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Start der Handball-EM: High Noon um Olympia

Für die DHB-Auswahl geht es bei der Handball-EM in Serbien nicht nur darum, die schlechten Ergebnisse der vergangenen Jahre wett zu machen. Die Mannschaft von Trainer Heuberger hat das große Ziel, die Olympischen Spiele zu erreichen. Doch das wird schwer.

Nach dem WM-Titelgewinn im Jahr 2007 ging es mit dem deutschen Handball auf der Ebene der Nationalmannschaft stetig bergab. Bei der WM 2009 wurde man noch Fünfter, zwei Jahre später reichte es in Schweden nur noch zu Platz elf. Und auch bei der EM - nach Platz vier im Jahr 2008 - platzierte sich die DHB-Auswahl vor zwei Jahren als Zehnter hinter den Erwartungen.

Mit Martin Heuberger wurde ein neuer Trainer engagiert, der die Mannschaft - in diversen Funktionen arbeitend - schon seit dem Jahr 2002 kennt. Zuletzt arbeitete er seit Ende 2004 als Co-Trainer unter Heiner Brand und soll nun für den dringend benötigten frischen Wind sorgen. Einen Umbruch konnte er in der kurzen Zeit natürlich nicht vollziehen und der war auch nicht gewünscht.

"Was soll man groß umbrechen?“, erklärte auch Pascal Hens gegenüber sportal.de. "Wir sind keine besonders alte Mannschaft und deswegen war auch nicht mit dem Umbruch zu rechnen. Natürlich waren die letzten Jahre im Hinblick auf die Ergebnisse nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber wir haben bei einzelnen Spielen auch gezeigt, was in uns steckt. Und das müssen wir einfach regelmäßig abrufen.“

"Davon träumt man als Kind"

Wie auch immer die Mannschaft bei der Europameisterschaft in Serbien abschneiden wird, der Platz in der Abschlusstabelle ist als nur zweitrangig zu betrachten. Denn primär geht es darum, einen von den zwei Plätzen zu erreichen, der die Teilnahme beim Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2012 in London bedeutet.

"Was wollen wir jetzt ein Ziel ausgeben und es an einer Platzierung festmachen, was hinterher vielleicht nicht dafür reicht, was wir erreichen wollen?“, macht Heuberger deutlich. "Es kann sein, dass du im Halbfinale stehst und um Platz drei oder vier spielst, hast aber dann das Pech, dass Russland gegen Polen das Finale bestreitet. Und dann bist du bei der Qualifikation für die Olympischen Spiele nicht dabei.“

Für Abwehrchef Oliver Roggisch kein denkbares Szenario, er will eine erneute Teilnahme bei den Spielen mit aller Macht sicherstellen: "Peking war eine Sensation für mich. Davon träumt man als Kind, und das versuche ich den Jungs auch zu vermitteln. Das ist eine unglaubliche Chance und davon kann man seinen Enkelkindern erzählen. Da kriege ich jetzt noch eine Gänsehaut.“

Zwölf Teams fahren nach London

Grundsätzlich ist zu sagen, dass zwölf Teams bei den Spielen in London um Medaillen kämpfen werden. Direkt qualifiziert sind bisher Weltmeister Frankreich, Gastgeber Großbritannien, Amerikameister Argentinien und Asienmeister Südkorea. Dazu gesellen sich noch der Europameister und der noch zu bestimmende Afrikameister.

Übrig bleiben also noch sechs Tickets. Und die werden bei den Ausscheidungsturnieren zwischen dem 06. und 08. April vergeben. Bei diesen Turnieren werden drei Vierergruppen gebildet und die ersten beiden Mannschaften einer jeden Gruppe fahren ebenfalls zu den Olympischen Spielen. Bei der EM in Serbien gibt es nun zwei Plätze für diese Ausscheidungsrunde zu gewinnen.

Zunächst einmal muss die Truppe von Heuberger die Vorrunde überstehen, um überhaupt eine Chance zu haben, einen der beiden Plätze ergattern zu können. Gegner in der Gruppe - insgesamt gibt es vier Gruppen - sind Schweden, Tschechien und Mazedonien. Die ersten drei Teams kommen weiter und finden sich in der Hauptrunde wieder, in der die zwölf Teams in zwei Gruppen a sechs Mannschaften aufgeteilt werden. Die Punkte aus der Vorrunde werden wie immer mitgenommen.

Gruppe A trifft auf Gruppe B

Deutschland spielt in der Gruppe B und trifft in der Hauptrunde dann auf die drei Bestplatzierten der Gruppe A, die sich aus den Mannschaften aus Polen, Serbien, Dänemark und der Slowakei generieren. Die besten Zwei dieser Hauptrunde qualifizieren sich dann für das Halbfinale. Doch so weit muss die deutsche Mannschaft nicht zwingend kommen, um ihr Ziel zu erreichen.

Die Rechnung ist ziemlich einfach, denn es gibt eine illustre Auswahl von Teams, die um eines der beiden Tickets kämpfen. Dabei handelt es sich um Polen, Gastgeber Serbien, die Slowakei, Tschechien, Mazedonien, Russland, Norwegen und Slowenien. Stehen zwei dieser Teams am Ende vor Deutschland, ist der Traum von London 2012 dahin.

Umso wichtiger ist das Eröffnungsspiel gegen die Tschechen und das Match gegen Mazedonien, den vermeintlichen Underdog. Mazedonien sollte in der Gruppe – wenn alles normal läuft – ausscheiden und zumindest ein Punkt gegen die Tschechen wäre wünschenswert und würde mit in die Hauptrunde genommen.

Ein schmaler Grat

Allerdings muss die DHB-Auswahl als eine Art Wundertüte angesehen werden. In der Vorbereitung gab es jeweils einen Sieg sowie eine Niederlage gegen Ungarn und die Mannschaft selbst ist sich im Klaren, dass die Leistungen bisher zu unkonstant abgerufen wurden. "An guten Tagen können wir alle Mannschaften schlagen, an schlechten aber auch gegen die anderen verlieren. Wir müssen uns eben bewusst sein, dass es ein schmaler Grat ist.“

Nach den angesprochenen Spielen gegen die Ungarn wurde deutlich, dass es auf einigen Positionen keine internationale Klasse im deutschen Team gibt. Daher will Martin Heuberger über das Kollektiv kommen. "Ich setzte sehr stark auf die Breite unseres Kaders. Wie haben einen sehr ausgeglichenen und gut besetzten Kader und für uns ist jeder Spieler wichtig – das weiß auch die Mannschaft. Und nur so kann es für uns funktionieren."

Der Auftakt gegen Tschechien ist dabei vielleicht schon als Vorentscheidung anzusehen. Denn als Gruppendritter besteht kaum Hoffnung darauf, vor Mannschaften wie eben den Tschechen oder auch Schweden, Norwegen sowie Gastgeber Serbien zu stehen. Und während die Tschechen mit Filip Jicha den vielleicht besten Spieler der Welt in ihren Reihen haben, muss bei den Deutschen das Kollektiv funktionieren. Vielleicht ist es dabei ein Vorteil, dass die Mannschaft nicht von einem Spieler abhängig ist.

So gibt es für das erste Spiel auch eine klare Marschroute: "Meiner Meinung nach ist Filip Jicha der beste Spieler der Welt. Aber die Tschechen haben noch andere gute Spieler und wir dürfen nicht den Fehler machen, nur auf Jicha zu schauen. Ihn müssen wir natürlich in den Griff kriegen, aber wenn er zehn Tore macht und der Rest auch nur zehn macht, wir dann 21:20 gewinnen, dann haben wir alles richtig gemacht", so Oliver Roggisch.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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