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Interview

Konzept für 2028 oder 2032: Olympia im Ruhrgebiet? Michael Mronz erklärt, wie fortgeschritten die Pläne sind

Olympia-Bewerbungen in Deutschland sind zuletzt krachend gescheitert. Dennoch wagt Sportmanager Michael Mronz einen neuen Anlauf. Er will Olympia 2028 oder 2032 ins Ruhrgebiet holen. Im Interview sagt er, was sein Konzept besonders macht.

Michael Mronz: "Es gibt keine andere Region in Europa, die auf so engem Raum diese Kompaktheit an Sportanlagen bietet"

Michael Mronz: "Es gibt keine andere Region in Europa, die auf so engem Raum diese Kompaktheit an Sportanlagen bietet"

Herr Mronz – nach München und Hamburg dachte man so ein bisschen: Das war’s erst einmal mit Olympia-Plänen in Deutschland. Im vergangenen Jahr haben Sie in NRW dann aber wieder eine Diskussion angeschoben – und das möglicherweise schon für 2028. Wie sind Sie darauf gekommen?

Ich bin nicht nur Sportfan sondern auch viel im Kunst- und Kulturbereich unterwegs. Und wer in NRW kulturinteressiert ist, der hat das Land noch nie nur in einzelnen Städten wahrgenommen. In Bonn gibt es Beethoven, in Köln und Düsseldorf gibt es Opern, in Wuppertal Tanztheater. Ganz NRW ist eine Kulturregion. Das zeigt: Einzelne Standorte können zusammen etwas Großes schaffen. Und da kam mir der Gedanke: Wie ist das eigentlich beim Sport? Aus dieser Frage heraus ist die Idee für eine Bewerbung einer Städteregion, Rhein Ruhr Olympic City, für Olympische Spiele entstanden.

Ihre Bewerbung ist erst einmal auf 2028 ausgerichtet. Nun ist der Vergabefall etwas kompliziert. Es könnte im September auch eine Doppelvergabe geben. Paris und Los Angeles würden sich dann darum streiten, wer den ersten Termin 2024 bekommt – und wohl auch den zweiten unter sich ausmachen. Würden Sie sich dann auch für 2032 bewerben?

Das IOC entscheidet aller Voraussicht nach am 9. Juni über die Möglichkeit einer Doppelvergabe. Aber für uns wäre das kein Nachteil. Im Gegenteil: Die Zeit bis 2032 würde uns sogar in die Karten spielen, um die Kernthemen neben dem Sport, vernetzte Mobilität und Digitalisierung, weiter voranzutreiben. Egal ob für 2028 oder 2032 – wir wollen vorbereitet sein.

Mobilität, Digitalisierung – das sind erst einmal ziemlich abstrakte Begriffe. Was stellen Sie sich da genau vor?

Die zentrale Frage, die sich dazu stellt, ist, wie ein fortschrittliches vernetztes Mobilitätskonzept für 2028 oder 2032 für eine großflächige Region, vergleichbar mit Los Angeles oder Tokio, aussehen kann. Klar ist, dass im Bereich von Straßen, öffentlicher Infrastruktur und im Bereich der digitalen Infrastruktur große Möglichkeiten liegen. Hierzu führen wir Gespräche mit Experten, um die Ergebnisse und Visionen in unser Paper einfließen zu lassen. Das fängt bei Kleinigkeiten wie einer gemeinsamen ÖPNV-App für die gesamte Region Rhein-Ruhr an und endet bei der großen Frage "Wie verbinde ich die Städte in NRW, von Aachen bis Dortmund, von Essen bis Bonn in einem vernetzten Mobilitätangebot?".

Und was die Sportstätten angeht…

Michael Mronz, 50, ist Sport- und Eventmanager. Bei der Leichtathletik-WM 2009 war er Marketingchef, er verantwortet das ATP-Tennisturnier in München und das Reitturnier CHIO in Aachen, war Vermarktungschef von TV-Events wie Stefan Raabs Wok-WM oder dem Bundesvision Songcontest. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender der Westerwelle Foundation und der Hilfsaktion "Ein Herz für Kinder".

Michael Mronz, 50, ist Sport- und Eventmanager. Bei der Leichtathletik-WM 2009 war er Marketingchef, er verantwortet das ATP-Tennisturnier in München und das Reitturnier CHIO in Aachen, war Vermarktungschef von TV-Events wie Stefan Raabs Wok-WM oder dem Bundesvision Songcontest. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender der Westerwelle Foundation und der Hilfsaktion "Ein Herz für Kinder".

Es gibt keine andere Region in Europa, die auf so engem Raum diese Kompaktheit an Sportanlagen bietet. Über 80 Prozent der benötigten Sportstätten/Veranstaltungsorte und eine Kapazität von derzeit 618.000 Zuschauerplätzen wären bereits heute vorhanden. An Rhein und Ruhr gibt es alleine neun Hallen mit mehr als 5000 Plätzen, zehn Stadien mit mehr als 25.000, zwei davon sind überdacht (Gelsenkirchen und Düsseldorf), es gibt in Aachen eine Reitsportanlage mit knapp 40.000 Plätzen, in Mönchengladbach ein Hockeystadion mit 10.000. Die meisten Anlagen sind in einem sehr guten bis exzellenten Zustand. Das ist einmalig in Europa und der wichtigste Faktor für ökologisch und ökonomisch nachhaltige Spiele in einer Rhein-Ruhr Olympic City.

Das heißt, sie planen Olympia mit Renovierungsarbeiten – weniger mit Neubauten?

Anstelle neue Sportstätten zu bauen, können Arenen und Stadien für den Spitzen- und Breitensport für die Zeit nach Olympia 2028 oder 2032 noch fitter gemacht werden.

Was ist eigentlich mit dem Olympiastadion? Große Stadien gibt es dank der zahlreichen Bundesligisten jede Menge. Kann man da auch eines umbauen oder muss ein neues her?

In NRW ist aktuell kein großes Stadion mit einer Leichtathletik-Option vorhanden. Die Großveranstaltungen aus dem Bereich finden nicht mehr in NRW statt, das muss man so klar sagen.

Also bleibt nur ein Neubau?

Nicht unbedingt. Auch hier suchen wir nach nachhaltigen und klugen Lösungen. Wir gehen der Frage nach einem Leichtathletikstadion daher auf zwei Wegen nach. Erstens: Gibt es einen nachhaltigen Bedarf für so ein Stadion? Könnte sich also ein Neubau lohnen? Aber vorrangig fragen wir uns: Gibt es eine Stadt oder einen Verein, der ein neues Fußballstadion bauen will – es gibt verschiedene architektonische Herangehensweisen, um dann eine solche Arena temporär für Leichtathletik-Events zur Verfügung zu stellen. Der 1. FC Köln beispielsweise denkt aktuell über ein neues Stadion nach. Warum nicht nach dem Modell der Pariser Bewerbung ein Stadion bauen, welches man temporär zu einem Leichtathletikstadion umfunktionieren kann?

Gibt es schon Planungen für das olympische Dorf?

Die Frage ist doch: In welcher Stadt oder Region herrscht akuter Wohnungsmangel, der mit einem klugen Wohnbaukonzept im Anschluss an Olympischen Spiele nachhaltig genutzt werden kann. London 2012 ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen.

Wie verliefen die Planungen konkret. Und wo stehen Sie aktuell?

Im vergangenen Sommer haben wir dem Landtag unsere Idee präsentiert - es gab eine große Zustimmung bei den Fraktionen. Wir haben von unserer Seite angeboten, ein Planungspapier zu erstellen, das ohne Steuergelder, sondern komplett aus der freien Wirtschaft heraus finanziert ist. Wir sind noch immer in der Ausarbeitung des Papiers und führen gerade die Gespräche mit den beteiligten Kommunen, um zu klären: Wo kann man welche Sportarten austragen?

Wann gibt es die Ergebnisse?

Im Sommer dieses Jahres soll der Abstimmungsprozess beendet sein. Dann können wir mit der Landespolitik und den Kommunen das Planungspapier vorstellen.

Sie betonen im Gespräch immer wieder die Nachhaltigkeit. Was bedeutet das im Bezug auf Ihre Planung genau?

Uns ist ganz wichtig zu erklären, dass wir nicht wie andere Bewerber sagen wollen: Aus den oder den Gründen werden wir nachhaltige Spiele sein. Nein, wir können vielmehr heute sagen: Wir sind schon jetzt nachhaltig, weil wir die 80 Prozent an vorhandenen Sportstätten klug einsetzen, und dies entsprechend geringere Kosten verursacht und das Land frei werdende Mittel für andere, gesellschaftlich relevante Investitionsmaßnahmen nutzen könnte.

Trotzdem kosten Olympische Spiele viel Geld. Die Ausgaben sind das große Thema für die Leute. Bei den vergangenen Spielen kostete die Olympiade immer mehr als 10 Milliarden Euro. Können Sie schon Näheres zu Kosten sagen?

Wir wollen bei den Kosten und Investitionen neue Wege gehen und werden dadurch deutlich unter 10 Milliarden liegen. Durch die vorhandenen Sportstätten sind keine großen Investitionen in diesem Bereich notwendig. Die Menschen müssen ein Gefühl dafür bekommen, dass es ein ehrliches Angebot ist. Das ist uns wichtig. Zu tätigende Investitionen betreffen nach unseren Vorstellungen über den Sport hinausgehend vor allem die Infrastruktur von NRW – sowohl im Bereich vernetzte Mobilität als auch bei der Digitalisierung. Die Leverkusener Brücke auf der A1 lässt grüßen. Hier bietet sich eine riesige Chance für eine ganze Region.

In München und Hamburg scheiterte Olympia zuletzt am Willen der Bürger. Hätten Sie Angst vor einer Abstimmung?

Ich bin überzeugt, dass die Menschen in NRW eine hohe emotionale Bindung zu den bereits vorhandenen und genutzten Sportstätten haben und dadurch auch eine größere emotionale Verbindung zu Olympischen Spielen in ihrer Stadt und der Region herstellen.

Können Sie da mal ein Beispiel nennen, wie es konkret funktionieren könnte?

Warum soll man die Schwimmwettbewerbe nicht in einem temporären Becken in der Esprit-Arena in Düsseldorf vor mehr als 50.000 Zuschauern stattfinden lassen? Das wäre eine weltweit einmalige Kulisse, die vergleichsweise hohen Ticketeinnahmen würden zur Refinanzierung beitragen, gleichzeitig kann man den Besuchern auch preisgünstige Eintrittskarten anbieten. Auf der anderen Seite wollen wir Begegnungen beispielsweise im Basketball oder Handball, die keine 10.000 Zuschauer anlocken, in kleineren Arenen stattfinden lassen, um eine bestmögliche Auslastung und optimale Kosten-Nutzen-Relation zu generieren. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen zu den Menschen kommen. Denn eines ist klar: NRW ist ein sportbegeistertes Land.

Bislang fehlte es noch an der Unterstützung des DOSB. Michael Vesper sagte im vergangenen Jahr: "Das kommt zu früh". Wie gehen Sie damit um?

Ich stimme Michael Vesper voll zu, dass es im Moment keine Entscheidung zu treffen gibt. Unsere Aufgabe ist es erst einmal, der Politik und der Sportpolitik ein kluges Konzept anzubieten. Gespräche mit dem DOSB über Möglichkeiten folgen dann. Aber klar ist auch: Je besser das Konzept, desto besser die Chancen, beim DOSB Gehör zu finden.

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