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46 Träume aus 17 Ländern: Geschichten von jungen Einwanderern

Berufliche Wunschziele: Ärztin, Physiker, Juristin

1. Irene Domme

, 18, kam mit ihrer Mutter aus Russland. Wunschberuf: Finanzassistentin. "Wenn ich gefragt werde: ,Willst du zurück?", sage ich: ,Nein. Hier ist meine Heimat!""

2. Oksana Ginko

, 18, aus Kasachstan, Wunschberuf: Polizistin. Im Übergangswohnheim lebte sie mit Eltern und vier Geschwistern in einem Zimmer. Lernen ging nur schichtweise. "Erst kam ich, dann mein Bruder."

3. Elena Solowich

, 19, aus Russland, Wunschberuf: Betriebswirtin.

4. Katharina Zent

, 20, aus Kasachstan, Wunschberuf: Gymnasiallehrerin. "Viele in Deutschland haben mir als Ausländerin zu wenig zugetraut."

5. Fatma Cigdem Kolusari, 17, stammt aus der Türkei und will Jura oder Sprachen studieren.

6. Zeynep Saed Said

, 16, flüchtete vor vier Jahren mit ihren Eltern und fünf Geschwistern aus dem Irak. Besucht die 9. Klasse der Hauptschule. Klassenbeste. Berufswunsch: Elektroingenieurin. "Mein Vater war in Bagdad Ingenieur, meine Mutter Lehrerin. Heute machen sie Gelegenheitsjobs und tun alles dafür, dass es uns Kindern gut geht. Ich möchte, dass sie stolz auf mich sein können."

7. Banu Dilek Turmus

, 15, wurde in Deutschland geboren, ihre Eltern stammen aus der Türkei. Besucht die Realschule und will auf das Gymnasium wechseln. Berufswunsch: "Jura oder Medizin, am liebsten in Australien."

8. Veronika Kohlmeier

, 18, kommt aus Kasachstan: Interessiert sich für Kunst und Sprachen, will Geige spielen lernen.

9. Olesja Katzendorn, 17, aus Russland, wünscht sich "einen guten Abschluss, eine gute Arbeit, Haus, Familie, Kinder". Hatte anfangs große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. "Meine Mitschüler haben über meine Aussprache gelacht, aber jetzt geht es mir viel besser."

10. Steffy Uwaifo

, 16, stammt aus Nigeria und will "etwas Technisches" studieren. "Wenn man sich die Lage in meinem Land ansieht, dann bin ich dankbar, in Deutschland zu sein. Manchmal sagt hier jemand: ,Scheiß Ausländer". Aber dumme Leute ignoriere ich."

11. Songyu Xu

, 19, wurde in China geboren und möchte Wirtschaft studieren. "Die ersten drei Monate in Deutschland saß ich nur in meinem Zimmer. Keiner sagte uns, dass es Vorbereitungsklassen und Sprachkurse gibt."

12. Olga Grefenstein

, 16, aus Kasachstan, hat viele Interessen. Jura, Politik, Volkswirtschaft, Medizin, Philosophie, Mathematik. Träumt davon, "die Welt besser zu machen, zum Beispiel indem ich ein Mittel gegen Krebs finde oder Menschen zu Offenheit gegenüber Fremden ermutige".

13. Zarema Isaeva, 17, kommt aus Tschetschenien. Berufswunsch: Dolmetscherin oder Menschenrechtlerin. "Mein Traum: Bei Unicef zu arbeiten."

14. Owais Mohammad

, 17, wurde in den USA geboren und wuchs in Pakistan auf. Spricht sechs Sprachen und möchte das Abitur mit 1,0 bestehen. Berufswunsch: Arzt. Weiß nicht genau, wo er zu Hause ist. "In Deutschland bin ich Pakistani, in Pakistan bin ich Deutscher."

15. Akram Al Assadi

, 17, stammt aus dem Irak und will studieren. "Man muss sich durchbeißen, aber es geht. Manchmal beleidigen mich andere, nennen mich einen Bombenleger, wegen der Gewalt im Irak."

16. Nadja Ivanova

, 18, aus Kasachstan, will Rechtsanwältin werden und träumt "von einem Häuschen in der Nähe von Helsinki".

17. Zoulikha Outaggarts, 17, stammt aus Algerien und arbeitet in der Jugendredaktion des "Schwäbischen Tagblatts" in Tübingen mit. Berufswunsch: Ärztin. "Wir sind mehr als nur Deutsche oder Algerierinnen, wir sind beides. Das ist ein großer Vorteil."

18. Ewgenija Weiss

, 19, aus Tadschikistan, lebte bis vor fünf Jahren in Ostdeutschland und litt dort unter "vielen Ausländerfeinden, die uns das Leben sehr schwer machten". In Baden-Württemberg fühle sie sich "sicher aufgehoben". Will nach dem Abitur "mit Menschen arbeiten".

19. Imane Outaggarts

, 16, wurde in Algerien geboren. Ihr Berufswunsch: "ehrenamtlicher Einsatz als Ärztin in ärmeren Ländern, zum Beispiel in Afrika".

20. Esengül Toprak

, 15, wurde in Deutschland geboren, die Eltern stammen aus der Türkei. Esengül will Medizin studieren und bei "Ärzte ohne Grenzen" arbeiten. "Das Stipendium erleichtert mir vieles. Früher musste ich mich mit zerfledderten Büchern begnügen, heute kann ich einfach in eine Buchhandlung reinmarschieren und Bücher kaufen. Dieses Gefühl, mehr Wissen zu erlangen, ist unbeschreiblich."

21. Robert Weis-Banaszczyk, 14, stammt aus Polen. Berufswunsch: Anwalt. Problem: Manche Lehrer "mochten mich nicht und gaben mir absichtlich schlechte Noten. Viele Schüler haben keine gute Meinung von Migrantenkindern".

22. Fedor Vlasov

, 15, aus Russland, will Ingenieur oder Informatiker werden und anderen Einwanderern helfen beim "alltäglichen Kampf gegen Vorurteile".

23. Ceylan Aksu

, 17, stammt aus der Türkei und will Modedesignerin werden. "Mein Vater konnte nur fünf Jahre in die Schule gehen und versucht alles, um uns die Chance zur Bildung zu geben."

24. Niththila Krishnarajah

, 18, kommt aus Sri Lanka, spielt Fußball, ist Klassensprecherin, Chefredakteurin der Schülerzeitung und gibt jüngeren Schülern Nachhilfe. Berufswunsch: Journalistin.

25. Nergiz Öngün, 19, Älteste von sechs Geschwistern, stammt aus der Türkei, ging dort aber nie zur Schule. Die Eltern sprechen kaum Deutsch. Wurde erst mit zehn Jahren in Deutschland eingeschult, besucht jetzt die zwölfte Klasse des Gymnasiums und will Rechtsanwältin werden. "Ich habe eine große Chance in der Hand, die will ich nicht verpassen."

26. Iuliana Bielz

, 20, kam vor vier Jahren aus Rumänien. Obwohl sie die deutsche Sprache in wenigen Monaten lernte, hat sie sich aus Angst vor Gelächter nicht getraut, den Mund aufzumachen. "Ich habe mich damit selbst ausgegrenzt." So richtig warm geworden ist Iuliana mit ihrer neuen Heimat nicht. "Man fühlt sich ein bisschen fremd", sagt sie. Ihre Zukunft sieht sie "dort, wo man mir beruflich eine Perspektive bietet". Hat gerade ein Wirtschaftsstudium in London begonnen.

27. Teuta Miftari

, 17, stammt aus dem Kosovo. Berufswunsch: noch offen. "Mit meinen Lehrern habe ich mich immer gut verstanden." Das Stipendium "ist die Chance meines Lebens".

28. Sabina Zarbaliyeva, 21, aus Aserbaidschan, will Wirtschaftswissenschaftlerin werden. "Ich will später für meine Kinder ein Vorbild sein, dann wäre mein Leben doch gelungen."

29. Waldemar Hartung

, 19, aus Kasachstan. Wunschberuf: Autoingenieur. Stolperstein: Deutsch und Englisch, "aber ich will meine Probleme schnell lösen".

30. Vladimir Amrein

, 17, stammt aus Russland und möchte Autodesigner werden. Sein Traum: "Etwas zu erfinden, was die Welt revolutioniert, zum Beispiel den Hyperraumantrieb, sodass man von Planet zu Planet fliegen kann."

31. Konstantin Tomilin

, 19, aus Russland, will Arzt, vor allem aber "ein guter Mensch" werden.

32. Ahmet Ocak

, 18, Sohn türkischer Eltern, wurde in Deutschland geboren. Berufswunsch: Bauingenieur. Wohnt mit seinen vier Geschwistern in einem Zimmer. "Vor Prüfungen warte ich, bis meine Geschwister schlafen. Dann gehe ich in die Küche und lerne die Nacht durch."

33. Radoslav Rusanov, 19, stammt aus Bulgarien und will Physiker werden, "materiell gut gesichert sein, eine Familie gründen, viel reisen und erleben". Erfuhr in der Schule "Akzeptanz und Toleranz".

34. Alexander Potetjurin

, 19, kommt aus Russland, will Redakteur werden und einmal im Leben "mit der englischen Queen Tee trinken". Kämpfte in den ersten zwei Jahren mit großen Sprachschwierigkeiten, "die schafft man sich selbst durch eigene Verschlossenheit und die Angst, nicht verstanden zu werden".

35. Dmitry Khesin

, 20, aus Russland, will Naturwissenschaftler werden und hofft, "dass mein Name in die Geschichtsbücher eingeht".

36. Violetta Gradceva

, 15, kam vor zwei Jahren aus Kasachstan und will Tierärztin werden.

37. Anton Lebedev

, 17, stammt aus der Ukraine. Wunsch: "Den besten Schnitt im Abitur. Einen Professorentitel in Chemie oder Physik. Und die Welt erforschen wie Stephen Hawking."

38. Natalia Tschatorow, 20, aus Sibirien, hat Abitur gemacht, studiert Jura in Tübingen und will später im Ausland arbeiten. "Am Anfang wurde ich von Lehrern als unfähig angesehen, eine andere Schule als die Hauptschule zu besuchen."

39. Dimitri Pastuskov

, 18, aus Kasachstan, träumt davon, HipHop-Musiker zu werden. Wohnt bei der Großmutter, die kaum Deutsch spricht. "Es gab ein paar Lehrer, die mich dumm anmachten wegen des Stipendiums."

40. Aljona Serdjuk

, 18, aus der Ukraine, will Wirtschaftsrecht studieren. Kämpfte anfangs mit der Angst, "nicht verstanden zu werden und keine Anerkennung zu bekommen".

41. Iryna Burd

, 18, Ukraine, will ein gutes Abitur schaffen und Jura studieren. Schwierigkeiten: "Manchmal Diskriminierung durch Lehrer."

42. Jelisaweta Tokarewa

, 19, kommt aus der Ukraine. Wunschberuf: Architektin oder Schauspielerin. Stolperstein: Sprache. "Ich habe immer Angst, etwas falsch zu sagen."

43. Anna Solodownikow, 19, aus Kasachstan, will Grafikdesignerin werden und "zwei- oder dreisprachig arbeiten und viel reisen".

44. Mihaela Panduru

, 17, aus Rumänien, will Psychologin werden und ärgert sich über "Deutschen- und Rumänenstereotypen." "Leider gibt es genug Menschen, die einem nur wegen seiner Herkunft keine Chance geben wollen - zumindest bis sie den Beweis haben, dass man es auch verdient."

45. Olesia Kukin

, 15, stammt aus Kasach-stan, ist an ihrem Gymnasium Klassensprecherin und gibt jüngeren Schülern Nachhilfe. Zukunftswunsch: "Karriere machen und eine Familie gründen."

46. Boris Zak

, 15, lebt seit November 2004 in Deutschland. "Der Anfang war hart, aber ich habe einfach drauflosgeredet und darauf geachtet, dass ich nicht so viel mit anderen Russlanddeutschen zusammen bin." Berufswunsch: Architekt oder Mathematiker. Traum: "Die Schachweltmeisterschaft zu gewinnen."

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