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Nationalmannschaft: Van Gaal schimpft weiter über Löw-Lehrgang

Bundestrainer Joachim Löw kommt den Bundesligavereinen entgegen und beendet den WM-Vorbereitungslehrgangs früher als geplant. Bayern-Trainer Van Gaal lehnt einen Leistungstest seiner Spieler weiter ab.

Bayern-Trainer Louis van Gaal schimpft weiter über den Fitness-Test bei Joachim Löw - der Bundestrainer dagegen nimmt Zündstoff aus dem ersten Konflikt im WM-Jahr. Zwar zieht Löw den wichtigen Check seiner WM-Kandidaten sowie die umfangreichen Marketing-Maßnahmen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für das Turnier in Südafrika von Montag an konsequent durch. Doch die nach der Absage des Bremers Aaron Hunt nur noch 27 Nationalspieler werden schon am Mittwoch und damit einen Tag früher als geplant wieder bei ihren Vereinen sein. "Am Dienstagabend ist das ganze Programm zu Ende. Für uns ist klar, dass die Spieler nach dem Abendessen nach Hause fahren", bestätigte der DFB-Chefcoach am Sonntag die Kürzung des Treffens.

An der Notwendigkeit des Leistungstests 140 Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel am 13. Juni in Durban gegen Australien ließ Löw aber keinerlei Zweifel: "Wir sind in einer WM-Saison. Wir müssen mit einer guten Basis zur WM fahren." An diesem Montag in Stuttgart will der Bundestrainer seine Trainer-Kollegen aus der Bundesliga persönlich mit ins WM-Boot nehmen und seine Feinplanungen für das Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika erläutern. Die Auseinandersetzung mit dem niederländischen Chefcoach des FC Bayern soll keine weitere Eskalation erhalten. Allerdings waren die Clubs schon am Freitag von der Verkürzung des Treffens informiert worden. "Ich spüre die Unterstützung der Bundesliga schon. Dass es mal unterschiedliche Interessen gibt, ist nachvollziehbar. Aber der Termin war mit der Liga abgesprochen", bekräftigte Löw.

Eine Frage des Respekts

Gaal, der sich bei der Trainertagung von seinem Assistenten Hermann Gerland vertreten lässt, hatte nach dem 3:2-Bundesligasieg seiner Münchner am Wochenende seinen Unmut über den Leistungstest der DFB-Auswahl außerhalb einer FIFA-Abstellfrist erneuert und zudem DFB-Manager Oliver Bierhoff Respektlosigkeit vorgeworfen. "Der Weltverband FIFA hat einen Kalender aufgestellt, die Nationalmannschaft hat noch viele Testspiele. Ich muss die Interessen meines Clubs verteidigen und habe kein Verständnis für das, was Oliver Bierhoff gesagt hat. Das ist eine Frage des Respekts", klagte der Niederländer. Bierhoff hatte die Kritik des Münchner Trainers am DFB-Test ("Das ist Wahnsinn") strikt zurückgewiesen: "Wir stehen in der Verantwortung, eine gute WM zu spielen. Da ist die Meinung von Louis van Gaal nicht so wichtig."

Die Bundesliga-Clubs hatten im Rahmenterminplan Löw im Hinblick auf die WM die Leistungs-Überprüfung allerdings schon vor der Saison eingeräumt. Sie findet unter Leitung von DFB-Teamarzt Tim Meyer statt; am Montag mit einem Krafttest, am Dienstag mit einem Sprint- und Ausdauertest. "Es geht um insgesamt 30 Minuten Belastung. Da kann kein Spieler überbelastet werden", erklärte Löw.

Einen für Mitte Januar zwischen Liga und DFB verabredeten Marketing-Termin hatte der Verband nach Intervention der Clubs bereits ersatzlos gestrichen. "Die Situation ist nicht ideal, das ist klar. Aber wir sind in einer WM-Saison, da muss das erledigt werden", wies Werder-Manager Klaus Allofs auf den "Kompromiss mit dem DFB" hin. Anfang April ist mit Liga-Zustimmung ein weiterer drei Tage dauernder Kurztest im Terminplan verankert. Um auch dort Aufregungen zu vermeiden, werden die Spieler der Vereine verschont, die dann noch im Europacup stehen. "Das ist selbstverständlich", sagte Löw.

Der Bundestrainer erwartete am Sonntagabend noch 27 Spieler in Stuttgart. Neben den von ihren englischen Clubs nicht abgestellten Michael Ballack (Chelsea) und Robert Huth (Stoke) sowie dem erkrankten Hunt fehlen auch die verletzten Lukas Podolski (Köln), Heiko Westermann (Schalke) und Cacau (Stuttgart).

Tohüterfrage geklärt

Die erste WM-Personalentscheidung hat Löw auch getroffen: René Adler (Leverkusen), Manueal Neuer (Schalke) und Tim Wiese (Bremen) werden in Südafrika dabei sein. "Wenn nichts Außergewöhnliches passieren sollte, werden wir mit diesen drei Torhütern zur WM fahren", bestätigte der 49-Jährige. "Eine aktuelle Rangfolge gibt es nicht. Der Torhüter, der gegen Argentinien spielt, hat einen kleinen Vorteil", kündigte Löw eine Vorentscheidung für das Testspiel am 3. März in München an.

Bei seiner anstehenden Vertrags-Verlängerung bis 2012 gibt es auch Bewegung. In Stuttgart will Löw mit DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach einen abschließenden Gesprächstermin vereinbaren. "Man kann davon ausgehen, dass es in Kürze passieren wird", kündigte Löw an.

DPA / DPA

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