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Eishockey: DEL - Die erste Bilanz der neuen Saison

Haben die Hamburg Freezers eine Zukunft? Bringt Uwe Krupp den Erfolg nach Köln zurück? Spielt Iserlohn um den Titel mit? Viele Fragen beschäftigten die Fans vor dem Saisonstart der DEL. Nach 13 Spieltagen wagen wir eine Zwischenbilanz und geben erste Antworten. 

Selten zuvor gab es derart viele Fragen zu Beginn einer Saison wie in diesem Jahr. Nach 13 Spieltagen scheint die Zeit für die ersten Antworten gekommen zu sein. Wir haben fünf der interessantesten Fragen herausgepickt und ziehen eine erste Bilanz.

1.) Verschwinden die Hamburg Freezers wieder von der Eishockey-Bühne?

Ausgangslage vor der Saison: So plötzlich wie sie gekommen waren, so plötzlich drohten die Hamburg Freezers von der deutschen Eishockey-Bühne wieder zu verschwinden. Club-Eigner Anschutz hatte die Nase voll von dem anhaltenden Misserfolg an der Elbe, bot die Freezers zum Verkauf an, aber niemand biss an. Schnell machte das Gerücht die Runde, dass Anschutz seine Hamburg-Filiale ganz dicht machen wolle.

Situation heute: Bester Saisonstart aller Zeiten, Platz 3 nach 13 Spieltagen mit ansehnlichen Leistungen. Das Team, das dank kluger Neuverpflichtungen (u.a. Curry, Aubin, Collins, Wolf) zum ersten Mal seit Jahren wieder mit Charakter, Leidenschaft und Klasse zu Werke geht, lässt den Funken auch wieder auf das zuletzt recht zurückhaltende Publikum überspringen. Die Folge: Dritter Platz auch bei den Zuschauerzahlen mit einem Schnitt von derzeit 8500, immerhin 1500 mehr als im Schnitt in der vergangenen Saison in die Hamburger o2-World kamen.

Als die Freezers auch gegen die NHL-Profis der Los Angeles Kings eine begeisternde Partie vor vollen Rängen hinlegten und nur knapp mit 4:5 verloren, stand für die Verantwortlichen der Anschutz-Gruppe fest: Alle Verkaufs- oder Einstellungspläne kommen in den Papierkorb, es soll mit Volldampf in eine endlich erfolgreiche Freezers-Zukunft gehen. Helle Begeisterung bei Fans, Spielern und Verantwortlichen. Geschäftsführer Pfad: "Das ist wie eine Meisterschaft für uns!"

2.) Findet Augsburg gleichwertigen Ersatz für Dennis Endras?

Ausgangslage vor der Saison: Publikumsliebling und Nationalkeeper Dennis Endras verabschiedete sich nach zwei exzellenten Weltmeisterschaften Richtung Nordamerika, um sich den Traum von der NHL zu erfüllen. Niemand wollte so recht daran glauben, dass Augsburg diese Lücke gleichwertig füllen kann. Nicht wenige Experten sagten dem Team allein aus diesem Grund eine schwere Zukunft voraus. Eine berechtigte Skepsis, die noch größer wurde, als die Panther mit Tyler Weiman (27) einen hierzulande recht unbekannten Torhüter aus der AHL verpflichteten.

Situation heute: Die Zweifler sind verstummt, mittlerweile mehren sich die Stimmen, die den Neuzugang sogar über seinen Vorgänger heben. Eins ist klar: Mit Weiman steht bei den Panthern einer der besten Schlussmänner der Liga im Kasten. Kaum einer seiner Kollegen ist so beweglich und dynamisch zwischen den Pfosten wie Weiman, der vom Farmteam Colorados (Lake Erie Monsters) nach Augsburg kam.

Die Zahlen sprechen für sich: Mit fast 95 Prozent Fangquote hielt der Kanadier so viele Schüsse wie kein anderer, kassierte zudem nur 1,8 Gegentore pro Partie. Auch dank Weimans Leistung darf das Armenhaus der Liga (mit 3,3 Mio. geringster Etat der Liga) wieder von der Endrunde träumen. So wie vor zwei Jahren, als die Panther mit Endras ins Halbfinale einzogen. Nebenbei: Der deutsche Nationaltorhüter hat den Sprung in der NHL bisher verpasst und ist selbst im AHL-Team momentan nur zweite Wahl. Für seinen Nachfolger in Augsburg läuft es zurzeit wesentlich besser.

3.) Hat Uwe Krupp auch als Vereinstrainer Erfolg?

Ausgangslage vor der Saison: Nach langem Hick-Hack stand fest, dass Uwe Krupp seinen Job bei der Nationalmannschaft gänzlich aufgibt und sich vollkommen auf seine Position als Cheftrainer der Kölner Haie konzentrieren wird. Lange hatten die Haie um Krupp gebuhlt, der sich im Laufe der Vorsaison dann für ein Engagement beim Kölner Traditionsklub entschied. Nach drei Jahren voller Enttäuschungen will der KEC wieder nach oben – nicht jeder im Umfeld glaubte, dass Uwe Krupp dafür der Richtige sei.

Situation heute: Tatsache ist, dass die Leidenschaft und das Feuer, das Krupp in den letzten zwei Jahren beim Nationalteam entfachen konnte, bisher in Köln noch nicht entbrannt ist. Nach durchwachsenem Saisonstart rangieren die Haie im unteren Mittelfeld auf Platz 10. Doch schon beim DEB hat Krupp gezeigt, dass er nicht der Mann des schnellen Erfolgs ist, sondern mit Fleiß und Akribie zunächst an einem soliden Fundament arbeitet. Immerhin: Obwohl der KEC vier der bisherigen fünf Heimspiele verloren hat, zeigt die Zuschauerkurve nach oben. Das Vertrauen in den zweimaligen Stanley-Cup-Sieger bei Verantwortlichen und Fans ist ungebrochen.

4.) Spielt Iserlohn endlich einmal um den Titel mit?

Ausgangslage vor der Saison: "Mehr Geld - mehr Qualität“, mit dieser einfachen Formel fasste Iserlohns Manager Karsten Mende die Situation bei den Roosters vor dem Saisonstart zusammen. Die Sauerländer konnten ihren Etat um über 25 Prozent steigern, rangieren in der Geldrangliste der Liga plötzlich nicht mehr im Keller sondern im Mittelfeld.

Der neue Wohlstand wurde in große Namen investiert. Mit Mike York kehrte der Superstar der Lockout-Saison zurück an den Seilersee, Jassen Cullimore (fast 900 NHL-Spiele) wechselte aus Chicago ins beschauliche Sauerland, und auch die übrigen Neuzugänge versprachen Erfolg. "Ich habe endlich mal wieder richtig Lust auf eine Saison“, sagte Mende im Vorfeld und die Fans träumten schon von der Meisterschaft. Als Minimalziel gab der IEC die zweite Playoff-Teilnahme in der DEL-Geschichte aus.

Situation heute: Die von Doug Mason trainierten Roosters enttäuschen bislang nicht. Mit acht Siegen aus 13 Spielen steht Iserlohn punktgleich mit Hamburg und Ingolstadt auf Rang 5 und befindet sich damit voll im Soll. Dass die Roosters die Liga nicht auf einmal in Grund und Boden schießen würden, war auch klar. Der launische Goalie Sebastian Caron glänzte schon mit der ein oder anderen großartigen Vorstellung. Generell vermitteln die Iserlohner nicht den Eindruck, als wenn sie schon ihr volles Potenzial erreicht hätten.

Der Kader hat Klasse, ist aber zugleich auch etwas dünn besetzt. Auf der Torhüterposition fehlt ein DEL-tauglicher Backup und auch in Verteidigung und Sturm scheinen die Roosters quantitativ nicht ausreichend für eine lange Saison besetzt. In einer Serie mit vielen Verletzten könnte die dünne Personaldecke letzten Endes ein massives Problem für Iserlohn werden. Bleibt der Verein vom Verletzungspech verschont, sollte indes auch in den Playoffs einiges möglich sein.

5.) Setzen die Krefeld Pinguine ihren Erfolgsweg fort?

Ausgangslage vor der Saison: Erfolge wecken Begehrlichkeiten. Nach dem Halbfinal-Einzug im Vorjahr sind die Erwartungen im Umfeld gestiegen. Die Pinguine konnten ihren Etat um eine halbe Millionen Euro aufstocken, gehören aber weiterhin zu den klammsten Klubs der Liga. Trotz der Verpflichtungen von Lawrence Nycholat (50 NHL-Spiele, aus der AHL) und Francois Methot (aus Mannheim) war vor der Saison klar, dass der KEV einmal mehr nur Underdog sein würde. Die Hoffnung ruhte auf Trainer Rick Adduono, der seine erfolgreiche Arbeit fortführen und die Pinguine damit wieder in die Playoffs führen sollte.

Situation heute: Nach 13 Partien sind die Krefelder Drittletzter. Es scheint, als solle die Erfolgsserie der Pinguine zu Ende gehen. Ähnliches machte der Verein schon einmal mit: Nach einer tollen Spielzeit 2009 mit Viertelfinal-Einzug stürzten die Pinguine in der Seuchensaison 2010 auf Rang 12. Droht den Pinguinen in diesem Jahr ein ähnliches Schicksal?

Noch ist die Liga eng zusammen, bis in die Preplayoff-Ränge ist es nur ein Katzensprung. Doch so richtig rund läuft es in Krefeld nicht, das Gebilde wirkt nicht so homogen wie im Vorjahr, wenngleich ein Großteil des Kaders gehalten wurde. Womöglich brauchen die Pinguine Zeit, um die Kräfte der Vorsaison wieder zu mobilisieren. Momentan sieht es nicht so aus, als wenn dies gelingen sollte - zuletzt hagelte es drei Niederlagen in Serie.

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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