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Eishockey: Die sieben Geschichten der DEL-Endrunde

Es sind die Typen auf und neben dem Eis, die die Playoffs prägen, so wie Mannheims Christoph Ullmann oder Berlins Don Jackson. Aber andersherum sind es auch die K.o.-Spiele der Endrunde, die Spieler, Trainer und manchmal auch Schiris zu Typen werden lassen. sportal.de erzählt die Geschichten der bisherigen Playoff-Spiele.

Drei Runden sind im DEL-Viertelfinale bisher absolviert und es gibt jede Menge Grund für die Eishockey-Fans, sich aufzuregen. Wir haben die sieben Geschichten der bisherigen DEL-Playoffs zusammengetragen.

Der Rückkehrer: Christoph Ullmann (Adler Mannheim)

Nationalstürmer Christoph Ullmann ist der Spieler der Stunde bei den Adlern Mannheim. Der 28-Jährige stellte seinen Torriecher in den drei Partien gegen Hamburg schon viermal unter Beweis und legte dazu für zwei weitere Treffer auf. An der 2:1-Führung in der Serie gegen die Freezers hat Ullmann damit entscheidenden Anteil. Nach einer mehrwöchigen Zwangspause wegen einer schmerzhaften Schambeinentzündung kehrte der 459-fache DEL-Spieler (110 Tore) Ende Februar aufs Eis zurück und schoss sich mit vier Treffern in den letzten fünf Hauptrunden-Spielen in Playoff-Laune. Seit seiner Rückkehr ist "Ulle" der erfolgreichste Goalgetter der Liga (insgesamt acht Treffer).

Der Aufreger: Tyler Bouck (ERC Ingolstadt)

Das ist Playoff-Eishockey: Harte Checks, Faustkampf-Einlagen und überbordende Emotionen - im Duell zwischen Ingolstadt und Düsseldorf geht es hoch her, vor allem Spiel zwei hatte es in sich. Die DEG führte bereits mit 5:0 als Ingolstadts Kapitän Tyler Bouck (32) mit einer Matchstrafe vom Eis geschickt wurde. Was war passiert? Der Kanadier soll Simon Danner umgeschubst und dann mit dem Schlittschuh getreten haben. Auf den Video-Aufnahmen ist davon aber nicht viel zu erkennen und der Kapitän der Ingolstädter beteuert seine Unschuld. Während die Fans der Düsseldorfer den Ingolstädter und seine Kollegen hasserfüllt aus der Arena brüllten, forderten die DEG-Verantwortlichen öffentlich keine weitere Strafe. Gut möglich also, dass die DEL Bouck nach der Sperre für Spiel drei begnadigt und er am Mittwoch in Düsseldorf wieder mit von der Partie ist.

Der Ratlose: Pavel Gross (Grizzly Adams Wolfsburg)

Zugegeben: Die Wolfsburger treiben zur Unzeit große Verletzungssorgen um. Mit Tyler Haskins, Matt Dzieduszycki und David Laliberté fehlen momentan drei Leistungsträger, Spiel drei gegen Straubing forderte seinen nächsten Tribut: Auch der NHL-erfahrene Verteidiger Nathan Paetsch musste verletzt raus. Dennoch – oder gerade deshalb -wirkt Trainer Pavel Gross derzeit etwas ratlos. "Eigentlich kann nicht so viel Negatives finden", sagte er nach der dritten Schlappe gegen die Straubinger. Mit einer Analyse für die schwachen Auftritte (1:2, 0:7, 1:3) konnte Gross nicht dienen. Noch im Vorjahr war er in seinem Debütjahr als Trainer verantwortlich für den größten Erfolg der Wolfsburger Vereinsgeschichte. Damals zogen die Niedersachsen bravourös ins Endspiel und fanden erst in den Eisbären ihren Meister. Eine Wiederholung der Erfolgsstory ist mittlerweile mehr als unwahrscheinlich.

Der Unüberwindbare: Barry Brust (Straubing Tigers)

Nach siebenwöchiger Verletzungspause feierte Straubings Goalie Barry Brust pünktlich zum Playoff-Start in Wolfsburg seine Rückkehr – und was für eine! 41 Schüsse parierte der Kanadier im ersten Duell mit dem Vizemeister und war damit maßgeblich am so wichtigen ersten Auswärtserfolg beteiligt. Es folgten ein Shut-Out im Heimspiel und 30 Saves im dritten Aufeinandertreffen. "Barry hält überragend", freute sich sein Trainer Dan Ratushny, der die Tigers erstmals in ihrer Geschichte in die DEL-Playoffs führte. Und Brust wäre nicht Brust, wenn er nicht von Zeit zu Zeit seinem Ruf als Enfant terrible gerecht werden würden. In Partie drei streckte er den gegnerischen Angreifer Kai Hospelt mit einer Gerade nieder, als dieser ihm zu nahe kam. Brust: "Ich habe hart trainiert und wusste, dass ich bereit bin für die Playoffs."

Der Überschätzte: Christoph Schubert (Hamburg Freezers)

Von seinen DEL-Kollegen wurde Christoph Schubert bei einer Umfrage des Fachmagazins Eishockey News nach Kölns Angreifer John Tripp zum zweit-überschätztesten Spieler der Liga gewählt. Diese wenig ruhmreiche Auszeichnung bestätigte der einstige NHL-Profi (über 300 Spiele für Ottawa) prompt in den ersten Viertelfinal-Spielen gegen Mannheim. In Partie eins machte Schubert keine gute Figur und verschuldete die Führung der Adler mit einer schlampigen Abwehr-Aktion. Offensiv setzte sich der Starspieler der Hamburger bisher kaum in Szene, seine große Waffe, den Schlagsschuss, konnte er noch nicht ein einziges Mal gewinnbringend einsetzen. Immerhin haben die Freezers nach dem Sieg in Mannheim nun auf heimischen Eis die Chance, die Serie nach enttäuschendem Start wieder auszugleichen. Und auch Schubert kann zeigen, warum sie in Hamburg nach wie vor größte Stücke auf ihn halten.

Der Nörgler: Don Jackson (Eisbären Berlin)

Zweifelsohne: Kein DEL-Trainer ist so erfolgreich wie Berlins Don Jackson. Nach dem dritten Sieg gegen Köln sieht es so aus, als wenn die Eisbären erneut fast unbehelligt zum nächsten Titel marschieren. Für Jackson wäre es seine vierte Meisterschaft mit den Berlinern, die sich dann auch als alleiniger Rekordmeister feiern könnten. Doch noch ist es nicht so weit und so lange bemüht der Kanadier die alte Leier. Der Coach der Eisbären beschwerte sich vor Spiel drei über die harte Gangart der Haie. Jackson hätte Angst um die Gesundheit seiner Spieler, ließ er in der Bild-Zeitung öffentlichkeitswirksam verbreiten. Doch das ist nichts Neues: Ähnliche Töne gab es fast in jedem Playoff-Jahr aus Berlin zu hören. Dabei hat es der gute Don doch eigentlich gar nicht nötig hat, auf diesem Wege Einfluss auf die Schiedsrichter zu nehmen. Zumal die Eisbären gegen Köln schon 24-mal in Überzahl (Köln: 14-mal) ran durften und dies viermal ausnutzen konnten – eigentlich kein Grund zum Nörgeln.

Der Spielverderber: Schiedsrichter Christian Oswald

Wütend und aufgebracht verließ der DEG-Tross die Ingolstädter Saturn-Arena nach der zweiten Niederlage in der Serie gegen den ERC. Es war insbesondere ein Mann, der den Zorn der Rheinländer auf sich gezogen hatte: Schiedsrichter Christian Oswald. Der Unparteiische schickte DEG-Verteidiger Jason Holland in der neunten Minute der Verlängerung aufs Sünderbänkchen, in der Folge erzielte Ingolstadts Thomas Greilinger den Siegtreffer. Obwohl Oswald viele Meter hinter dem Spielgeschehen an der Mittellinie stand, entschied er auf Foul. Sein Kollege Daniel Piechachzek, der die Aktion aus nächster Nähe verfolgte, hatte indes keine strafwürdige Aktion Hollands ausmachen können. Dementsprechend groß war die Aufregung der Düsseldorfer Spieler und Verantwortlichen. Team-Manager Walter Köberle verfasste sofort einen Bericht an die DEL und fordert eine Stellungnahme der Liga. An der zweiten DEG-Schlappe wird aber auch das nichts mehr ändern.

Daniel Pietzker

sportal.de / sportal

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