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Biathlon-Frauen: Am Hof der Schneeköniginnen !!SPERRFRIST!!: 17.01.07

Bei den Heim-Weltcups feiern die Deutschen wieder ihre Biathlon-Frauen - und der Sport hat in der 20-jährigen Magdalena Neuner erneut einen echten Star zu bieten.

Von Iris Hellmuth

Es ist hier einfach so schön, und sicher alles wahr. Eine Welt wie aus dem Bilderbuch, erzählt werden nur märchenhafte Geschichten. Auf fast zwei Meter hat sich der Schnee emporgerieselt, hat die Bergkämme Tirols eingepudert, dass man sie selbst nachts gut sehen kann, wenn die Laternen der Skihütten ihr gelbes Licht verbreiten. Das Hotel der deutschen Biathleten steht da wie eine Trutzburg, vor der Tür Mauern aus Schnee, die Balken des Dachstuhls wie Gewehrläufe in die Nacht gerichtet. Aber drinnen, in der zünftigen Stube, da ist es heimelig. Dort wärmt sich Magdalena Neuner auf, das blonde Haar federt auf den Schultern, die Wangen sind gerötet vom Training. Sie sieht aus wie frisch geschlüpft. Es ist der Tag vor dem Weltcup in Hochfilzen, Österreich, der zweite der Saison. Ein paar Wochen sind es noch bis zu den Heimspielen im Januar, gleich wird es Filet vom Almochsen geben, dazu die Zither-Version eines Beach-Boys-Songs. Wir sind ja in den Bergen. Und Neuner mag die Musik. "Bei uns in Oberbayern ist es normal, dass jeder ein Instrument spielt", sagt sie, "die Buben machen Blasmusik, und die Mädchen zupfen dazu irgendwas. Bei mir ist es halt die Harfe." Dazu macht sie ein Gesicht, als sei das die größte Selbstverständlichkeit der Welt.

Vieles ist selbstverständlich geworden im Biathlon, aber noch nicht Magdalena Neuner. Seit Jahren dominieren die deutschen Frauen die Weltspitze, sie begeistern ihre Landsleute, bis zu sechs Millionen schalten ein, wenn Kati Wilhelm, Martina Glagow und Andrea Henkel Scheiben abräumen. Voriges Wochenende, beim Weltcup in Oberhof, sind wieder Zehntausende an den Schießstand gepilgert, seit diesem Mittwoch geht es in Ruhpolding rund. Ein deutsches Volksfest im Winter, und die Königin der Königinnen heißt Magdalena Neuner. Gleich drei Titel hat sie bei der WM 2007 geholt, da war sie 19; drei bis vier Jahre, sagt man, brauchen Junioren, um den Übergang zu den Profis zu meistern. Neuner brauchte nicht mal eins. Aufgewachsen ist sie in Wallgau bei Garmisch, sie hat drei Geschwister, die Mutter ist Hausfrau, der Vater Bankkaufmann und ehrenhalber Dirigent einer Blaskapelle. Magdalena Neuner ist ein showfähiger Sonnenschein, eine bezaubernde Rampensau. Wie die frühe Franzi van Almsick, nur im Schnee. So eine hat dem ohnehin schon erstaunlich boomenden Biathlon bislang gefehlt: der lebende Beweis, dass es die heile Welt im Sport noch gibt - doch wohl hoffentlich gibt, in diesen Zeiten des ausgeklügelten Dopings.

Bis die Nerven nicht mehr mitspielen

"Im Rampenlicht stehen, das sollen andere", pflegt die niedliche Martina Glagow gern zu sagen, dabei führt sie den Weltcup an. Andrea Henkel kommt schüchtern daher, Kati Wilhelm kraftvoll und laut - durchweg Top-Athletinnen. Magdalena Neuner aber überstrahlt sie. An einem perfekten Tag, wie am Sonntag in Oberhof, eilt sie allen Rivalinnen davon, und obendrein scheint ihre Welt einem Heimatfilm entsprungen, ihr Alltag ist bis in die kleinste Facette vermarktbar. Diesen Sommer hat sie mit ihrem Freund, dem österreichischen Biathleten Franz Perwein, in ihrem Geburtsort ein Haus gekauft, im Erdgeschoss wohnt die Oma, und wenn im Keller eine Ladung Wäsche fertig ist, kann es sein, dass die Oma sie schon aufgehängt hat, wenn die "Lena" runterkommt. Die musiziert gern im Familienkreis, ihr größtes Hobby ist das Stricken, auf ihrer Homepage verkauft sie Wolle und Strickmuster und lächelt dazu wie ein Katalogmodel. Wie keine andere scheint Magdalena Neuner die Sehnsucht nach glaubwürdigem, sauberem Sport zu erfüllen. Fans, Sponsoren, Medien reagierten vor einem Jahr hysterisch, der Deutsche Skiverband richtete gar eine Neuner-Task-Force ein, um sie zu schützen. Doch als die Saison zu Ende ging, fing für sie der Stress erst an. Ständig liefen Unbekannte an ihrem Haus vorbei und glotzten in den Garten; Dutzende von Preisverleihungen, Interviews und Fotoshootings ließ sie über sich ergehen, bis die Nerven nicht mehr mitspielten.

Mitten im Sommer war sie plötzlich den Tränen nahe. "Da haben meine Eltern zu mir gesagt: Jetzt ist Schluss, Lena, jetzt reicht es", sagt sie. "Ich bin da ja reingerutscht. Es haben mir viele erzählt, dass es noch nie so war wie bei mir, aber mei, für mich ist ja auch alles neu." Das Neinsagen hat sie nun gelernt, sie hat es lernen müssen. Inzwischen kümmert sich eine PR-Agentur; als Weihnachtsgruß an die Redaktionen verschickte eine französische Großbank Neuner-Früchteriegel. Ihre Werbeeinnahmen werden auf eine halbe Million Euro geschätzt. "Shootingstar" und "Ladykracher" taufte man sie, Wortspiele, die nicht sagen, wer sie wirklich ist. Im Februar wird Magdalena Neuner 21 Jahre alt. Sie ist kein Mädchen mehr und noch keine Frau. Nach dem Gespräch in Hochfilzen springt sie in ihrem Zimmer herum wie ein Flummi. Auf dem Bett liegt Kathrin Hitzer, die andere Junge im Team, mit einem Buch in der Hand. "Was, du liest?", ruft die Lena, schmeißt sich daneben und kichert: "Na toll, dann bin ich halt die hohle Nuss mit dem Gameboy", springt wieder auf, greift auf ihren Nachttisch, ruft: "Schaut’s her, das ist meine Tussi-Tasch’n", die rosafarbene Etui der Spielkonsole wirbelt durch die Luft, die Lena kräht: "Und jetzt fehlen noch die Kekse", schnappt sich die Schüssel, "das hat mir die Oma zu Weihnachten gebacken, mögt’s welche?" Ein "pfundiges Madl" nennt man so eine in Bayern, die anpackt und trotzdem beim Hüttenzauber aussieht wie die Elfe vom Bergsee.

Es sind ungestellte Momente, getragen vom Gegacker zweier Mädchen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Lena, die Unbekümmerte, und Kathrin, die Zweiflerin, die erst vor einem Jahr in den Kader kam, weil sie ihr Abitur noch machen wollte. Früh ließen sich ihre Eltern scheiden, schon jetzt weiß Kathrin Hitzer, 21, dass sie nach ihrer Karriere Psychologie studieren will. Wie Schneeweißchen und Rosenrot wirken die beiden, die eine behütet und rotwangig, die andere mit ernstem Blick und Haaren wie Ebenholz. Hitzer sagt: "Ich versuche schon, auf meine Seele zu achten." Manchmal grübelt sie, wie sie leben soll, während die Lena lebt, statt zu grübeln. Am nächsten Morgen ist das Gegacker vergessen. Über Nacht sind die Mädchen zu fokussierten Profisportlern geworden, der erste Tag des Wettkampfs in Hochfilzen. Die Luft ist feucht und lau, verletzlich sehen die Berge aus, als könnte man sie mit der eigenen Hand auswringen. Über dem Stadion liegt dichter Nebel. 3000 Fans sind gekommen, viele aus Bayern und Thüringen, mit schwarz-rot-goldenen Pudelmützen und erwartungsfrohen Mienen. Biathlon ist die beliebteste Wintersportart der Deutschen, einmal lag der Marktanteil im Fernsehen bei 40 Prozent.

"Die machen unsere Sportart total kaputt!"

In der Aufwärmzone hüpft Magdalena Neuner auf der Stelle, ein Kameramann an ihrer Seite; als ihr Gesicht auf der Leinwand auftaucht, läuten Kuhglocken, dass einem die Ohren abfallen. Das Rennen aber geht an ihr vorbei, Rang 12. Pumpend steht sie im Ziel. Ihr Blick fällt auf die Fans, plötzlich lacht sie auf und zuckt mit den Schultern; eine erstaunliche Geste, reif und trotzdem naiv, wie das Rudi-Völler-Schulterzucken nach der Euro 2004, "hat halt nicht gereicht", soll es heißen. Die Zuschauer lachen, winken. Vier Schießfehler, vier Strafrunden, das war selbst durch ihre großartige Laufzeit nicht aufzuholen. Sie sei ein Jahrhunderttalent, heißt es. Aber auch Biathlon steht seit den Dopingenthüllungen unter Verdacht. "Der Nordische Skisport ist neben Radsport die versauteste Disziplin", hat der Doping-Experte Werner Franke gesagt, der Radprofi Jörg Jaksche spottet über die Langläufer: Da bedecke der Schnee die schwarzen Schafe. So schnell wie Neuner über die Loipe gleiten, das schafft Kati Wilhelm nicht mehr. Vor neun Jahren war sie nicht mehr als ein Talent, 2006 selbst Sportlerin des Jahres; nun ist sie mit 31 Jahren die Älteste, "und der nächste Schritt ist eigentlich, dass man ans Aufhören denkt", sagt sie. Lange Jahre des Profilebens haben ihrer Persönlichkeit Tiefe gegeben. Im Pressezentrum Hochfilzen sitzt sie vor Kaffee und Lebkuchen, jeder, der vorbeikommt, sagt "Servus"; stets bedankt sie sich mit ihrem breiten Lachen, die Haare leuchten rot.

Das Geraune der Reporter nerve, sagt sie dann aber mit lauter Stimme. Jenes Misstrauen: Warum seid ihr so gut? Nicht ein einziges Mal sei sie in diesem Sommer von der Nationalen Antidoping-Agentur kontrolliert worden, niemand aus der Mannschaft, so könne man seine Unschuld nicht beweisen. "Wie sollen wir uns", ruft Kati Wilhelm, "gegen Leute wehren, die uns allen pauschal vorwerfen, wir würden dopen? Die machen unsere Sportart total kaputt! Wir sind sauber! Wir bestimmen aber das Niveau im Weltcup." Bei Olympia 2006 wurde die russische Biathletin Olga Pyljowa mit dem Aufputschmittel Carphedon erwischt. Ihre Silbermedaille musste sie zurückgeben. "Gegen so dumme Leute ist man leider nicht gefeit", sagt Wilhelm. Es steht viel auf dem Spiel mittlerweile - und es gibt mehr Geld als früher zu verteilen. Ob für sie die Jungen eine Bedrohung darstellen? "Nee", sagt Wilhelm, „man macht sich ja Gedanken, wie es mit unserer Sportart weitergeht, deshalb sind wir froh, dass Lena und Kathrin nahtlos den Anschluss geschafft haben." Es soll den Biathleten nicht ergehen wie den Skispringern, denen der Nachwuchs fehlt. Und wo Stars ausbleiben, schalten die Zuschauer um. Dass das Team den Hype um Magdalena Neuner offenbar unaufgeregt hinnimmt, ist vor allem Uwe Müssiggang zu verdanken, seit 1991 trainiert er die Frauen, und einen Zickenkrieg wie bei den Eisschnellläuferinnen gibt es nicht. "Die Leute wollen immer, dass etwas passiert, aber hier passiert einfach nichts", sagt Müssiggang, 56. Er ist ein verschwiegener Mensch, ein Jahr lang hat er einst in der DDR im Gefängnis gesessen, weil er die Fluchtpläne seines Bruders nicht verraten wollte.

"Was auf sie einstürzt, das ist schon irre"

Seit 1984 lebt Müssiggang in Berchtesgaden, und wenn er über seine Sportlerinnen spricht, klingt er wie ein stolzer Vater. "Flintenweiber" nannte man die Biathlon-Frauen noch vor 15 Jahren. Mit einem Schmunzeln erzählt Kati Wilhelm, dass sie von ihrem ersten Sponsor 500 Mark erhalten habe, "und dann hat man sich mit seiner Leistung hochgedient. Die Jungen heute haben sofort Manager, die wissen gar nicht, wie alles zusammenhängt", sagt sie. Schwer zu glauben, aber sie beteuert, nein, sie beneide Neuner nicht. "Was auf sie einstürzt, das ist schon irre." Wilhelm will das auch als Kritik an den Medien verstanden wissen, wie die anderen störe es sie, dass Erfolge mitunter im Rummel um Neuner untergingen. Wer im Training deren langen Beine durch den Schnee stieben sieht, könnte denken, die Engel hätten ihr ein Paar unsichtbare Flügel geschenkt. Auch Neuner hat geklagt: "Die hätten ja nur uns zu kontrollieren brauchen, dann hätten wir für alle den Nachweis: Da ist nix!" Ihre blauen Augen waren sehr rund, als sie das sagte.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(