HOME

NBA: Die Schlussphase der NBA-Regular Season

So langsam neigt sich die Regular Season der NBA dem Ende zu. Wer kommt in die Playoffs? Wer holt welchen Award? Und wer geht lieber nach Hollywood?

So langsam neigt sich die Regular Season der NBA dem Ende zu. Deshalb wollen wir heute auf die größten Headlines, die interessantesten Gerüchte und die spannende Playoff-Situation eingehen sowie einen schnellen Blick auf die Saison-Awards werfen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, nicht in die Playoffs einzuziehen. Man kann sich frühzeitig entscheiden, keine Chance zu haben, um dann einfach mehr oder weniger absichtlich viel zu verlieren – ein früher Pick im Draft, sprich die freie Auswahl unter den besten College-Spielern mit niedrigem Gehalt für drei Jahre, ist meist die Belohnung. Unzufriedenheit und Umsatzeinbußen bei den eigenen Fans allerdings meist die Strafe.

Der wilde Westen – Die direkten Duelle entscheiden

Oder man kann um die Teilnahme kämpfen, am Ende knapp scheitern – und dann mit leeren Händen da stehen. In beiden Conferences ist das Playoff-Rennen sehr spannend – um die Teilnahme gebangt wird aber fast ausschließlich im Westen. Fest stehen dort wohl nur Oklahoma, San Antonio und die Lakers. Die Dallas Mavericks könnten so ein Team sein, das es nicht schafft. Als amtierender Meister. Es könnte aber auch Phoenix, Utah, Denver, Houston, Memphis oder sogar die vor der Saison so hochgelobten Los Angeles Clippers treffen.

Alle diese Teams stehen 10 Spiele vor dem Ende der Regular Season durch maximal 4 Siege oder Niederlagen getrennt da – nun kommt es auf Tagesform, Verletzte und wahrscheinlich auch ein bisschen Glück an. Dallas zum Beispiel ist das Team mit den meisten Auswärtsspielen (7 von 9 Spielen finden auswärts statt), während man aber nur noch fünf Mal gegen Playoff-Teams antreten muss. Phoenix und Denver hingegen haben zwar nur noch fünf Auswärtsspiele bei zehn verbleibenden Partien, müssen aber sieben Mal (Denver) beziehungsweise sogar acht Mal (Phoenix) gegen Playoff-Teams antreten.

Und dann gibt es da ja noch den direkten Vergleich, der bei Punktgleichheit seine Anwendung als Tiebreaker findet. Diese hat Dallas teilweise vorzeitig gegen alle direkten Konkurrenten gewonnen – abgesehen vom Matchup mit den Grizzlies. Schlechter sieht es da für Utah und Houston aus, die fast alle ihre Serien gegen die Konkurrenz verloren haben. Ich selber würde auf Utah und Denver als die Teams tippen, die die Playoffs verpassen werden.

Der Kampf ums Mittelfeld – Bulls und Heat einsam vorne

Ähnlich eng geht es auch im Osten zu, allerdings aus anderen Beweggründen. Die Teams, die die Playoffs wohl erreichen werden, stehen so gut wie fest, Chicago, Miami, Indiana, Boston, Atlanta und Orlando sind sicher dabei, aus dem Kreis von New York, Philadelphia und Milwaukee wird ein Team früher in den Urlaub fahren müssen.

Worum es aber viel mehr geht, ist, wann man auf einen der beiden großen Favoriten, treffen könnte. Da die Bulls und die Heat wohl die Plätze eins und zwei belegen werden, ist es zumindest schon mal ratsam, nicht achter oder siebter zu werden – ein schnelles Erstrundenaus wäre so gut wie garantiert.

Aber auch um Platz drei und vier (Heimrecht in der ersten Runde der Playoffs) gibt es einen spannenden Kampf zwischen den Pacers, den Celtics, den Hawks und den Magic. Ich würde vermuten, die Philadelphia 76'ers werden die Playoffs verpassen – und die Pacers und die Celtics Platz drei und vier belegen.

Theater in Disneyworld

Apropos Orlando Magic. Wie so vielen fiel es auch mir schwer, zu glauben, was da letzte Woche die Runde machte. All-Star Dwight Howard bittet das Management, den Coach zu feuern? Und tut gegenüber seinem Coach so, als wäre alles in Ordnung? Gesehen auf der Pressekonferenz vor dem Spiel der Magic bei den Knicks, als zunächst Coach van Gundy der verdutzten Presse eröffnete, sein Star habe dem Management seine Entlassung nahegelegt – nur um sich dann von Howard, der diesen Teil des Interviews nicht mitbekommen hatte, mit den Worten "Es wird alles gut Coach, wir schaffen das alles", in den Arm nehmen zu lassen.

Noch nicht skurril genug? Van Gundy zitierte als Quelle eine "hohe Person im Management, auf dem Top-Level", während Howard schlicht und einfach entgegnete, es wäre eine Lüge. So hat also jeder seine eigene Verschwörungstheorie.

Und das Erstaunlichste? Nachdem sich das Team an dem Abend komplett hängen ließ, gewann man zwei Tage später souverän gegen die 76'ers und heute Nacht sogar ohne den angeschlagenen Howard mit einem Riesenvorsprung gegen die Pistons. Manche Teams scheinen wie eben doch wie manche Beziehungen zu funktionieren – sie brauchen manchmal einfach ein bisschen Drama.

Dallas und Lamar – kein glückliches Paar

Und wenn wir schon bei Spielern sind, die ihre Worte von gestern vielleicht morgen schon bereuen, sollte man in diesen Kreis vielleicht auch Lamar Odom aufnehmen. In Dallas angetreten, um vor allem seinem alten Team, den Lakers, zu zeigen, dass es ein Fehler war, ihn nach New Orleans traden zu wollen – so landete Odom in Dallas – ist das Projekt Odom mittlerweile komplett in Flammen aufgegangen.

Entlastung für Dirk Nowitzki sollte er darstellen, die Mavs defensiv noch stärker machen, seinen Status als bester Ersatzspieler der Liga zementieren. Herausgekommen ist eine Zweckehe nach bester Las-Vegas-Art – leicht benommen geschlossen, nüchtern versucht, es funktionieren zu lassen, aber schnell beschlossen, es doch lieber bleiben zu lassen.

Und so haben die Mavericks nach wochenlangem Hin und Her, von Odoms Fernbleiben vom Training über eine Suspendierungs-/Reha-Maßnahme zum Schutz vor den eigenen Fans bis hin zu immer wieder geäußerten Verständnisbekundungen von Team, Management und Besitzer, den Vertrag mit dem Forward gelöst.

Taking my Talents to Hollywood?

Allerdings nicht komplett, es wäre ja noch schöner gewesen, wenn Odom sich jetzt einem anderen Team wie zum Beispiel den Lakers für weniger Geld hätte anschließen können. Was Odom offenbar aber gar nicht will. Übereinstimmend wurde beschlossen, Odom zwar bis Saisonende im Kader zu behalten, ihm auf den Spielberichtsbögen aber das übliche "Did not play" einzutragen.

Odom, der nebenbei mit seiner Ehefrau auch in einer Reality-TV-Show mitspielt – einer der Gründe für seinen Abschied bei den Lakers - meinte dazu nur, dass er sich "jetzt neu fokussieren und sich dann auf die kommende Saison vorbereiten" wolle. Nicht wenige tuscheln aber bereits darüber, ob man Odom wohl wirklich in der nächsten Saison wiedersehen wird – oder ob er seine Talente einfach mit nach Hollywood nimmt.

Unterschätze niemals die Spurs!

Im Gegensatz zu den großen Headlines, die durch Probleme entstehen, gibt es aber auch ein Team, das in dieser Saison bisher die Erwartungen jedes einzelnen Experten übertrifft - und über das kaum jemand redet. Gestatten, die alten Männer der Spurs!

Nicht nur haben die San Antonio Spurs mit Gregg Popovich einen Coach, der mit 1180 Spielen und vier gewonnenen Meisterschaften einer der erfahrensten und besten seines Fachs ist. Nicht nur haben sie in Tim Duncan, Manu Ginobili, Tony Parker und Stephen Jackson erfahrene Stars, die schon 11 Titel geholt haben. Sondern sie haben jetzt auch noch die wohl am ausgeglichensten besetzte Gruppe Youngster, die die Liga zu bieten hat.

Ausfälle wie der von Ginobili – der die Spurs im letzten Jahr als top-gesetztes Team gegen Memphis einen Run in den Playoffs kostete – können mittlerweile von Spielern wie Daniel Green, Gary Neal, Patrick Mills kompensiert werden. Und dann wäre da ja noch der exzellente Rookie Kawhi Leonard, der bereits in seiner Zeit in San Diego am College andeutete, wie viel Potenzial in ihm stecken könnte – das Gregg Popovich nun Stück für Stück frei legt.

Trainer machen Gewinner

Mittlerweile stecken die Spurs mitten in einer 11 Spiele andauernden Siegesserie, haben nur eins der letzten 15 Spiele verloren, und Oklahoma City an der Spitze der Western Conference abgelöst. Und das mit einem Team, von dem vor der Saison die meisten sagten, der Neuaufbau müsse her, da es so für die Playoffs niemals reichen würde. Das wird es nun wohl doch – und vielleicht bietet sich ja sogar die Chance, sich bei den Grizzlies in der zweiten Runde für die Schmach des letzten Jahres zu revanchieren.

Eins ist sicher – die Spurs stehen nur dort, weil ihr Coach es Jahr für Jahr hinkriegt, das System geringfügig umzustellen, um das Beste aus seinen Spielern heraus zu holen. Waren sie vor Jahren noch eins der besten Defensiv-Teams der Liga, ist man mittlerweile genau das Gegenteil, nämlich eins der wurfstärksten Teams der Liga – inklusive des fünft-besten Punkteschnitts aller Franchises.

Vielleicht sollte sich jemand wie Dwight Howard die Trainer-Logik zu Herzen nehmen. Stan van Gundy gehört schließlich auch zu den erfahreneren Trainern der Liga – er war derjenige, der Howards Magic bis ins NBA-Finale 2009 führte.

James vs Durant – Die MVP-Wahl

Aber für manche zählt ja nicht nur der große Titel in der Liga, sondern eben auch die vielen kleinen, individuellen Auszeichnungen. Wer wird bester Rookie und vielleicht genau so berühmt wie Blake Griffin? Wer der nächste MVP und Nachfolger von Derrick Rose? Und wer ist der verrückteste Spieler der Liga?

Die MVP-Wahl findet seit Monaten eigentlich ausschließlich zwischen zwei Spielern statt. Natürlich, Kevin Love spielt eine ausgezeichnete Saison, und wird, sollte er weiter so an seinem Wurf arbeiten und sich beim Rebounden keine Knieverletzung holen, sicherlich eines Tages auch den Titel MVP tragen. Sicher, Kobe Bryant spielt eine für sein Alter unglaubliche Saison – hat aber die Hilfe zweier der besten Big Men in der Liga und trifft trotz eines hohen Punkteschnitts öfters Entscheidungen, unter denen sein Team leidet.

Bleiben also noch LeBron James und Kevin Durant. Zu Beginn der Saison war James, der bei den Heat in allen relevanten Kategorien der Teambeste ist, auf Kurs, die statistisch beste Saison aller Zeiten zu spielen. Dann kam das erste Spiel gegen die Oklahoma City Thunder, in dem Durant alle anderen um einiges überragte – und plötzlich war Durant der haushohe Favorit. Noch ein Aufeinandertreffen später – LeBron dominierte das Spiel beim Heimsieg von Miami – und LeBron soll wieder vorne sein.

Offensiv, defensiv - Hauptsache Weltklasse!

Ich glaube, die Diskussion sollte sich gar nicht stellen. Natürlich ist Durant ein hervorragender Scorer. Natürlich hat er keinen Dwyane Wade an seiner Seite. Aber ist ein gesunder Westbrook nicht mindestens ein angeschlagener D-Wade? Und sind James' Fähigkeiten nicht einfach zu universal, als dass man ihm jemanden gleichstellen könnte? Offensive, Defensive – alles Weltklasse. Der einzige Kritikpunkt soll sein manchmal zu wenig ausgeprägter Egoismus auf dem Court sein?

Natürlich haben alle noch die Finals und LeBrons Kollaps des letzten Jahres im Kopf. Doch er scheint gelernt zu haben - und ob er es umsetzen kann, wird man sowieso erst in den Playoffs und damit nach der MVP-Wahl sehen. Für die reguläre Saison gilt: Das, was James dieses Jahr spielt, könnte im Moment außer ihm niemand anders in der Liga. Und damit sollte man am Ende auch der MVP sein.

Awards galore!

Aber es gibt ja noch weitere Auszeichnungen. Zwar hat Kevin Love den Award für den Most Improved Player bereits letztes Jahr gewonnen – aber vielleicht sollte man eine Ausnahme machen und ihn ihm wieder verleihen? Oder einigen sich doch alle auf Jeremy Lin, dessen Karriere in New York aber trotz 4 Wochen Blitzberühmtheit nach wie vor nicht gesichert ist, da sein Vertrag im Sommer ausläuft?

Und muss man Dwight Howard den Award für den besten Defensiv-Spieler der Liga zum vierten Mal in Folge verleihen? Oder kommt für die Voter auch Serge Ibaka infrage, der bei den Oklahoma City Thunder Karrierebestwerte bei Rebounds, Blocks und Steals aufstellt?

Und dann ist da ja noch der Award für den besten Rookie. Alle Welt schreit nach Clevelands Kyrie Irving, der auch wirklich eine tolle Saison spielt. Aber sein Team hat keine Chance, noch in die Playoffs zu rutschen. Wäre da die Wahl von Ricky Rubio, der zusammen mit Kevin Love eine Euphorie um die Minnesota Timberwolves entfacht hat, die die Liga nicht mal zu Zeiten von Kevin Garnett erlebt hatte, nicht logischer? Natürlich macht Rubios schwere Verletzung am Kreuzband diese Frage nicht einfacher – aber selbst ich bin zu einem gelegentlichen Fan der T-Wolves geworden, Rubios Passqualitäten erinnern in der Liga höchstens an Steve Nash.

Als Nachfolger von Lamar Odom als bester Ersatzspieler der Liga bietet sich auch nur ein klarer Favorit an – Oklahomas James Harden wäre in jeder anderen Mannschaft der Liga Stammspieler, eventuell sogar ein All Star. Spieler wie Steve Novak, Taj Gibson, Jamal Crawford oder auch Jason Terry haben zwar alle ihre Momente, aber die Konstanz von James Harden ist für einen so jungen Spieler imponierend.

Thibs oder Pops?

Für den Coach des Jahres lautet der Favorit wohl einmal mehr Tom Thibodeau. Scott Brooks leistet in Oklahoma tolle Arbeit, Erik Spoelstra scheint den Heat das Finals-Trauma schnellstens wieder ausgeredet zu haben – doch Thibodeau steht mit einem Team, bei dem der amtierende MVP wochenlang verletzt ausfiel, trotzdem besser da als beide Konkurrenten mit ihren fitten Teams.

Einzig San Antonios Popovich könnte – wie oben beschrieben – dem ganzen einen Strich durch die Rechnung machen – dafür müssen die Spurs aber bis zum letzten Spieltag der Regular Season durchspielen, und nicht in den letzten 5 Spielen alle Starts schonen und auf die bisher so gute Bilanz verzichten. Auch diesen Plan hat Basketball-Genie Popovich schon einige Male in die Tat umgesetzt.

Oliver Stein

sportal.de / sportal

Wissenscommunity