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Wintersport: Der sportal.de Après-Ski - Die Geschichten der Saison

Wann immer die kalte Jahreszeit ad acta gelegt werden kann, verabschieden sich die Wintersportler in ihre Pause. Magdalena Neuner ist sogar Privatier und Lindsey Vonn hat mal wieder den Gesamtweltcup gewonnen. Wer aber den schönsten BH hat, wie Marokko Gold gewann und wessen perverse Idee für Unruhe sorgte, erfahren Sie hier.

Dass Magdalena Neuner im Alter von 25 Jahren ihre Ski an den Nagel gehängt hat, ist keine große Neuigkeit mehr. Auch der Erfolg im alpinen Gesamtweltcup von Lindsey Vonn ist nicht zwingend die Nachricht, mit der man die Anhänger der Wintersport-Szene groß schockieren kann. Ganz zu schweigen vor der anhaltenden Dominanz der Deutschen im Rodeln.

Die wahren Geschichten spielten sich – wie eigentlich fast immer – abseits der Pisten und Rennbahnen ab. Daher nehmen wir eine perverse Idee unter die Lupe, verraten, warum das Thema Unterwäsche in diesem Winter für Erheiterung gesorgt hat und in welcher Disziplin sich Marokko eine Gold-Medaille sichern konnte.

Eingeheiratete Schneeliebe

So manche Karriere startet erst spät und Jaqueline Mourao hätte sich bis zu ihrem 27. Geburtstag sicherlich nicht träumen lassen, einmal aktiv Wintersport zu betreiben. Warum auch? Sie hatte noch nie in ihrem Leben Schnee gesehen. Dann traf die Brasilianerin ihren Mann. "Er ist Kanadier. Und wenn in Kanada ein Schneesturm kommt, kann ich nicht mit dem Rad fahren. Da hat er mich auf die Ski gestellt und ich fand es toll.“

Als Ein-Frau-Team war sie nun auf den Loipen von Ruhpolding unterwegs - und genoss ihre Rolle als Exotin. "Die Atmosphäre hier ist einmalig. Bei der Eröffnung konnte ich sogar ein Foto von meinem Sohn mit Magdalena Neuner machen." Vom Mountainbike fand sie den Weg auf die Langlauf-Ski, wurde nach Vancouver 2010 allerdings schwanger. Als sie so nicht mehr laufen konnte, schnappte sie sich eine Waffe und fand Spaß am Schießen. Im Biathlon-Sprint von Ruhpolding wurde sie beim Sieg von Neuner 108.

Aber womit denn, liebe EU?

Spaß am Schießen haben im Prinzip auch die Weißrussen – und das ist in diesem Falle nicht politisch gemeint. Im Vorfeld der WM ergab sich jedoch ein prekäres Problem für die Athleten unter der Führung des deutschen Trainers Klaus Siebert. Denn es gab keine Munition mehr für die Biathleten. Die EU hatte ein Embargo aus Protest gegen das brutale Vorgehen des autoritären Präsidenten Alexander Lukashenko gegen die weißrussische Opposition verhängt.

"Es ist unverständlich, wenn sich der Sport in die Politik einmischt", sagte Siebert. Da auch infrage stand, ob der Gewehrhersteller künftig Waffen an die Weißrussen liefern könne oder sie reparieren dürfe, wusste der Coach nicht, wie es weitergeht. Letztendlich konnte die Mannschaft um Darya Domracheva aber an den Start gehen.

Die gute alte Bumerangferse

Viele Dinge kann man sich stricken, Munition gehört aber nicht dazu – wobei die Vorstellung schon interessant ist. Die deutschen Biathletinnen haben dieses Handwerk, also das reine Stricken, zu ihrem Team-Hobby gemacht – bis auf Franziska Hildebrand. "Ich weiß zwar auch schon, was eine Bumerangferse ist, aber ich stricke nicht", erzählt die 24-Jährige.

Während ihre Zimmerkollegin Magdalena Neuner gar eine eigene Internetseite mit Strickanleitungen hat und auch Miriam Gössner und Tina Bachmann große Handarbeit-Fans sind, kann sie dem nichts abgewinnen: "Das ist nichts für mich."

Picasso des Abfahrtsrennsports

Ein ganz anderes Hobby hat Bernhard Russi. Der Schweizer konzipiert alpine Ski-Pisten und auf seinem Briefkopf stehen Strecken wie die "Bird of Prey" in Beaver Creek oder "La face de Bellevarde" in Val d'Isère. Auch die olympische Piste in Sochi entstammt seiner Feder. Vor sechs Jahren marschierte Russi erstmals ins kaukasische "Gestrüpp" und entwarf bei rund 20 Besuchen im Wald die Strecke.

"Es ist schon lässig, so einen Job zu machen", sagte der 63-Jährige, dem das französische Idol Jean-Claude Killy den Spitznamen "Picasso des Abfahrtsrennsports" gab. In Russland fand seine Arbeit nun unter besonderen Voraussetzungen statt. "Du bist immer abhängig von den Übersetzungen", berichtete Russi, "das spezielle Problem ist, dass du nicht nur die Sprache, sondern auch die Philosophie übersetzen musst."

Die Unterwäsche-Possé

Die Athleten werden bei den Olympischen Spielen 2014 in jenem Sochi sicherlich warme Unterwäsche benötigen. Und wir erinnern uns, Unterwäsche ….., da war doch was. Genau, denn Tina Maze hatte ihre ganz eigene Meinung zum Höschen-Zoff, wie der Boulevard geschrieben hatte. In Bad Kleinkirchheim war sie auf Rang zwei gefahren und musste nach einem Protest ihre Unterwäsche prüfen lassen.

Es ging um den Vorwurf der geringen Luftdurchlässigkeit und einer angeblichen Beschichtung aus Plastik. Ein richtiges Urteil wurde nicht gefällt, die FIS lieferte eine eher undurchsichtige Erklärung. Maze reagierte auf ihre Art. Nach dem folgenden Rennen öffnete sie ihren Rennanzug und zeigte ihren BH: "Not Your Business" stand darauf geschrieben.

Eine perverse Idee

Sehr konservative Menschen würden dieses Manöver der Frau Maze eventuell als pervers bezeichnen und mit einem gelungenen Delling sind wir wieder im Thema. Denn DOSB-Präsident Thomas Bach hatte sich im Verlauf des Winters furchtbar echauffiert – Grund dafür war der Tonga-Rodler Fuahea Semi.

"Ich halte das für eine perverse Marketing-Idee", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes bei der Rodel-WM in Altenberg dem ARD-Hörfunk. "Ich halte es für ziemlich geschmacklos, den Namen zu wechseln für einen Sponsor." Was war passiert? Semi hatte den Namen des Unterwäsche-Herstellers Bruno Banani angenommen und ging so auch an den Start.

Exot mit eigenem Namen

Medaillengewinner aus Tonga sind eben so selten, wie Sieger aus Marokko. Doch die Nordafrikaner können mittlerweile den ersten Winter-Olympiasieg feiern. Adam Lamhamedi gewann bei den 1. Jugend-Spielen den Super-G. Die Schlagzeile "Afrika erobert den Patscherkofel" hatte nur einen kleinen Makel, denn der 16-Jährige wurde in Kanada geboren und entschied sich erst im Juni 2011, für das Geburtsland seines Vaters zu starten. Nicht mehr ganz so spektakulär, aber irgendwie doch schon.

Oh wie schön …..

ist natürlich Panama. Und vielleicht ist der kleine Staat in Mittelamerika bald, wie auch Marokko, um eine olympische Medaille reicher – im Bob. Allerdings sind Trainingsmöglichkeiten rar, und da der Panamakanal nicht zufriert, fehlt es an einer richtig spektakulären Strecke. Das ist aber kein Grund, um Trübsal zu blasen.

Wie die Kollegen aus Jamaika es vorgemacht haben, soll der Traum von den Spielen wahr werden. Unter dem Motto "Spirit of Panama“ hat Christoph Zollinger – ein Schweizer Anwalt mit panamaischer Staatsbürgerschaft - das Projekt in Angriff genommen. Es gab Talentscouting und eine Casting Show im TV – an dem sogar Special Forces der Polizei teilnahmen.

Jonathan Romero, Eduardo Fonseca, Andreas Rodriguez und Arsenio Caballero bilden die ehrgeizige Crew, die mittlerweile schon erste Rennerfahrung gesammelt hat. Wir wünschen an dieser Stelle viel Glück und hoffentlich – falls es denn so kommen sollte – erweisen sie sich als bessere Verlierer als ...

Verlieren ist doof

Petter Northug. Denn der Norweger ist da ein sehr schlechtes Beispiel. Der überragende Langläufer ist definitiv eine Koryphäe in diesem Sport, hat aber auch so seine Allüren, die ihn nicht überall auf freundlich gesonnene Mitmenschen stoßen lassen. Kollege Ahrens schrieb bereits von seinem Hang zur Überheblichkeit...

Wie dem auch sei, bei der Siegerehrung beim Weltcup in La Clusaz kam es zum Eklat. Er akzeptierte seine Niederlage im Zielsprint des Massenstartrennens gegen den Russen Maxim Vylegzhanin nicht und erschien nicht pünktlich auf dem Podest zur Siegerehrung. Diese Unsportlichkeit ahndete der Weltverband FIS mit einer Kürzung des Preisgeldes um 782 Euro auf 7820 Euro.

Die Besten trinken aus

Um so eine Situation zu vermeiden, greift Beat Feuz hier und da zu feuchten Tricks. Ob er ein schlechter Verlierer ist, wurde somit noch nie überliefert. Um die Große Kristallkugel bei den alpinen Herren noch gewinnen zu können, packte er sechs Rennen vor Ende der Saison kurzerhand einige Kisten Pils in seinen Rucksack.

Denn Kollege Marcel Hirscher führte in der Abrechnung und Feuz wollte sich nicht ganz auf seine eigene Stärke verlassen. "Ich werde jedem Fahrer, der sich in Slowenien vor Hirscher platziert, ein Bier spendieren", erklärte der Schweizer. Damit reagierte er auch auf die Offerte von Hirscher, der zuvor ebenfalls mit dem Gerstensaft bestochen hatte.

Vom Hirscher zum Hirsch

Wo ein Hirscher ist, da kann der Hirsch nicht weit sein. Marc Gisin hätte sich zwar lieber ein Bier vom Hirscher genommen, musste jedoch mit einem Hirsch in Fleisch und Blut vorlieb nehmen. Bei einer Trainingsfahrt im kanadischen Nakiska nahm der 23-Jährige Kurs auf ein Richtungstor, als von der rechten Seite ein Hirsch auf ihn zupreschte.

"Weil es an dieser Stelle relativ flach ist, betrug mein Tempo zum Glück nicht viel mehr als 65 km/h. So blieb mir noch genug Zeit, um richtig zu reagieren", erklärte der verdutze Rennfahrer auf salzburg24.at. "Ich schätze, dass das Viech in meiner Gewichtsklasse angesiedelt ist, also mehr als 100 Kilo wiegt. Darum weiß ich, dass ich bei einem Zusammenprall ganz sicher nicht gut ausgesehen hätte.“

Servus und Good bye

Zum Abschluss widmen wir uns dem scheidenden Didier Cuche, der ein ganz besonderes letztes Rennen absolvierte und dabei definitiv gut aussah. Beim Riesenslalom von Schladming gab er nach mehr als 18 Jahren seinen Ausstand und schnallte sich beim zweiten Lauf antiquierte Holzbretter unter die Füße. Zudem trug er eine Mütze, einen Rucksack und eine schicke Kniebundhose. Nach Magdalena Neuner eine weitere Persönlichkeit, die ihre Karriere beendet. Doch freuen wir uns auf die nächste Saison und weiteren schöne Geschichten.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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