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Ärztestreik: "Herr Möllring hat uns Gehalt gestohlen"

Die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund hat neue Proteste wegen der gescheiterten Tarifverhandlungen angekündigt. Verbands-Chef Frank Ulrich Montgomery machte schon einmal seinen Standpunkt deutlich.

Die Ärzte an Universitätskliniken haben ihre Urabstimmung für einen bundesweiten Streik ab Donnerstag begonnen. Sollte die nötige Mehrheit von 75 Prozent der Beteiligten erreicht werden, werde es zum unbefristeten Ausstand kommen, betonte der Marburger Bund (MB) am Montag in Berlin. Gleichzeitig bekräftigte Verband-Chef Frank Ulrich Montgomery die Bereitschaft, wieder mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zu verhandeln. Nötig seien aber "ernsthafte und arztgerechte Vorschläge für einen Ärztetarif".

Die Ärztegewerkschaft hatte die Tarifverhandlungen für rund 22.000 Mediziner an Unikliniken und Landeskrankenhäusern vergangene Woche für gescheitert erklärt und die Urabstimmung anberaumt. Die Gewerkschaft war vor allem unzufrieden mit dem Angebot der Arbeitgeber zur Entwicklung der Gehälter. Die TdL hatte die Forderung der Ärzte nach 30 Prozent höheren Grundgehältern als illusorisch zurückgewiesen. Montgomery sprach von einer "sturen Betonkopf-Politik der Arbeitgeber". Bei der Vergütungsfrage habe sich die TdL "konsequent kompromisslos" gezeigt. Dies habe die Stimmung unter den Ärzten zum Siedepunkt getrieben. Die Streikbereitschaft sei hoch.

"Herr Möllring hat uns Gehalt gestohlen"

Die Abstimmung läuft bis zum Dienstag. Für Mittwoch ist eine Pressekonferenz zu den Ergebnissen anberaumt. Der Schwerpunkt eines Ausstandes soll wahrscheinlich in Baden-Württemberg liegen, wo am 26. März ein neuer Landtag gewählt wird. Montgomery verteidigte die Forderung nach 30 Prozent Gehaltssteigerung. "Mit der Kürzung des Weihnachtsgeldes, der Streichung des Urlaubsgeldes, der Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 42 Stunden ohne Lohnausgleich und den millionenfach unbezahlten Überstunden hat Herr Möllring uns bereits weit über 30 Prozent Gehalt gestohlen", sagte er unter Bezug auf den TdL-Vorsitzenden Hartmut Möllring.

Auch MB-Hauptgeschäftsführer Armin Ehl sagte, das vorliegende Angebotspaket der Arbeitgeber sei in der Kernfrage der Vergütung völlig inakzeptabel. Die Forderung nach 30 Prozent mehr sei nicht unrealistisch. Ehl versicherte, dass man nicht die Patienten, sondern die Arbeitgeber bestreike. Das sei auch so bei den Patienten angekommen. Der Marburger Bund hatte seine Tarifgemeinschaft mit ver.di im September aufgekündigt und versucht seitdem, einen eigenen Ärztetarifvertrag durchzusetzen. Mit den Ländern wurde bereits seit Oktober verhandelt. Die Gespräche mit den kommunalen Arbeitgebern begannen dagegen erst letzte Woche und sollen am 27. März in Frankfurt fortgesetzt werden. Die 34 deutschen Unikliniken sind zum Teil bereits vom Verdi-Streik des nichtärztlichen Personals im öffentlichen Dienst betroffen.

AP / AP