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Handelszone: USA vor Freihandelsvertrag mit Mittelamerika

Von NAFTA zu CAFTA: Die Nordamerikanische Freihandelszone, zu der sich die USA, Mexiko und Kanada vor fast zehn Jahren zusammengeschlossen haben, wird größer.

Das Projekt ist in der Region nicht unumstritten, aber in Zeiten der Globalisierung ist es ein logischer Schritt:. Die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA), zu der sich die USA, Mexiko und Kanada vor fast zehn Jahren zusammengeschlossen haben, wird größer. Gegenwärtig laufen zwischen Washington und den Regierungen von Guatemala, Honduras, El Salvador, Costa Rica und Nicaragua intensive Verhandlungen über ein Zentralamerikanisches Freihandelsabkommens (CAFTA), das noch vor Jahresende unterzeichnet werden soll. Die USA kommen damit ihrem Ziel einer gesamtamerikanischen Freihandelszone ein Stück näher.

Angst vor ruinösen US-Agrar-Exporten

Mehrere tausend Menschen demonstrierten in der vorigen Woche in Nicaraguas Hauptstadt Managua, als sich dort die Unterhändler der sechs Länder zur siebten Verhandlungsrunde zusammenfanden. Größte Furcht der CAFTA-Gegner ist, dass subventionierte Agrarexporte aus den USA die heimischen Bauern ruinieren werden. Die mittelamerikanischen Regierungen erwarten dagegen von CAFTA bessere Exportchancen für ihre Lohnveredelungsindustrie und als Folge dessen mehr Auslandsinvestitionen und Arbeitsplätze. Die bisher schon von Unternehmern aus den USA, Südkorea oder Taiwan in Mittelamerika errichteten Textilfabriken sind in den früher fast ausschließlich vom Export von Kaffee, Bananen und Zucker lebenden Ländern zu einem wichtigen Devisenbringer geworden.

Keine rein positive Bilanz nach zehn NAFTA-Jahren

Freihandelsabkommen zwischen wirtschaftlich so ungleichen Partnern wie den USA und den mittelamerikanischen Staaten sind international nicht unumstritten. Nach dem Scheitern der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancún Mitte September warnte Bundeslandswirtschaftsministerin Renate Künast vor einem "Wildwuchs bilateraler Abkommen", und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sprach von einer "Tendenz, die nicht zu Gunsten der schwächsten Länder der Welt geht". Auch die Bilanz von zehn Jahren NAFTA ist nicht eindeutig positiv. Zwar verbucht Mexiko gegenüber den USA einen hohen Handelsbilanzüberschuss, doch viele Bauern wurden durch subventionierten Importmais aus dem Norden ruiniert.

USA setzen stärker auf bilatere Abkommen

Nach dem Scheitern der WTO-Konferenz wollen die USA ihrem Handelsbeauftragten Robert Zoellick zufolge künftig noch stärker auf bilaterale Abkommen setzen. Entsprechend drücken sie bei CAFTA aufs Tempo und haben den Mittelamerikanern bereits unmissverständlich klar gemacht, dass ihre Unterhändler im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung stünden. Strittige Punkte waren zuletzt unter anderem noch die Frage der Qualitätsnormen für in Mittelamerika gefertigte Textilien sowie das Dauerthema Agrarsubventionen.

CAFTA attraktiver für ausländische Investoren

Schon jetzt exportieren die USA in die fünf Länder jedes Jahr Waren im Wert von neun Milliarden Dollar und importieren für elf Milliarden Dollar. Nach Ansicht von Johannes Hauser, Geschäftsführer der in Guatemala-Stadt ansässigen Deutsch-Zentralamerikanischen Handelskammer, wird Mittelamerika als einheitlicher Wirtschaftsraum für ausländische Investoren künftig attraktiver. Als Konsequenz von CAFTA müssten die Länder jetzt endlich auch mit der Zollunion untereinander Ernst machen. "Bisher ist es viel schwerer und teurer, ein Produkt von Honduras nach Guatemala zu verschicken als von Mexiko in die USA", sagt Hauser.