bestätigte Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt am Donnerstagmorgen. Djokovic habe nicht darlegen können, dass er die Einreisebestimmungen erfüllt, daher sei "das Visum anschließend storniert" worden, hieß es in der Erklärung der Grenzschutzbehörde. Die Dokumente, die der 34-Jährige vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor.

Novak Djokovic legt Einspruch gegen Abschiebung ein

Doch Djokovic kämpft praktisch in letzter Minute gegen seine Abschiebung aus Australien. Seine Anwälte legten am Donnerstagnachmittag vor einem Gericht in Melbourne Rechtsmittel gegen den Visumsentzug ein, wie das australische Nachrichtenportal "The Age" berichtete. Demnach suchen sie noch Dokumente zusammen und sollen im Laufe des Tages von Richter Anthony Kelly gehört werden.

In Serbien sorgte die Nachricht von der Behandlung Djokovics derweil für einen öffentlichen Aufschrei. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic erklärte auf Instagram, er habe mit Djokovic telefoniert und ihm gesagt, dass "ganz Serbien bei ihm ist". Die serbischen Behörden würden "alle Maßnahmen ergreifen, damit die Misshandlung des besten Tennisspielers der Welt so schnell wie möglich aufhört". Im Einklang mit "allen Normen des internationalen öffentlichen Rechts" werde Serbien für "Novak Djokovic, für Gerechtigkeit und Wahrheit kämpfen". Ansonsten sei der Tennisspieler "stark, wie wir ihn alle kennen", fügte der Präsident hinzu.

Djokovic, der sich wiederholt kritisch gegen Corona-Impfungen geäußert hatte, war nach seiner Ankunft in Australien am Mittwoch mehrere Stunden auf einem Flughafen in Melbourne festgesetzt worden, nachdem die australischen Grenzschutzbehörden Bedenken hinsichtlich des Einreisevisums geäußert hatten. Sein Sohn sei in einem bewachten Raum festgehalten worden, sagte sein Vater Srdjan Djokovic dem Internetportal B92. "Novak befindet sich derzeit in einem Raum, den niemand betreten kann", sagte er. "Vor dem Raum stehen zwei Polizisten", fügte er hinzu.

Dem serbischen Nachrichtenportal "Sputnik" sagte Srdjan Djokovic, sein Sohn sei "fünf Stunden lang am Flughafen festgehalten" worden. Er habe "keine Ahnung, was hier vor sich geht". Was mit seinem Sohn passiere, sei "nicht nur ein Kampf für Novak, sondern für die ganze Welt". Auf der Plattform Instagram schrieb er später das Wort "Abschiebung!", nachdem die australischen Behörden dem Tennisprofi die Einreise verweigerten. "Unser Stolz, unser Novak kehrt zurück ... Wir sollten ihn alle willkommen heißen, wie er es verdient!"

"Schlag ins Gesicht für Millionen Australier"

Schon vor der Ankunft des 34-Jährigen in Australien hatte sich eine Welle der Empörung im Gastgeberland des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison aufgebaut. Die Ausnahmeerlaubnis für Djokovic sorgte für "Zorn und Konfusion", wie es der Sender ABC nannte. Andere Äußerungen reichten von "Ohrfeige für alle Australier" bis "Schlag ins Gesicht für Millionen von Australiern". Turnierdirektor Craig Tiley verteidigte die umstrittene Entscheidung, bat den 20-maligen Grand-Slam-Sieger aber um Nennung seiner Gründe.

"Ich war auch absolut überrascht", sagte der deutsche Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Es sind noch viele Fragezeichen da. Hoffentlich werden die in den nächsten Tagen und Wochen bis zum Start beantwortet." Das Turnier startet am 17. Januar in Melbourne. Nur Spieler und Spielerinnen, die gegen das Coronavirus geimpft sind oder eine medizinische Ausnahmegenehmigung erhalten haben, dürfen daran teilnehmen.

Australian Open: Eklat in Melbourne: Australien entzieht dem ungeimpften Djokovic das Visum – Tennisstar geht vor Gericht

Am Dienstag hatte Djokovic nach wochenlangem Schweigen und Zaudern mitgeteilt, dass er nun dank genau einer solchen Ausnahmegenehmigung nach Australien fliegen werde. Seinen Impfstatus hat er bislang nicht öffentlich gemacht.

Angesichts des Wirbels um den Start von Djokovic forderte Premierminister Scott Morrison ausreichende Belege für die medizinische Ausnahme. "Er muss das tun, denn wenn er nicht geimpft ist, muss er einen akzeptablen Nachweis erbringen, dass er aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, um Zugang zu den gleichen Reiseregeln wie vollständig geimpfte Reisende zu erhalten", sagte Morrison. Sonst werde Djokovic "im ersten Flieger nach Hause" sitzen.

Auch Innenministerin Karen Andrews sprach Klartext: "Jede Person, die nach Australien einreisen möchte, muss unsere strengen Grenzbestimmungen einhalten", betonte sie. Die Regionalregierung des Bundesstaates Victoria und Tennis Australia könnten einem nicht geimpften Spieler zwar die Teilnahme an dem Turnier gestatten, die Grenzregeln würden jedoch von der Nationalregierung überwacht.

Australian-Open-Chef Tiley verteidigt Djokovic

Und diese Regeln sind und waren in Pandemie-Zeiten streng. "Es ist mir egal, wie gut er als Tennisspieler ist. Wenn er sich weigert, sich impfen zu lassen, sollte er nicht reingelassen werden", sagte der prominente Arzt Stephen Parnis aus Victoria. Die Erlaubnis sei "eine erschreckende Botschaft" an Millionen Australier.

"Es ist traurig für die Bewohner dieses Landes, denen während dieser Pandemie immer wieder internationale und zwischenstaatliche Reisen verweigert wurden, selbst um ihre sterbenden Lieben zu sehen. Für diejenigen, die von ihren Kindern getrennt wurden oder nicht an der Beerdigung eines engen Freundes oder Familienmitglieds teilnehmen konnten", schrieb "The Canberra Times" und resümierte: "Leider sind die Regeln anders, wenn Sie ein globaler Sport-Superstar sind."

"Die medizinische Ausnahmegenehmigung für Novak Djokovic, damit er die Australian Open spielen kann, ist eine kranke Heuchelei", schrieb die australische Zeitung "The Herald Sun". "Seine Teilnahme ist eine Beleidigung für jeden Australier, der wegen Covid durch die Hölle gegangen ist."

Genau diese Vorwürfe versuchte Turnierchef Tiley zu zerstreuen. Die Erlaubnis sei nach strenger Überprüfung durch zwei unabhängige Expertengremien erteilt worden. Djokovic habe einen "völlig legitimen Antrag" gestellt und den notwendigen Prozess durchlaufen. Zugleich forderte Tiley jedoch Djokovic auf, die Gründe bekannt zu geben.

"Ich würde mir wünschen, dass er zur Gemeinschaft redet. Ich würde es schätzen, Antworten zu erhalten", sagte Tiley. 26 Profis oder Betreuer hätten eine Ausnahmegenehmigung beantragt, nur eine Handvoll diese auch tatsächlich erhalten. 

Djokovic hat die Australian Open bereits neunmal gewonnen und wollte als Titelverteidiger auch diesmal unbedingt antreten. Bei einem Sieg hätte er seine Konkurrenten Roger Federer und Rafael Nadal mit Grand-Slam-Triumph Nummer 21 hinter sich gelassen.

mad / Carola Frentzen, Wolfgang Müller, DPA / AFP

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