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Handball: HBL Saisonvorschau Teil I

Wir stellen Ihnen die 18 Teams der Handball-Bundesliga vor, sagen Ihnen, was sich getan hat und geben unsere Prognose an. Mit den drei Aufsteigern und den Plätzen 15 bis zehn der vergangenen Saison starten wir heute.

Der erste Titel der neuen Saison ging an den THW Kiel: Mit 24:23 gegen Meister HSV Hamburg sicherten sich die Holsteiner den Supercup, aber sind die Kieler damit auch Favorit für die neue Spielzeit? Wir stellen Ihnen die 18 Bundesliga-Teams in unserer großen Vorschau vor und sagen Ihnen, was sich bei den Mannschaften getan hat. Wir starten mit den drei Aufsteigern und den Plätzen 15 bis zehn der vergangenen Saison.

Bergischer HC

Der Club
2006 taten sich LTV Wuppertal und die SG Solingen zusammen und gründeten den Bergischen HC. Fünf Jahre später steht der Fusionsclub zum ersten Mal vor dem Abenteuer 1. Bundesliga. 

Die Neuen
Mit Richard Wöss (TUSEM Essen) und Fabian Böhm (Füchse Berlin/DHC Rheinland) wurden ein erfahrener österreichischer Nationalspieler (Wöss) und ein großes deutsches Nachwuchstalent (Böhm) verpflichtet. Den größten Kracher zogen die Bergischen Löwen aber von KS Vive Targi Kielce an Land: Der dänische Spielmacher Henrik Knudsen soll den Club in der Liga halten.

Der Trainer
Hans-Dieter Schmitz trat 2009 beim Bergischen HC mit dem klaren Ziel Bundesliga-Aufstieg an. Zuvor war HaDe Schmitz bereits bei TUSEM Essen, OSC Rheinhausen, Bayer Dormagen, LTV Wuppertal und OSC Thier Dortmund als Trainer aktiv.

Prognose
Nur, wenn alles zusammenpasst, kann der Bergische HC die Klasse halten

TV Hüttenberg

Der Club
Der Traditionsverein ist in der Bundesliga eine sympathische Ausnahme. Bereits in der zweiten Liga hatte der Club einen der kleinsten Etats der Liga, diese Diskrepanz zu den anderen Teams ist nun in der höchsten deutschen Spielklasse natürlich noch viel höher. Im Team findet sich kein einziger Profi. Zudem setzt man bei den Hessen auf Spieler aus der Region. Nur zwei Ausländer stehen im Kader. Hüttenberg gehörte zu den Gründungsmitgliedern der eingleisigen Bundesliga 1977 und spielte dort bis 1985.

Die Neuen
Mit dem Slowaken Milos Putera wurde von TuS N-Lübbecke ein erfahrener Torwart für die Bundesliga geholt, aber ansonsten blieb es größtenteils bei der  Club-Philiosophie, auf Spieler aus der Region zu setzen. Fabian Höpfner, Paul Kaletsch und Patrick Engel kommen allesamt aus der eigenen Jugend. Timo Ludwig (HSG Wetzlar),  Fabian Schomburg (TV Gelnhausen) und Matthias Gerlich (TUSEM Essen) komplettieren die Neuzugänge.

Der Trainer
Jan Gorr ist mit 33 Jahren einer der jüngsten Trainer der Liga. Seit 2005 ist er für den Aufschwung in Hüttenberg verantwortlich. Davor arbeitete er bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen.

Prognose
Ähnlich wie beim Bergischen HC muss es schon optimal laufen, damit Hüttenberg drin bleibt. 

Eintracht Hildesheim

Der Club
Mit 7500 Mitgliedern ist Eintracht Hildesheim der größte Club Deutschlands, der keine Fußball-Abteilung hat. Dreimal versuchte sich Eintracht Hildesheim bisher in der 1. Bundesliga, jedes Mal hieß es nach nur einem Jahr: Rückkehr in die 2. Liga. Nach zwei neunten Plätzen klappte es nun dank des Meistertitels in der 2. Liga Nord mit dem direkten Aufstieg in das Handball-Oberhaus.

Die Neuen
Mit Steffen Coßbau und Patrick Schulz kamen zwei junge talentierte Spieler vom SC Magdeburg. Vom Army Club Katar kommt Vladica Stojanovic zurück in die Bundesliga, der bereits fünf Jahre mit MT Melsungen Erstliga-Erfahrung in Deutschland sammeln konnte. Morten Slundt von Nordsjaelland HB komplettiert das Dänen-Trio in Hildesheim. Norman Flödl vom Dessauer HV ist ebenfalls in die Kategorie Talent einzuordnen, das vor allem in der Abwehr mehr Alternativen geben soll.

Der Trainer
Den spektakulärsten Neuzugang hat die Eintracht aber auf der Position des Trainers zu vermelden. Mit Volker Mudrow hat Hildesheim einen Coach, der - obwohl erst 42 Jahre alt - über enorme Erfahrung in der 1. Bundesliga verfügt. Mit dem TBV Lemgo gewann er 2003 die deutsche Meisterschaft sowie 2006 und 2009 den EHF-Pokal.

Prognose
Von den drei Aufsteigern hat Hildesheim die besten Chancen auf den Klassenerhalt, aber bei drei direkten Absteigern wird es trotzdem eng. 

HBW Balingen-Weilstätten

Der Club
Gegründet 2002 aus der Fusion der TSG Balingen und des TV Weilstätten begann schnell der steile Aufstieg. In nur vier Jahren stieg der Club aus der Regionalliga bis in die 1. Bundesliga 2006 auf. Dort schaffte man es in den vergangenen fünf Jahren immer knapp, die Klasse zu halten. Zunächst zweimal als 13. und zuletzt dreimal in Folge gerade noch als 15.

Die Neuen
Nach der vergangenen Saison fand im Team ein großer Umbruch statt. Acht Abgängen stehen sieben neue Spieler gegenüber. Die größte Hoffnung in der Offensive setzt man dabei in Balingen auf den Griechen Alexandros Alvanos, der von TuS N-Lübbecke kam. Matthias Puhle kam von der HSG Düsseldorf als Verstärkung für das Goalie-Team, in dem Stammtorwart Martin Ziemer nach einer Operation noch einige Zeit fehlen wird. Mario Vuglac (RK Bjelovar, CRO), Kai Häfner (FA Göppingen), Fabian Gutbrod (TV Neuhausen/FA Göppingen) geben der Mannschaft mehr Breite. Paul Bar und Philipp Keinath aus der zweiten Mannschaft dürfen in diesem Jahr etwas Erstliga-Luft schnuppern.

Der Trainer
Mit Dr. Rold Brack setzt Balingen seit 2004 auf Kontiunität auf dem Trainerposten. Der 48-Jährige trainierte zuvor unterklassige Teams wie VfL Pfullingen, SG Göppingen/Scharnhausen, TSV Scharnhausen und TSV Zuffenhausen. 2006 führte er Balingen-Weilstätten in die 1. Bundesliga und schaffte seitdem in jedem Jahr knapp den Klassenerhalt.

Prognose
Viele neue Spieler kamen, es wird etwas dauern, bis sich das Team eingespielt hat. Normalerweise nicht die besten Voraussetzungen im Abstiegskampf. Wenn zu Beginn der Saison nicht zu viele Punkte liegen gelassen werden, könnte es aber klappen mit dem Klassenerhalt.

TSV Hannover-Burgdorf

Der Club
Was mit dem TSV Burgdorf 1912 in einem kleinen Ort begann, zieht mit der Gründung der TSV Hannover-Burgdorf GmbH 2005 immer weiter in die Landeshauptstadt Hannover hinein. Als nächster Schritt soll auch die Geschäftsstelle des Clubs nach Hannover verlegt werden. 2009 stieg das Team in die 1. Bundesliga auf und konnte zweimal als 14. relativ souverän den Abstieg verhindern.

Die Neuen
Damit dies auch in der Saison 2011/12 gelingt, wurde der Kader deutlich verkleinert. Das Team soll als Gruppe eng zusammenwachsen und zudem gibt es so bessere Möglichkeiten, zukünftig Nachwuchsspielern die Chance in der ersten Mannschaft zu geben. Und so stehen sechs Abgängen nur zwei Neuzugänge gegenüber, von diesen erwartet man sich in Hannover aber einiges. Mario Clößner (HSG Ahlen-Hamm) und Csaba Szücs (TV Großwallstadt) sind vor allem in der Defensive für den Mittelblock fest eingeplant, sollen aber auch offensiv Impulse setzen.

Der Trainer
Im Februar 2011 übernahm der seit 20 Jahren in Burgdorf als Spieler aktive Christopher Nordmeyer das massiv abstiegsbedrohte Team von Aron Kristjánsson und führte die Mannschaft souverän zum Klassenerhalt. Um sich ganz auf seinen Job als Handball-Trainer konzentrieren zu können, ließ sich Nordmeyer vor dieser Saison von seinem Hauptberuf als Gymnasiallehrer beurlauben.

Prognose
Die Strukturen werden immer professioneller, der Club wandelt sich von einem Dorfverein zu einem Großstadtclub. Mit dem Abstieg wird der TSV auch diese Saison nichts zu tun haben.

MT Melsungen

Der Club
Bereits 1861 gegründet stieg MT Melsungen 2006 in die 1. Bundesliga auf und konnte sich seitdem dort behaupten. Bis 2007 spielte man noch in Rotenburg an der Fulda, aber Weihnachten zog man in die Rothenbach-Halle nach Kassel, wo man seitdem die Heimspiele austrägt.

Die Neuen
Auch in Melsungen setzt man auf Kader-Verkleinerung. Mit 16 Spielern gehen die Nordhessen in die neue Saison. Sechs Abgängen stehen vier teilweise namhafte Neuzugänge gegenüber. Allen voran der schwedische Torwart Per Sandström, der nach dem Meistertitel mit dem HSV nun sein Glück in Melsungen versucht. Noch weiter aus dem Norden von der SG Flensburg-Handewitt fand sein Landsmann Patrick Fahlgren den Weg nach Hessen. Hinzu kommen noch Christian Hildebrand (TV Kirchzell) und mit Marc Lauterbach (HSG Gensungen-Felsberg) ein hoffnungsvolles Torwart-Talent.

Der Trainer
Michael Roth führt seit 2010 die Geschicke in Melsungen, hatte einen schwierigen Start vergangene Saison, aber konnte letztendlich sicher den Klassenerhalt feiern. Zuvor sammelte Roth bereits als Trainer der HSG Wetzlar, des TV Großwallstadt und der SG Kronau-Östringen einige Bundesliga-Erfahrung.

Prognose
Mit Sandström und Fahlberg konnte Melsungen zwei Hochkaräter verpflichten, die helfen werden, die Saison durch in sicheren Fahrwassern zu bleiben. 

TuS N-Lübbecke

Der Club
Unter dem Namen TuS Nettelstedt kann der Verein auf eine große Handball-Tradition zurückblicken. Bereits in den 40er Jahren gehörte man zu den besten Teams im Feldhandball und 1977 zu den Gründungsteams der eingleisigen Bundesliga. 1981 folgte der Gewinn des DHB-Pokals und des Europapokals der Pokalsieger. 1983 aber stieg die Mannschaft in die 2. Liga ab. Elf Jahre später folgte der Wiederaufstieg. 1997 und 1998 gewann Nettelstedt den City-Cup, musste aber 2001 hoch verschuldet wieder den harten Gang in die 2. Liga antreten. Nach der Namensänderung in TuS N-Lübbecke folgte der direkte Wiederaufstieg und prompt auch der direkte Abstieg. 2004 stieg das Team mit 68:0 Punkten aus der 2. Liga auf, aber 2008 konnte der erneute Abstieg nicht verhindert werden. Erneut blieb man nur ein Jahr in der 2. Liga und seit 2009 konnte man sich nun im Oberhaus halten.

Die Neuen
Kader-Verkleinerung heißt auch in Lübbecke das Zauberwort und so gingen acht Spieler, dafür kamen aber nur drei neue. Und die haben allesamt hohe Qualität. Aus Gummersbach kam der kroatische Nationalspieler Drago Vukovic, der das Team in der neuen Saison anführen soll. Torwarttalent Dario Quenstedt kommt vom SC Magdeburg nach Lübbecke und mit Malte Schröder von der HSG Ahlen-Hamm ein junger Spieler für den rechten Rückraum.

Der Trainer
Auch in Lübbecke gilt: Der größte Star ist der Trainer. Markus Baur, Weltmeister 2007, übernahm im Dezember 2010 das Amt und führte das Team ganz souverän zum Klassenerhalt. Zuvor war Baur äußerst glücklos bei der TBV Lemgo nach der verpassten Qualifikation für die Champions League 2009 entlassen worden. Davor war er ein Jahr als Spielertrainer bei Pfadi Winterthur in der Schweiz tätig. 

Prognose
Markus Baur wird es schwer haben, TuS N-Lübbecke aus dem Abstiegskampf herauszuhalten und so wird der Club bis Saisonende kämpfen üssen

HSG Wetzlar

Der Club
Der Verein wurde 1992 als Handballspielgemeinschaft der beiden Wetzlaer Traditionsvereine TSV Dutenhofen und TV Münchholzhausen gegründet. 2004 folgte die Umbenennung in HSG Wetzlar. 1998 schrieb der Club Geschichte, als er als Zweitligist erst im Finale des Europapokals der Pokalsieger an Santander scheiterte. Im gleichen Jahr gelang aber auch der Aufstieg in die Bundesliga, zu der Wetzlar seitdem ununterbrochen gehört. Aber nur 2002 gelang dem Team mit dem achten Rang eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte. In den anderen Spielzeiten ging es meist gegen den Abstieg.

Die Neuen
In Wetzlar setzt man auf das Team, das vergangene Saison den elften Tabellenplatz erreicht hat. Bei drei Abgängen wurde nur Nikola Marinovic von HBW Balingen-Weilstätten als zweiter Torwart verpflichtet.

Der Trainer
Gennadij Chalepo führt seit Oktober 2010 die Mannschaft. Der frühere weißrussische Nationalspieler kam über TuS Spenge zunächst zur zweiten Mannschaft der HSG Wetzlar und übernahm schließlich die Bundesliga-Mannschaft, für die er als Aktiver bereits mehrere Jahre gespielt hatte. 

Prognose
Der elfte Platz der Vorsaison wird von Wetzlar nicht mehr erreicht werden, auch wenn das Team eingespielt in die neue Saison geht. Mit dem Abstieg sollte die Truppe aber trotzdem nichts zu tun haben. 

TV Großwallstadt

Der Club
Viel mehr Tradition als beim TV Großwallstadt, findet man in der Handball-Bundesliga kaum. 1888 gegründet, spielt der TV seit 1977 in der eingleisigen Bundesliga und wurde im gleichen Jahr ihr erster Meister. Es folgten fünf weitere Meisterschaften (1973 war der Club zudem deutscher Meister im Feldhandball geworden), vier Pokalsiege und fünf internationale Titel, von denen 1979 und 1980 der Gewinn des Landesmeistercups die wichtigsten waren. Der bis dato letzte Titel war aber 2000 der Sieg im Euro-City-Cup.

Die Neuen
In Großwallstadt hält man trotz erreichen des Europapokal-Finales und der damit verbundenen leichten Entspannung der finanziellen Situation weiterhin am eingeschlagenen Weg fest, mit jungen Spielern etwas aufzubauen. Und so werden sich die Gegner an neue Namen wie Steffen Kaufmann, Patrick Schmidt, Florian Eisenträger (alle HBLZ Großwallstadt) und Cornelius Maas (Tuspo Obernburg) gewöhnen müssen. Nur Maximilian Holst (DHC Rheinland) und Torwart Martin Galia (TBV Lemgo) können einige Bundesliga-Erfahrung aufweisen.

Der Trainer
Das Konzept, auf junge Spieler zu setzen, wird auch beim Trainer Peter Dávid deutlich. Der frühere slowakische Nationalspieler war zuvor Trainer der A-Jugend des Handballleistungszentrums in Großwallstadt und kennt so den Nachwuchs ganz genau. Zudem nahm Dávid den Job des slowakischen Nationaltrainers an. 

Prognose
Beim TV Großwallstadt wird die Konsolidierung weiter vorangetrieben. Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte scheint unwahrscheinlich. Eher wird es um die Plätze zehn bis zwölf gehen. 

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