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Handball-WM: "Projekt: Gold 2007"

Um 17.30 Uhr hat das Warten ein Ende. Dann beginnt für die deutschen Handballer im Auftaktspiel gegen Brasilien (live auf stern.de) die Mission 'WM-Gold'. Entscheidend wird die Unterstützung der Fans sein. Sollte der Funke überspringen, ist den Deutschen alles zuzutrauen.

Von Tim Schulze

Immerhin: Drei von 18 Bundesliga-Trainern glauben, dass das deutsche Team Handball-Weltmeister wird. Das ergab eine Umfrage vier Tage vor dem Eröffnungsspiel der Gastgeber gegen Brasilien in Berlin. "Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, weil der Heimvorteil von unschätzbarem Wert ist", sagte Rolf Brack, Trainer von HBW Balingen-Weilstetten. Dagegen steht die Mehrheits-Meinung, die der Flensburger Trainer Kent-Harry Anderson so zusammenfasst: "Für Deutschland ist im Viertelfinale Endstation. Der Kader ist einfach nicht stark genug".

Für beide Ansichten gibt es gute Gründe. Die Positive: Die Hallen sind fast alle ausverkauft. Welche Stimmung die Fans bereiten können, war im letzten Testspiel der Deutschen in der Münchner Olympiahalle gegen Ägypten zu beobachten. Fast 11 000 Fans peitschen die Nationalmannschaft nach vorn, auch wenn die Generalprobe verpatzt wurde. Wenn der Funke im Turnier überspringt, kann das ein gewaltiger Vorteil für die Deutschen sein.

Goldene Zeiten scheinen vorbei

Die Negative: Die Goldenen Zeiten, die 2004 mit dem EM-Titel in Slowenien und Platz zwei bei den Olympischen Spielen in Athen ihren Höhepunkt hatten, scheinen vorbei. Zwar gelang bei der EM 2006 in der Schweiz mit dem 5. Platz die direkte Qualifikation für die EM 2008 in Norwegen. Doch der Umbruch nach 2004 und eine unglaubliche Verletzungsmisere, von der zeitweise neun Spieler betroffen waren, drängen das Team bei der sechsten WM auf deutschem Boden eher in die Rolle eines Geheimfavoriten. Bei der WM 2005 in Tunesien sprang nur der 9. Platz heraus.

Eine ideale Vorbereitung war unter so widrigen Bedingungen nicht möglich. Trotzdem: Zum Start des Turniers sind alle bis auf den wichtigen Rückraumspieler Oleg Velyky mit an Bord. Mit Florian Kehrmann ist gerade rechtzeitig der beste deutsche Spieler ins Team zurückgekehrt - nur acht Wochen nach seinem Mittelhandbruch. Im Tor wird zu Beginn des Turniers der Kieler Henning Fritz stehen: Welthandballer des Jahres 2004. Sein Stammplatz ist allerdings nicht sicher. Im Club ist Fritz sogar nur noch dritte Wahl. Zuletzt meldeten sich die angeschlagenen Pascal Hens (Hamburg), Andrej Klimowets (Kronau/Östringen) und Sebastian Preiß (Lemgo) gesund zurück.

Die Deutschen sind hoch motiviert

Den deutschen Spielern ist das egal. Auf ihren Trainingsshirts steht: "Projekt: Gold 2007". In der Abgeschiedenheit des oberbayerischen Ammersees bereiteten sie sich seit Wochen akribisch und hoch motiviert auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land vor. Jetzt haben sie ihr WM-Quartier in Halle Westfalen bezogen, von wo aus die Mannschaft zu ihren Vorrunden-Spielen nach Berlin reisen wird. Trainer Heiner Brand, der seit zehn Jahren im Amt ist, gibt sich zurückhaltend optimistisch: "Das erste Ziel ist es, das Viertelfinale zu erreichen. Sollten wir das überstehen, ist alles drin."

Nationalmannschaftskapitän Markus Baur drückt es so aus: "Ich träume nicht. Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben und viel erreichen können. Wir sind in der Lage einen guten, attraktiven, kampfstarken Handball zu spielen." Mit 200 Länderspielen ist der 36-jährige der erfahrendste Spieler. Der Einzug in die Hauptrunde dürfte gegen Polen, Brasilien und Argentinien kein Problem sein. Was einem im Fußball Schauer über den Rücken jagt, ist im Handball allenfalls zweitklassig. In der Hauptrunde sieht es anders aus: Mit den Topfavoriten Frankreich und Tunesien oder auch Island und Slovenien können die Deutschen auf schwere Kaliber treffen. Ab dem Viertelfinale gibt es nur noch K.o-Spiele. Und hier warten dann Weltmeister Spanien, Olympiasieger Kroatien oder Geheimfavorit Dänremark. Ab da wird es sich erweisen, welche der beiden Ansichten sich bewahrheiten wird.

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