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MLB: Porträt zum 97. Geburtstag - Joe DiMaggio

Simon and Garfunkel besangen ihn, Ernest Hemingway schrieb über ihn und er war mit Marylin Monroe verheiratet: Joe DiMaggio war nicht nur aus Sicht des Popduos ein MLB-Spieler alter Schule und dazu einer der Besten aller Zeiten. Wir stellen den Mann mit der vielleicht ältesten aktiven Erfolgsserie im Sport vor.

Fast jeder hat seinen Namen schon einmal gehört, nämlich von Simon and Garfunkel, die 1968 in ihrem Lied fragten: "Where have you gone, Joe DiMaggio?" Was uns die Künstler damit sagen wollten: Sie vermissten die Helden alter Schule, hatte Joltin' Joe seinen Schläger doch bereits 1951 in die Ecke gestellt. Heute wäre DiMaggio 97 Jahre alte geworden.

Joseph Paul DiMaggio, als Guiseppe Paolo DiMaggio 1914 geboren, kam nach eigenen Aussagen eigentlich nur zum Baseball, um dem Fischerboot seines Vaters zu entgehen. Guiseppe Seniors Familie war bereits seit Generationen in Sizilien im Fischereigeschäft, er war auch nach der Auswanderung 1898 nach Kalifornien seinem Beruf treu geblieben und hoffte, dass auch seine fünf Söhne im neuen Land das Handwerk ergreifen würden. Das gelang bei den zwei ältesten Söhnen, während Joe, Dominic und Vince sich durch Baseball vor den Aufgaben am Boot drückten.

Wie wenig den späteren Yankees-Star das Spiel eigentlich interessierte, zeigt die Tatsache, dass er zwischenzeitlich das Interesse verlor und lieber Zeitungen austrug. Erst als der ältere Vince bei den San Francisco Seals Geld für Baseball verdiente, wuchs Joes Interesse wieder.

Vince nahm sich Joe zudem vor und impfte ihm den nötigen Ernst für das Spiel ein. Somit ist dem großen Bruder wohl der Joe DiMaggio zu verdanken, den Baseballfans heute verehren. Galt Joe doch durch seine Karriere hinweg als keineswegs "faul" und "zu nichts zu gebrauchen", wie sein Vater laut joedimaggio.com in frühen Jahren befand. Bei den Yankees galt DiMaggio als harter Hund, den auch eine Verletzung nicht vom Spielen abhalten konnte.

Neun Titel in 13 Jahren

Es sollte nicht lange dauern, bis ihn Vince für das Minor League Team Seals empfahl, als diese zu viele Verletzte zu beklagen hatten. Von Oktober 1932 bis Ende 1935 spielte Di Maggio für sein Heimteam, brachte es dabei auf einen Schnitt von .389, insgesamt 154 RBIs und 34 Home Runs. Ende 1935 wechselte er an die Ostküste zu den New York Yankees, die Seals erhielten im Austausch 25.000 Dollar und fünf Spieler im Austausch.

Im Big Apple traf er auf ein Team, das ein Jahr zuvor mit Babe Ruth eine Ikone in den Ruhestand verabschiedet hatte und das nach den Goldenen Zwanzigern mit sechs Titeln zuletzt vier Jahre zuvor eine World Series gewinnen konnte. Neben Ruths kongenialem Partner Lou Gehrig war es vor allem eine neue Generation junger Spieler, wie Frankie Crosetti, mit denen der Rookie eine erneute Yankees-Ära einleutete.

Bereits in seinem ersten Jahr gewannen die Yankees die World Series gegen den Lokalrivalen Giants. Center Fielder DiMaggio machte dabei nicht nur am Schlag eine gute Figur, er beeindruckte nicht nur als Neuling durch seine Fangkünste im Feld. Um die Yankees damals zu schlagen, musste man "einen Hit dort landen, wo Joe nicht ist", wie Hall of Famer Hank Greenberg dem Sports Magazine 1947 mitteilte.

Dem ersten World-Series-Titel folgten drei weitere am Stück - ingesamt gewann DiMaggio in 13 Jahren für die Yankees neun Titel, heimste dabei drei MVP-Auszeichnungen ein und war in jeder Saison im Allstar-Team der American League zu finden. Mit 361 Home Runs, 1537 RBIs und einem Schnitt von .325 beendete DiMaggio 1951 seine Karriere und wurde vier Jahre später in die Hall of Fame gewählt.

The Streak

Sind die voranstehenden Errungenschaften nicht schon imposant genug, so ist es eine Serie im Jahre 1941, die Joltin' Joe bis heute unsterblich macht - und die seine Beständigkeit und Zuverlässigkeit unterstreicht. Vom 15. Mai bis zum 16. Juli brachte der Center Fielder in jedem der 56. Spiele mindestens einen Hit auf seine Habenseite - The Streak war geboren.

Viele MLB-Spieler haben sich davor und danach an dieser einzigartigen Serie versucht, doch die nächstbesten sind mit 45 (Willie Keeler, 1896/97), 44 (Pete Rose 1978) und 42 (Bill Dahlen, 1894) weit von DiMaggios Marke entfernt. In jüngster Zeit bissen sich Dan Uggla, der 2011 33 Spiele in Folge mit einem Hit absolvierte, und Jimmie Rollins, der es 2005/06 auf 38 brachte, die Zähne an der Fabelmarke aus.

You're In The Army Now

Abgesehen von dieser Serie hätten seine anderen Zahlen wohl noch beeindruckender ausgesehen, wäre nicht der zweite Weltkrieg dazwischen gekommen. Am 17. Februar 1943 schrieb er in der Air Force ein. Zwar wurde er an der Heimatfront und vor allem als Baseballspieler eingesetzt - obwohl er diese Vorzugsbehandlung ablehnte - doch tauschte er immerhin einen Gehaltscheck in Höhe von 43.750 Dollar gegen 50 Dollar im Monat ein.

Über zwei Jahre spielte er für diverse Air Force Teams mit und gegen andere eingezogene Major-League-Spieler, unter anderem seinen Bruder Dominic, kurz Dom genannt. Im September 1945 wurde er wegen eines Magengeschwürs aus der Army entlassen. Die Yankees, die 1943 ohne ihn einen World-Series-Titel errangen, setzten die Erfolgsgeschichte nahtlos fort.

Familienangelegenheiten

Auch wenn seine beiden Brüder Vince und Dom meist im Schatten Joes ihre Kreise zogen, beide legten ebenfalls beachtliche MLB-Karrieren hin. Vince spielte in zehn Jahren für die Boston Bees, Cincinnati Reds, Pittsburgh Pirates, Philadelphia Phillies und New York Giants. Dom spielte wie Joe nur für ein Team - ausgerechnet die Boston Red Sox. Dort kam er mit einem Hitting-Streak von 34 Spielen in Folge sogar zu einem Clubrekord.

Für noch mehr Schlagzeilen als die angeborene sorgte jedoch die angeheiratete Verwandtschaft. 1937 heiratete der der New Yorker Gesellschaft nicht fremde DiMaggio die Schauspielerin Dorothy Arnold, mit der er 1941 seinen Sohn Joseph Paul II bekam. 1944 wurden die Beiden geschieden.

Monroe und Hemingway

Seine zweite Frau hatte einen klangvolleren Namen. 1952 lernte er Marylin Monroe kennen, heiratete sie 18 Monate später und wurde nach neun Monaten Ehe von ihr geschieden. Sie führte unter anderem "seelische Grausamkeit" (pbs.org) als Trennungsgrund ein. Dabei hatten zuvor viele, unter anderem Ex-Mitspieler Jerry Coleman die Verbindung als Traumehe bezeichnet. "Die beste Frau der Welt heiratet den besten Kerl der Welt. Das ist doch perfekt", zitierte pbs.org Coleman.

Doch die junge Schauspielerin konnte mit dem zurückgetretenen Sportstar nichts anfangen. Er wollte, dass sie zuhause bleibt, sie wollte über ihre Filme reden. Als sie von einem Truppenbesuch in Korea zurückkam und ihm von der Begeisterung der Soldaten mit den Worten "du hast noch nie so viele Jubelrufe gehört", berichtete, antwortete er nur trocken: "Doch, habe ich."

Seine Verehrung für seine Ex-Frau hielt trotz der Scheidung anscheinend weiter an. Nach Monroes Tod arrangierte DiMaggio nicht nur ihre Beerdigung, er ließ über 20 Jahre drei Mal die Woche ein Dutzend Rote Rosen an ihr Grab bringen.

Nicht nur die Ehe mit der Hollywood-Diva machte DiMaggio zu einem Fixpunkt der Popkultur, die oben erwähnte Ehrung von Simon und Garfunkel war dabei nur die Spitze des Eisberges. Auch in Ernest Hemingways "Der Alte Mann und das Meer" lässt der Autor den Protagonisten mehrfach seine Hochachtung für den Center Fielder ausdrücken.

"Where have you gone, Joe DiMaggio?"

Dass es eine Ehre war, war dem von Simon and Garfunkel Besungenen zunächst gar nicht bewusst. So erzählte Paul Simon in der New York Times 1999 von seiner ersten Begegnung mit einem empörten Joltin Joe. Er habe gerade erst einen Werbespot gedreht und sei "doch gar nicht weggegangen". Als Simon ihm schließlich erklärte, es ginge in der Liedzeile um verlorene Helden, die es nicht mehr gäbe, zeigte sich DiMaggio zufrieden.

Sven Kittelmann

sportal.de / sportal

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