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Mehr Sport: David Storl ist Weltmeister - Obergföll ist ratlos

Das Kugelstoßen der Männer und der Speerwurf der Frauen war an Dramatik kaum zu überbieten. Dabei gab es aus deutscher Sicht mit David Storl einen strahlenden Sieger, während Christina Obergföll mit Platz vier enttäuschte.

Am siebten Tag der Leichtathletik-WM in Daegu hat die deutsche Mannschaft die zweite Goldmedaille feiern können. Als die Wettkämpfe gegen Mittag deutscher Zeit begannen, dachten die Experten bei einem möglichen WM-Titel vor allem an Christina Obergföll, doch die Speerwerferin ging in einem hochklassigen und spannenden Wettkampf unter und vergoss nach Platz vier Tränen der Enttäuschung.

In die Bresche sprang dafür mit Kugelstoßer David Storl ein Youngster, der für die Medaillen nicht zwingend infrage kam. Doch der Chemnitzer, immerhin Junioren-Weltmeister und U-23-Europameister, verbesserte im Finale zweimal seine persönliche Bestleistung und holte mit 21,78 Metern die Goldmedaille. Der entscheidende Wurf gelang dem 21-Jährigen tatsächlich erst im letzten Durchgang, als er den Kanadier Dylan Armstrong auf den zweiten Platz verdrängte. Bronze ging an Andrei Mikhnevich aus Weißrussland.

Ohne deutsche Medaille ging auch das Weitspringen der Männer über die Bühne, obwohl erstmals seit 1991 wieder zwei deutsche Starter im Finale standen. Beim Sieg des Topfavoriten Dwight Phillipps landete Europameister Christian Reif mit 8,19 Metern auf dem siebten Platz, Sebastian Bayer blieb zwei Zentimeter und einen Platz dahinter.

Der erste deutsche Kugelstoß-Weltmeister

Kugelstoß-Senkrechtstarter David Storl konterte im letzten Versuch die Konkurrenz und machte aus Silber sogar noch Gold. "Ich hatte mich schon tierisch über Silber gefreut. Jetzt bin ich mega-stolz", jubelte der jüngste und erste deutsche Kugelstoß-Weltmeister der WM-Geschichte.

"David gehört die Zukunft. Er hat das Zeug, auch in London Olympiasieger zu werden", meinte Armstrong voller Respekt. Polizeimeisteranwärter Storl, erst seit fünf Jahren auf Kugelstoßen spezialisiert, hatte eigentlich geplant, nach 2012 bei einem großen Titelkampf auf das Podium zu klettern. Dass er schon in Südkorea den WM-Gipfel erreicht hat, verdankt er auch Ralf Bartels.

Der zweimalige WM-Dritte aus Neubrandenburg musste sich selbst mit Platz zehn begnügen, unterstützte aber seinen Nachfolger auf dem Weg zum Gold. "Er hat mir gut zur Seite gestanden und mich beruhigt. Ich war total aufgeregt und hatte schon nach dem dritten Versuch Bauchschmerzen", berichtete Storl. Richtig stolz war Bartels auf den Youngster aus Sachsen: "Das ist etwas ganz Großes, unglaublich! Wir haben einen würdigen Vertreter im deutschen Kugelstoßen."

Schon in der Qualifikation hatte Storl seine Bestleistung um 45 Zentimeter auf 21,50 Meter verbessert und die Rivalen verblüfft. Dass es noch mal um 28 Zentimeter weiter ging, konnte er selbst kaum fassen und nur so erklären: "Wenn man so unter Strom stand wie ich und das positiv umsetzen kann, gelingt so etwas." Allerdings agiert der neue "Herr des Rings" auch mit hohem Risiko. "Ich bin ein Athlet, der von der Schnelligkeit lebt, dass kann auch in die Hose gehen."

Ob er damit auch den seit 1990 bestehenden Weltrekord des Amerikaners Randy Barnes von 23,12 Metern knacken kann? "Da mache ich mir heute keine Gedanken drüber", sagte Storl. Um die 7,26 Kilogramm schwere Eisenkugel noch weiter wuchten zu können, will der 1,99 Meter lange und 115 Kilogram schwere Hüne noch Muskelmasse zulegen. "In diesem Jahr habe ich vier Kilo mehr drauf, 130 will ich in nächster Zeit noch erreichen", sagte Storl.

"Ich habe mich sensationell gefühlt"

Für Obergföll war es ein schwarzer Freitag: Weltrekordlerin Barbora Spotakova aus Tschechien schleuderte den Speer bereits im ersten Versuch auf 68,80 Meter hinaus. Die Russin Maria Abakumova stellte im zweiten Durchgang mit 71,25 Metern eine Weltjahresbestleistung auf. Sie steigerte sich noch auf 71,99, Spotakova auf 71,58. Die deutsche Rekordhalterin hatte dem nur 65,24 entgegenzusetzen und musste auch noch Bronze der Südafrikanerin Sunette Viljoen überlassen.

Bitter für Obergföll: Bei der WM 2009 in Berlin hatte ihr ihre langjährige Rivalin Steffi Nerius die Show gestohlen, bei der EM 2010 in Barcelona landete die Leverkusenerin Linda Stahl einen Überraschungscoup. Und so wartet die zweimalige Vizeweltmeisterin aus Offenburg weiter auf ihren ersten internationalen Titel. Die frühere Europarekordlerin verstand die Welt nicht mehr: "Ich habe mich sensationell gefühlt und mich so gut eingeworfen wie nie." Katharina Molitor überzeugte als Fünfte, Europameisterin Linda Stahl (beide Leverkusen) musste wegen Rückenproblemen passen.

Heidler und de Zordo hoffen auf Edelmetall

An den letzten beiden Wettkampftagen werden aus deutscher Sicht erneut die Werfer im Mittelpunkt stehen. Hammerwerferin Betty Heidler geht als Favoritin in ihr Finale am Sonntag. "Ich muss mit meiner eigenen Leistung zufrieden sein. Da ist auch ein zweiter oder dritter Platz möglich, wenn die Weite stimmt."

Aber auch ihre Frankfurter Disziplin- und Trainingskollegin Kathrin Klaas sowie Vize-Europameister Matthias de Zordo im Speerwerfen hoffen auf Edelmetall. Topfavorit Andreas Thorkildsen aus Norwegen kann nach zwei Olympiasiegen und zwei EM-Titeln nun auch sein zweites WM-Gold holen.

Campbell-Brown kontert

Über die 200 Meter war Veronica Campbell-Brown aus Jamaika nicht zu schlagen. Die Olympiasiegerin kam nach 22,22 Sekunden ins Ziel. Zweite wurde 100-Meter-Weltmeisterin Carmelita Jeter aus den USA in 22,37 vor ihrer US-Teamkollegin und Titelverteidigerin Allyson Felix in 22,42. In einem packenden Schlussspurt sprach zunächst alles für Jeter, doch Campbell-Brown konterte und sicherte sich die Goldmedaille.

Die USA ist nicht zu schlagen

In der letzten Entscheidung des Tages ist die amerikanische 4 x 400-Meter-Staffel ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und hat das erwartete Gold geholt. Nach 2:59,31 Minuten lag der Titelverteidiger und Olympiasieger vor Südafrika (2:59,87). Rang drei ging an Jamaika (3:00,10). Das US-Quartett holte seinen siebten Titel. Die deutsche Staffel mit Jonas Plass, Kamghe Gaba, Miguel Rigau und Thomas Schneider kam in 3:01,37 auf den achten Rang. Gleich das zweite Gold holte Kenias Ausdauer-Ass Vivian Cheruiyot: Bei ihrer Titelverteidigung über 5000 Meter rannte sie in 14:55,37 Minute wie schon über die doppelte Distanz allen davon.

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