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DaimlerChrysler: Smart-Chef soll Mitsubishi-Sanierung vollenden

DaimlerChrysler drückt bei der Sanierung des angeschlagenen japanischen Autobauers Mitsubishi aufs Tempo. Der Stuttgarter Autobauer schickt den erfolgreichen Smart-Chef Renschler nach Japan.

DaimlerChrysler drückt bei der Sanierung des angeschlagenen japanischen Autobauers Mitsubishi aufs Tempo und schickt deshalb den Chef des Tochterunternehmens Smart, Andreas Renschler, zu Mitsubishi. Offen blieb am Montag, ob Renschler den Chefposten bei Mitsubishi übernehmen soll. DaimlerChrysler ist an dem japanischen Autobauer zu 37 Prozent beteiligt.

Projekt bis Ende April

In einem Brief an die Smart-Mitarbeiter schrieb Renschler, er sei beauftragt worden, im Rahmen der weiteren strategischen Entwicklung von DaimlerChrysler ein bis Ende April befristetes Projekt zu leiten. "Ziel ist es, mit einem Business Plan für Mitsubishi die künftige Rolle unseres strategischen Allianzpartners auszuarbeiten." Dies habe zur Folge, dass er in den nächsten Wochen viel Zeit in Japan verbringen werde. Zu Medienberichten, dass er Mitsubishi-Chef Rolf Eckrodt ersetzen soll, nahm Renschler in dem Brief keine Stellung. Ein Unternehmenssprecher lehnte am Montag in Stuttgart ebenfalls eine Auskunft dazu ab.

Sehnsucht nach positiven Ergebnissen

Vorstandschef Jürgen Schrempp hatte auf der Bilanzpressekonferenz am vergangenen Donnerstag erklärt, dieser Geschäftsplan solle die Aktivitäten des japanischen Herstellers auf eine solide finanzielle Basis stellen, die Produktoffensive vorantreiben und wieder positive Ergebnisse ermöglichen.

Verluste steigen

Die DaimlerChrysler-Tochter Mitsubishi Motors wird ihr Geschäftsjahr 2003/2004 nach eigenen Angaben mit einem deutlich höheren Verlust abschließen als zunächst erwartet. Angesichts einer schwachen Entwicklung auf dem nordamerikanischen Automarkt werde mit einem Nettoverlust von 72 Milliarden Yen (rund 530 Millionen Euro) gerechnet, hatte der japanische Konzern vergangene Woche erklärt. In der Vergangenheit hatte der Autobauer noch mit einem Minus von 11 Milliarden Yen für das im März endende Geschäftsjahr gerechnet. Der Umsatz verringerte sich im Zeitraum Oktober bis Dezember auf 625 Milliarden Yen, nach 638 Milliarden im Vorjahr.

Eckrodt-Rückzug?

In Unternehmenskreisen wurde inzwischen ein Rückzug von Eckrodt von der Firmenspitze nicht mehr ausgeschlossen. Er war vor drei Jahren von Deutschland nach Japan zur Mitsubishi-Sanierung entsandt worden.

Mehr gemeinsame Entwicklungen

Mitsubishi und Smart arbeiten seit längerer Zeit intensiv zusammen. Ein Ergebnis ist der viersitzige Smart forfour. Das Auto wurde in nur 33 Monaten entwickelt. Von dem Kleinwagen müssen früheren Angaben zufolge pro Jahr 80.000 Einheiten ausgeliefert werden, damit die Gewinnschwelle erreicht wird. Die Benzin-Motoren werden im thüringischen Kölleda gefertigt. Das Auto läuft im niederländischen Born vom Band. Die gemeinsame Entwicklung von Smart und Mitsubishi besteht den Angaben zufolge aus einem wertmäßigen Gleichteileanteil von 60 Prozent. Auf Teile-Ebene gebe es insgesamt 40 Prozent Gleichteile. Das Modell des japanische Autobauers unterscheidet sich in Design und Konzept vollständig von dem Fahrzeug von Smart.

Smart ab 2006 mit schwarzen Zahlen

Smart wollte eigentlich schon in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Weil jedoch die Entwicklungskosten für den forfour in die Bilanz mit einbezogen werden mussten, wird der Kleinwagenbauer erst ab 2006 auch offiziell schwarze Zahlen schreiben, wie ein Sprecher berichtete.

DPA