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Doping-Skandal: Ullrich war bei Tour 2005 gedopt

Die Beweise gegen Jan Ullrich werden immer erdrückender: Die Dokumente der spanischen Polizei deuten darauf hin, dass Jan Ullrich schon bei der Tour 2005 mit Dopingmitteln vollgestopft war.

Radprofi Jan Ullrich soll laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bereits bei der Tour de France 2005 gedopt gewesen sein. Das gehe aus Unterlagen hervor, die den Ermittlern im spanischen Doping-Skandal vorliegen. Demnach habe der Arzt Eufemiano Fuentes für den inzwischen suspendierten T-Mobile-Kapitän Ullrich einen Doping-Plan für die ersten sechs Tage der Tour im vergangenen Jahr ausgearbeitet.

Laut dem Plan, den die Ermittler Ullrich zuordnen sollen, war eine wechselnde Medikation mit Hormonen, Insulin, Testosteron und einer präparierten Bluteinheit vorgesehen. Laut Wilhelm Schänzer, Leiter des biochemischen IOC-Kontrolllabors in Köln werden während der Gabe der Dopingmittel Eigenbluttransfusionen durchgeführt, damit das Blutbild bei möglichen Kontrollen einigermaßen normal aussehe. Das dazu verwendete Blut werde den Sportlern im Winter entnommen und dann eingefroren. Aus den Akten der spanischen Polizei geht hervor, dass auch Ullrich sich der Abnahme dieser Blutreserven nach Ende der Saison unterzogen habe.

Kurierdienst bringt Blut vorbei

Laut der Zeitung gab es für die Kurierdienste für die Medikamente und Blutbeutel des spanischen Instituts von Fuentes einen Pauschalbetrag, den jeder Dopingwillige zahlen musste. Aus den Dokumenten der spanischen Behörden gehe hervor, dass Jan Ullrich, Ivan Basso, Tyler Hamilton, Santiago Botero und Roberto Heras jeweils einen Pauschalbetrag von 35 000 Euro an Fuentes zahlten.

Zudem gab es wohl auch Preise für die Betreuung während der wichtigsten Rennen: Ein Tag medikamentöser Betreuung beim dreiwöchigen Giro d’Italia kostete 1000 Euro, für eines der früheren Weltcup-Rennen mussten pauschal 5000 Euro bezahlt werden. Trotz der hohen Preise dürfte sich die Betreuung für Ullrich gelohnt haben: Immerhin gewann er das Zeitfahren bei der Italien-Rundfahrt in diesem Jahr. Und bei der Tour 2005 belegte er immerhin den dritten Platz hinter dem Amerikaner Lance Armstrong und Ivan Basso. Der Italiener steht ebenfalls unter Dopingverdacht und ist wie Ullrich von der diesjährigen Tour suspendiert.

Die Leute haben ja keine blaue Zunge

Mit Erstaunen hat T-Mobile-Teamarzt Lothar Heinrich reagiert, als er davon informiert wurde, dass Ullrich wohl 2005 gedopt war. "Ich bin sehr erstaunt", sagte der Mediziner der Uni-Klinik Freiburg, in der alle Profis des Bonner Teams medizinisch betreut werden. "Das sieht man den Leuten ja nicht an, sie haben keine blaue Zunge", meinte Heinrich, der bei Ullrich-Untersuchungen "keine Auffälligkeiten" feststellte.

Der Teamarzt wies darauf hin, dass weder Ullrich angeblich verabreichtes Insulin noch Wachstumshormone ohne weiteres nachzuweisen seien. "Der durch die Gabe von Testosteron veränderte Hormon-Status hätte in den Urin-Doping-Kontrollen auffällig sein müssen. Ullrich war bei einem Test im Rennen aber nie positiv", betonte Heinrich. Der komplizierte Nachweis von Wachstumshormonen könnte in "höchstens zwei oder drei Laboratorien in Europa vorgenommen werden", sagte der Mannschaftsarzt weiter.

Heinrich forderte eine größere Ausstattung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), damit die Kontrollen effizienter vorgenommen werden können. Ein bald zur Verfügung stehender Blutvolumen-Test, der Hinweise auf Eigenblut-Doping geben könnte, sowie aussagekräftigere Blut- und Hormonbilder der Fahrer könnte das Netz der internen Betreuung und Überwachung enger knüpfen. "Aber diese Maßnahmen kosten Geld", erklärte Heinrich.

aja mit DPA

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