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Tour de France: Deutscher Debütant im Gelben Trikot

T-Mobile-Fahrer und Tour-Debütant Linus Gerdemann hat die 197,5 Kilometer siebte Etappe von von Bourg-en-Bresse nach La Grand- Bornand gewonnen - und die Gesamtführung übernommen.

Nach zwei Jahren trägt mit Linus Gerdemann aus Münster erstmals wieder ein deutscher Radprofi das Gelbe Trikot bei der Tour de France. Der 24-jährige Youngster vom T- Mobile-Team wuchs auf der 7. Etappe nach Le Grand-Bornand in den Alpen über sich hinaus, holte sich im Alleingang nach 197,5 Kilometern den Etappensieg und damit die Führung im Gesamtklassement vom Schweizer Fabian Cancellara. Vor ihm hatte das Gelbe Trikot als letzter deutscher Profi 2005 Jens Voigt für einen Tag getragen, nachdem er es Lance Armstrong abgenommen hatte. Gerdemann führt jetzt mit 1:24 Minuten vor dem Spanier Inigo Landaluze, Andreas Klöden rangiert mit 3:39 Minuten Rückstand auf dem sechsten Platz.

Tour-Debütant Gerdemann, der als Vertreter des "neuen deutschen Radsports" gehandelt wird, hatte sich aus einer 15-köpfigen Spitzengruppe gelöst und 20 Kilometer vor dem Ziel auch noch den Kasachen Dimitri Fofonow abgeschüttelt. Bei seinem eindrucksvollen Solo den Col de la Colombière hoch wäre er einen Kilometer vor dem Gipfel fast zu Fall gekommen. Ein Motorrad hatte Gerdemann behindert und ihm kurzfristig den Rhythmus geraubt.

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte der Siegeszug Jan Ullrichs am 15. Juli 1997 mit seinem ersten Gelben Trikot in Andorra- Arcalis begonnen. Vor zwei Jahren hatte T-Mobile Gerdemann aus dem laufenden Vertrag bei CSC herausgekauft. Bei Bjarne Riis hatte der in Freiburg lebende Gerdemann auch Kontakt zu dem umstrittenen Mediziner Luigi Cecchini. Im Zuge der "Aufräumarbeiten" bei den Bonnern nach der Ullrich-Entlassung im Vorjahr musste Gerdemann die Zusammenarbeit mit dem Italiener aufgeben.

Die erste und leichteste der drei diesjährigen Alpen-Etappen wurde von Gerdemann und Fabian Wegmann geprägt. Die beiden Vertreter des deutschen Nachwuchses platzierten sich in einer 15-köpfigen Ausreißergruppe, die sich am ersten von vier Anstiegen des Tages gebildet hatte. Durch den Sieg beim ersten Zwischensprint hatte Gerdemann in der virtuellen Wertung um das Gelbe Trikot den Spanier José-Ivan Gutierrez, ebenfalls Mitglied der Ausreißergruppe, hinter sich gelassen. Das bedeutete: Gerdemann fuhr schon Stunden lang vor der Ankunft theoretisch in Gelb. Im Ziel durfte er es tatsächlich überstreifen und feierte den größten Tag seiner bisherigen Karriere.

Zeitweise hatten die Ausreißer, zu denen auch die bergerfahrenen Inigo Landaluze (Spanien) und der zweifache Giro-Gewinner Paolo Savoldelli (Italien) gehörten, über acht Minuten Vorsprung. Den letzten Anstieg 32 Kilometer vor dem Ziel, den 1618 Meter hohen Col de la Colombière, nahmen sie mit 5:17 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld in Angriff. An deren Spitze machte vor allem das dänische CSC-Team um Spitzenreiter Cancellara, Carlos Sastre und Frank Schleck Tempo. Der Schweizer fiel aber bald zurück und verabschiedete sich endgültig von seinem Gelben Trikot.

Mit diesen Scharmützeln hatten die durch ihre schweren Stürze angeschlagenen Andreas Klöden und Alexander Winokurow vom Astana-Team wenig zu tun. Sie erreichten zusammen mit dem ersten großen Verfolgerfeld das Ziel. Das Fahren verursacht Schmerzen und der Wiegetritt am Berg ist fast unmöglich: Klöden leidet und schweigt. Über seine Internetseite hatte der Wahl-Schweizer zusammenfassend dieses kurze Bulletin nach seiner Steißbein-Verletzung gegeben, die er sich am Donnerstag zuzog. Prognosen für die kommenden Tage sind laut Klöden, der nicht direkt mit der Presse kommuniziert, nicht zu stellen. "Es ging besser als am Vortag", sagte Winokurow knapp.

"Von einem solchen Erfolg habe ich nicht zu träumen gewagt. Es ist ein Sieg für das ganze Team. Gerdemann ist einer der am meisten getesteten Fahrer und er gibt uns Hoffnung. Aber erst etwas später werden wir wissen, ob wir wirklich von einem Neuanfang der Tour sprechen können", sagte T-Mobile-Team-Manager Bob Stapleton nach dem Gerdemann-Triumph in den Alpen. Der Amerikaner steht für einen kompromisslosen Anti-Doping-Kampf und den Neubeginn des Bonner Teams.

Andreas Zellmer und Esteban Engel/DPA / DPA

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