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Interview

Carsten Maschmeyer: Haben Sie noch Spaß an der "Höhle der Löwen", Herr Maschmeyer?

Er ist TV-Investor in der "Höhle der Löwen" und bald auch noch mit eigener Gründershow unterwegs. Carsten Maschmeyer spricht über seine Beliebtheitswerte, schlechte Testergebnisse und warum er jetzt nicht zum Dieter Bohlen der Start-up-Szene wird.

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

Herr , die vierte Staffel "Die Höhle der Löwen" geht zu Ende, die zweite mit Ihnen als Investor. Wir haben unsere Leser in einer Online-Abstimmung gefragt, wer ihr Lieblingslöwe ist - Sie liegen mit sieben Prozent auf dem letzten Platz. Ärgert Sie das?

Es gibt genügend aktuelle Umfragen, wo andere Ergebnisse rauskommen. Außerdem sind die Zuschauerzahlen, seit Ralf Dümmel und ich dabei sind, deutlich angestiegen. So schlimm kann's also nicht sein (lacht). Sonst wäre Sat.1 auch nicht auf mich zugekommen und würde jetzt eine zusätzliche Startup-Sendung mit mir alleine machen. Aber darum geht's auch nicht. Denn viel entscheidender ist, ob die Gründer mit mir als Investor zufrieden sind. Und das nicht nur am Tag des Handschlags bei der Aufzeichnung, sondern auch nach einem oder nach fünf Jahren der engen Zusammenarbeit und der Unterstützung. Daher freue ich mich sehr, dass ich in einem Ranking des Wirtschaftsmagazins Bilanz auf Rang vier der beliebtesten deutschen Investoren liege, hinter , Hasso Plattner und Dietmar Hopp. 

Auch in der nächsten Staffel der "Höhle der Löwen" werden Sie dabei sein. Sie haben den Spaß daran also noch nicht verloren?

Im Gegenteil: Ich bin in der "Höhle der Löwen", weil ich das Gründertum unterstützen will und weil es mir Freude macht, die jungen Menschen mit Kapital, Netzwerk und Vertriebsknowhow zu unterstützen. Deswegen ist es völlig logisch, diese Investorenaufgabe im fortzusetzen. Und wir Löwen freuen uns alle über immer neue Einschaltrekordquoten. Deswegen ist es toll, dass alle Löwen auch in der nächsten Staffel weitermachen.

Sie sitzen aber nicht nur aus selbstlosen Gründen in der Sendung.

Stimmt; bevor ich in die "Höhle der Löwen" gegangen bin, habe ich als Investor entschieden, dass ich nicht mehr nur Millionenbeträge in Startups in späteren Wachstumsphasen stecke, sondern auch junge Unternehmen in einer frühen Phase finanziere. Das hat durch die Sendung jedes neue Startup-Team mitbekommen, so dass sich auch außerhalb der Sendung sehr viele Gründer mit Pitchdecks bei mir melden. Dies will ich in Zukunft gerne intensivieren. Daher ist mein Ziel: Ich möchte, dass jedes Gründerteam in meinen Frühphasenfinanzierer seed & speed und mich kennen und wir noch eher und noch bessere Innovationen angeboten bekommen.

Welches war Ihr Lieblings-Investment in der aktuellen DHDL-Staffel?

Mein wichtigstes Investment war sicherlich ReMode, was ich mit Dagmar Wöhrl zusammen gemacht habe. Da hat eine Mutter für ihre Tochter ein Gerät entwickelt, das sie nach einem Schlaganfall aus dem Rollstuhl herausholt. Mit Mutterliebe und Willenskraft hat sie mehr erreicht als die hochstudierten Wissenschaftler. Den beiden Damen musste ich helfen. Es ist ein Projekt des Herzens.

Und aus kommerzieller Sicht?

Aus kommerzieller Sicht wird Parodont wohl das erfolgreichste Investment. Entwickelt hat es ein Berliner Zahnarzt, der bis zur Ausstrahlung der Löwen-Sendung von seinem Gel gegen Parodontitis 25.000 Tuben verkauft hatte. Zwei Tage nach der Ausstrahlung des Pitches waren alle vorproduzierten 570.000 Tuben restlos ausverkauft – und bis jetzt gibt es weitere 2,6 Millionen Bestellungen. Ich bewundere den Mut, wie er sich traut, den Pharma-Giganten mit einer neuen Innovation die Stirn zu bieten. 

Gemeinsam mit Ralf Dümmel haben Sie noch in ein zweites Zahnpflege-Start-up investiert, in "Happy Brush". Deren elektrische Schallzahnbürste landete aber bei Stiftung Warentest auf dem letzten Platz. Hat Sie Ihr Investoren-Näschen da im Stich gelassen?

Nein, denn bei dem Test, den Sie erwähnen, wurde ein Vorläufermodell getestet und nicht das neue Modell, das nach der Höhle der Löwen in den Handel kam. Entscheidend ist, dass das neue Modell super aussieht und eine hohe Qualität hat. Daher bin ich überzeugt, dass das Produkt eine gute Chance hat. Außerdem finde ich es toll, dass auch die Junggründer von "Happy Brush" keine Angst haben, in den Wettbewerb mit den großen Konzernen zu gehen.

Sie haben mal gesagt, Sie suchen vor allem nach außergewöhnlichen Ideen, die "Life Changing" sind. Bei "Too Good to Go", der App gegen Lebensmittelverschwendung, oder dem Eball aus der Staffel davor, versprachen die Löwen jeweils gemeinsam eine Million Euro - doch beide Deals scheiterten im Nachhinein. Ist "Die Höhle der Löwen" der falsche Rahmen für so große Ideen?

Nein. Den Eball-Deal haben zumindest Ralf Dümmel und ich noch sehr lange vorangetrieben. Uns standen aber letztlich die Patente von Mitbewerbern im Weg, so etwas verhindert dann leider ein Investment. Bei "Too Good to Go" war es so, dass wir direkt nach der Sendung erfuhren, dass die Gründer aus der Geschäftsführung aussteigen wollen und ihnen u.a. die britische Tochtergesellschaft nicht mehr richtig gehört. Das ist für mich ein Wegfall der Geschäftsgrundlage. Denn der Handschlag in der "Höhle der Löwen" erfolgt immer vorbehaltlich der Überprüfung der Fakten. Und die müssen tatsächlich stimmen. Auch wollten sie nicht mehr alle Löwen als Investoren, sondern nur noch mich. Aber selbstverständlich bin ich meinen Kollegen nicht in den Rücken gefallen.

Im kommenden Jahr geht es nicht nur mit "Die Höhle der Löwen" weiter. Sie starten mit "Start-up - wer wird Deutschlands bester Gründer?" noch eine zweite Gründershow. Der Titel klingt ein bisschen nach "Deutschland sucht den Superstar". Sind Sie auf dem Weg zum Dieter Bohlen der Start-up-Szene?

Was für schräger ein Vergleich! Im Unterschied zu "Die Höhle der Löwen" wird bei "Start Up – wer wird Deutschlands bester Gründer" nicht ein fertiges Produkt eine Stunde lang bewertet und dann sofort entschieden, ob und mit wem ein Deal zustande kommt. Sondern es wird eine Idee über zwei Monate bis zum Prototyp kontinuierlich vorangebracht. Ich betreue die Gründer während der ganzen gemeinsamen Zeit und arbeite mit ihnen als Coach und als Mentor. Ich treffe Menschen, die eine Idee haben, und Woche für Woche entwickeln wir diese weiter. So etwas konnte bisher kein Zuschauer im deutschen Fernsehen mitverfolgen.

Was ist der Unterschied zur "Höhle der Löwen" - außer, dass Sie der einzige Investor sind?

In die "Höhle der Löwen" kommen Gründer-Teams mit fertigen Produkten, die schon Umsätze machen und Kunden haben. In der neuen Sendung geht es um die spannende Zeitphase davor. Die Bewerber haben nur eine Idee, da gibt es keinen Rohling, keinen Businessplan und kein Gründerteam. Wir bringen die Erfinder z.B. mit Werbeprofis zusammen, mit Patentanwälten oder Lebensmittelchemikern. Die Zuschauer können zusehen, wie die Kandidaten Herstellungskosten und Produktpreise kalkulieren oder sich Name und Logo ihrer Firma ausdenken. Wenn die Erfolgssendung "Höhle der Löwen" eine Gründer-Schule ist, ist die neue Sendung die Vorstufe davon, so etwas – um im Sprachbild zu bleiben – wie die Vorschule.

2000 Menschen haben sich dafür bei Ihnen beworben. Am Ende bekommt ein Gründer eine Million Euro, die anderen gehen leer aus. Wonach entscheiden sie? Welche Idee sich am besten vermarkten lässt oder welche Nase Ihnen am sympathischsten ist…? 

Jeder Investor träumt davon, ein erstklassiges Produkt und einen erstklassigen Gründer zu haben. Aber wenn es diese Ideal-Kombination nicht gibt, sage ich: Person vor Produkt. Der Gründer, bei dem ich das Gefühl habe, dass sich nicht nur seine Idee, sondern auch er als Gründer sich am besten entwickelt hat, wird der oder die Siegerin sein.