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Energiekosten So widersprechen Sie der Gaspreis-Erhöhung


Jeder zweite Gasversorger hat in diesem Herbst den Preis erhöht - um 10 Prozent und mehr. Verbraucherschützer raten, nur unter Vorbehalt zu zahlen.
Von Peter Neitzsch

Dieser Winter wird für viele Deutsche besonders teuer: Zahlreiche Gasanbieter haben zu Beginn der Heizsaison ihre Preise kräftig erhöht. Einer Erhebung des Verbraucherportals Toptarif.de zufolge verlangen 212 Anbieter im Oktober mehr als im Vormonat. Seit August hat somit mehr als die Hälfte der rund 700 örtlichen Grundversorger den Preis hochgesetzt. 40 weitere wollen im November nachziehen.

Im Durchschnitt müssen die betroffenen Haushalte zwischen zehn und elf Prozent mehr für ihr Gas zahlen als bisher. Auf einen vierköpfigen Musterhaushalt kommen so Mehrkosten von rund 141 Euro zu. Dabei ist es durchaus umstritten, ob die aktuellen Preiserhöhungen rechtens sind.

"Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Prozesse wegen Gaspreiserhöhungen angestrengt", sagt Bettina Dittrich von der Verbraucherzentrale Sachsen. Derzeit sind zwei Verfahren beim europäischen Gerichtshof (EuGH) anhängig, in denen geklärt werden soll, ob das einseitige Preisanpassungsrecht der Gasversorger in Deutschland nach EU-Richtlinien zulässig ist.

"Verbraucher, die mit einer Preiserhöhung konfrontiert sind, sollten unter Bezugnahme auf das ausstehende Gerichtsurteil vorsorglich Widerspruch einlegen und nur unter Vorbehalt zahlen", rät Dittrich. Im Kern geht es vor dem EuGH um zwei Fragen: Sind die deutschen Regeln für Preiserhöhungen durch die Grundversorger transparent genug. Und: Dürfen diese Regeln einfach als Klauseln in die Tarifverträge für Sondervertragskunden übernommen werden.

Beide Fragen sind dem EuGH vom Bundesgerichtshof (BGH) zur Klärung vorgelegt worden. Bei einem Widerspruch müssen Verbraucher sich daher auf die entsprechenden BGH-Aktenzeichen beziehen: Beschluss vom 9.2. 2011 (VIII ZR 162/09) und Beschluss vom 18.5. 2011 (VIII ZR 71/10). Ein allgemeines Widerspruchsschreiben stellt die Verbraucherzentrale NRW auf ihrer Seite zum Download zur Verfügung (PDF). Nur wer der Erhöhung widerspricht, hat unter Umständen die Möglichkeit, später sein Geld zurückzufordern. Alternativ rät Verbraucherschützerin Dittrich zum Wechsel in einen günstigeren Tarif.

Ein Tarifwechsel spart durchschnittlich 248 Euro

"Die beste Möglichkeit, sich wirksam gegen steigende Preise zur Wehr zu setzen, ist die Wahl eines neuen und günstigeren Gasanbieters", sagt auch Daniel Dodt von Toptarif. "Vielerorts stehen zahlreiche Wettbewerber zur Auswahl, die ihr Gas günstiger anbieten als die heimischen Stadtwerke." In vielen Regionen gebe es mittlerweile über 50 alternative Wettbewerber. Die Grundversorger würden preislich lediglich im Mittelfeld rangieren und nur bedingt konkurrenzfähige Tarife anbieten.

Ein Preisvergleich der 100 größten deutschen Städte zeigt: Von einem Wechsel können Verbraucher vielerorts erheblich profitieren. Die günstigsten Wettbewerber, ohne Vorauskasse- und Kautionsmodelle, sind im Durchschnitt rund 19 Prozent billiger als die preiswertesten Angebote der Stadtwerke. "Eine vierköpfige Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas kann bereits im ersten Jahr im Schnitt 248 Euro gegenüber dem örtlichen Versorger sparen", so Dodt.

Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den Städten: Vergleichsweise günstig sind die örtlichen Grundversorger unter anderem in Hamburg, Frankfurt, Bremen, Leipzig und Dresden. Mitunter reicht es daher bereits aus, beim Grundversorger einen neuen Tarif zu wählen. Häufig haben die lokalen Versorger neben den teuren Basistarifen auch günstigere Produkte im Angebot. In anderen Städten schaffen es die besten Tarife der Grundversorger dagegen nicht einmal unter die 40 günstigsten Anbieter.

Worauf Sie beim Wechsel achten sollten

Zwischen Anfang Oktober und Ende April fallen fast 90 Prozent des gesamten Wärmeenergiebedarfs eines Jahres an. Verbraucher sollten daher überraschenden Preiserhöhungen während der Heizperiode vorbeugen. "Bei der Wahl eines neuen Versorgers ist es ratsam darauf zu achten, ob die angebotenen Tarife auch eine entsprechend lange Preisgarantie besitzen", sagt Dodt.

Zusätzlich zu Preisgarantien und Preisfixierungen bieten immer mehr Versorger auch sogenannte Festpreistarife an, bei denen die Gaskosten für zwei oder mehr Jahre eingefroren werden. In einer Periode tendenziell steigender Preise bieten diese Produkte eine längerfristige Kostenbremse. Allerdings sind diese Tarife meist etwas teurer. Auch geht die Flexibilität verloren, auf Marktentwicklungen reagieren zu können, etwa wenn der Gaspreis wieder fallen sollte.

Tabelle: Gastarife mit Preisgarantien und Preisfixierungen in den 100 größten deutschen Städten im Vergleich (PDF).

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Von Peter Neitzsch

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