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Tennis: World Tour Finals - Wer gewinnt den Saisonabschluss?

Das Comeback von Roger Federer war eindrucksvoll, nach 10:0-Siegen in zwei Wochen gehört der Schweizer wieder zu den Topfavoriten beim Saisonfinale. Wir prüfen die Form aller Teilnehmer und sagen, wer den Titel gewinnen wird.

Zum dritten Mal findet das ATP-Finale in London statt. Im vergangenen Jahr siegte zum insgesamt fünften Mal Roger Federer, im Jahr davor gewann Nikolay Davydenko und ein Rafael Nadal konnte das Turnier noch nie gewinnen. Federer könnte sich mit einem Erfolg zum alleinigen Rekordsieger krönen, bisher teilt er diese Ehre mit Ivan Lendl und Pete Sampras.

Doch wie in den vergangenen Jahren auch kommt die Weltelite nicht in bester körperlicher Verfassung zu den World Tour Finals. Die Spieler stöhnen über zu viele Turniere und einen zu eng gestrickten Kalender. Einen Streik wird es nach Aussagen von Spielerrats-Präsident Federer in absehbarer Zeit zwar nicht geben, aber "die Saison ist einfach zu lang, das müssen wir ändern". Wir widmen uns wieder dem sportlichen Aspekt, erinnern an die Saison der acht Teilnehmer und wagen eine Vorhersage, wer den letzten großen Titel des Jahres gewinnen wird.

Gruppe A

Novak Djokovic

Bis zu den US Open war es eine nahezu makellose Saison von Novak Djokovic. Er siegte bei den Australian Open, in Wimbledon und dann auch in Flushing Meadows, auf dem Platz verlor der Djoker nur drei Matches. Doch im Moment steht Djokovic in der Kritik. Der von Schulterproblemen und der anstrengenden Saison geplagte Serbe trat beim Masters in Paris an, kassierte 1,6 Millionen Dollar Sonderprämie, die die ATP für einen Weltranglistenersten auslobt, der bei allen Grand Slam-Turnieren, sieben von acht Masters-Turnieren und den World Tour Finals teilnimmt. Vor dem Viertelfinale stieg Djokovic dann aus und muss mit der Kritik leben, nur des Geldes wegen angetreten zu sein. Der Vorwurf sei "lächerlich", ließ Djokovic in Paris verlauten. Im Streit um den womöglich zu vollen Terminkalender sammelte er aber keine Pluspunkte.

Rein sportlich wirkte er in Basel und Bercy nicht so souverän wie zuvor, die 0:6-Klatsche im dritten Satz gegen Kei Nishikori war allerdings auch den Schulterschmerzen geschuldet. Djokovics Spiel lebt von seiner Fitness und Dynamik und die wird er seit Paris nicht wieder zurückgewonnen haben. Der Weltranglistenerste schien zuletzt vor allem eines zu wollen: Eine Pause.

Prognose: Wenn Djokovic denn alle drei Spiele absolvieren kann, wird er sich trotzdem schon nach der Vorrunde verabschieden.

Andy Murray

Die Saison des Andy Murray muss in drei Etappen betrachtet werden. Da war zunächst die, wie er selbst sagt, "schreckliche" Drei-Satz-Pleite gegen Djokovic bei den Australian Open. "Nie hat es bei einer Niederlage länger gedauert, sie aus dem Kopf zu bekommen", sagte Murray in einer Art Saisonbilanz der Daily Mail. Es folgten weitere Niederlagen, eine gelungene Sandplatzsaison und ein goldener Herbst mit Turniersiegen in Cincinnati, Bangkok, Tokio und Shanghai.

Inwieweit tatsächlich der vor fünf Monaten begonnene Verzicht auf glutenhaltige Nahrung eine Rolle gespielt hat, ist schwer nachzuvollziehen, Murray selbst glaubt aber daran. "Die Diät hat mir mehr Energie gegeben", hat Murray laut blick.ch erzählt. In Paris verlor Murray zwar gegen Tomas Berdych, doch eine Bilanz von 27:2-Siegen seit Cincinnati macht den Briten – zumal vor heimischer Kulisse – zu einem der Topfavoriten.

Prognose: Andy Murray wird die Gruppe gewinnen, für den Turniersieg wird es aber nicht ganz reichen.

David Ferrer

Was wiegt höher, eine Halbfinalteilnahme bei den World Tour Finals oder ein Sieg für Spanien im Finale des Davis Cups? David Ferrer wird sich diese Frage vielleicht gar nicht stellen, aber im Hinterkopf könnte der große Saisonabschluss gegen Argentinien eine Rolle spielen. Denn auch für Ferrer war es eine lange Saison, bei seinen Niederlagen gegen John Isner in Paris und Juan Monaco in Valencia wirkte der extrem fitte Ferrer ein wenig überspielt.

Prognose: Für Ferrer kommt nach der Gruppenphase das Aus.

Tomas Berdych

Zum zweiten Mal in Folge ist Tomas Berdych unter den acht besten Tennisprofis vertreten. Dabei sorgte er selbst für die letzten fehlenden Punkte, als er in Paris seinen direkten Konkurrenten Janko Tipsarevic aus dem Turnier warf. Davon beflügelt siegte er in einem großartigen Match auch noch gegen Murray, um dann gegen Roger Federer chancenlos zu sein. Seinen einzigen Turniersieg feierte Berdych in Peking, trotzdem hielt er sich konstant das gesamte Jahr über in den Top Ten. Nach Paris fuhr er zur Erholung in die Heimat und ließ in tschechischen Medien verbreiten, er sei gut vorbereitet, auch seine physische Verfassung sei bedeutend besser als letztes Jahr – da reichte es in London nur zu einem Sieg in der Vorrunde gegen Andy Roddick.

Prognose: Der Tscheche wird die Gruppe als Zweiter abschließen, im Halbfinale ist dann aber Schluss.

Gruppe B

Rafael Nadal

Ist das Glas für einen Spieler wie Rafael Nadal nach drei Turniersiegen, aber auch sieben Final-Niederlagen halb voll oder doch eher halb leer? In diesem Jahr ist der Spanier nur der Sandplatz-König mit den Erfolgen in Roland Garros, Monaco und Barcelona. Auf den anderen Belägen stand ihm vor allem Novak Djokovic im Weg, im Herbst verlor er aber auch gegen Andy Murray, Mardy Fish und in Shanghai sogar gegen Florian Mayer.

In Anbetracht dessen, dass Nadal nach einer längeren Pause nicht sofort bei 100 Prozent ist, dürfte er es in London schwer haben. "Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber ich will zum Ende der Saison gut vorbereitet sein", erklärte Nadal seinen Paris-Verzicht. Dabei hatte er aber nicht nur an London, sondern auch an das Davis Cup-Finale gedacht.

Prognose: Nadal hat eine schwere Gruppe erwischt und wird sich schon nach drei Spielen verabschieden.

Roger Federer

Die Tennis-Welt ist sich uneins. Hat Roger Federer noch große Siege in sich oder ist die Zeit von König Roger vorbei? Es gibt für beide Thesen Anhaltspunkte, eine Antwort wird es in diesem Jahr aber nicht mehr geben. Zu angeschlagen ist die Konkurrenz und die World Tour Finals können nicht mit einem Grand Slam-Titel konkurrieren.

Aber nach all der Kritik nach Federers Aus bei den US Open zog der Schweizer die richtigen Konsequenzen, fasste für einige Wochen keinen Schläger an und stieg erst bei seinem Heimturnier in Basel wieder ein. "Ich hatte in diesem Jahr einige harte Niederlagen, aber ich habe immer geglaubt, dass das Jahr noch nicht vorbei ist", sagte Federer nach den beiden Erfolgen in Basel und Paris. Nach kurzen Startschwierigkeiten zeigte er dabei phasenweise wieder das Tennis, das ihn zu einem der größten Sportler auf dem Planeten gemacht hat. Eine zusätzliche Motivation ist sicherlich, dass Federer bei einem Sieg in London wieder Rang drei der Weltrangliste erklimmen kann.

Prognose: Die Pause war die richtige Entscheidung, Federer wird auch das Turnier in London gewinnen.

Jo-Wilfried Tsonga

Der Franzose kann in London völlig befreit aufspielen. Erstmals ist er am Ende der Saison unter den acht besten Profis zu finden, mit Rang sechs war Jo-Wilfried Tsonga niemals besser in der Weltrangliste platziert. Nach dem besten Jahr seiner Karriere könnten weitere Siege folgen, denn der Belag beim Saisonfinale liegt ihm, mit den Turniersiegen in Metz und Wien sowie dem Finaleinzug in Paris hat Tsonga seine glänzenden Hallen-Qualitäten im Herbst schon mehrmals unter Beweis gestellt.

Prognose: Tsonga sorgt für eine Überraschung und schaltet Nadal aus, im Halbfinale wartet dann ein zu starker Andy Murray.

Mardy Fish

Auch Mardy Fish gehört er zu den Vielspielern, dementsprechend angeschlagen war der Amerikaner in den vergangenen Wochen. Wegen einer Oberschenkelverletzung musste er sowohl in Basel als auch in Paris aufgeben, in London will er trotzdem in jedem Fall antreten. "Es ist nur ein Ziehen", sagte Fish laut tennisnet.com. "Ich werde definitiv in London spielen. Daran gibt es keinen Zweifel, auch wenn es ein Riss ist, werde ich spielen, oder es zumindest versuchen."

Bis zu den US Open war es – wie bei Tsonga – das beste Jahr in Fishs Karriere. Dann folgte aber ein Einbruch, auch wegen der Verletzungssorgen. Vor allem der Sommer mit dem Turniersieg in Atlanta und den starken Auftritten in Los Angeles, Cincinnati und Montreal haben Fish in die Weltspitze gespült. Ein Mann für die Zukunft ist der gute Freund von Andy Roddick mit seinen 29 Jahren aber nicht.

Prognose: Ohne Sieg wird das Turnier für Mardy Fish nach der Gruppenphase beendet sein.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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