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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Eine bunte Taxifahrt durch Deutschland

Weil unser Kolumnist Frank Behrendt gerne mit den Menschen redet, liebt er Wartezeiten. In einer Kölner Autowerkstatt sprach er mit Taxifahrern aus aller Welt über Deutschland und kam ins Grübeln.

Taxifahrer haben einiges zu erzählen - wenn man sich auf sie einlässt

Taxifahrer haben einiges zu erzählen - wenn man sich auf sie einlässt

Wir hatten alle eine Goldmünze in der Hand und warfen sie nacheinander - in den Kaffeeautomaten bei Mercedes Benz am Gleisdreieck in Köln. Dort ist auch ein Taxicenter und deshalb warten immer viele Fahrer auf die Rückkehr ihrer Arbeitsgeräte. Die Runde ist bunt. Zwei Türken, ein Afrikaner, einer aus dem Irak. Ich mittendrin.

Metin erzählt und ich bin sprachlos. Er stand in der Warteschlange am Hauptbahnhof, als eine ältere Dame auf seinen Daimler zusteuerte. Umgehend öffnete er die Beifahrertür. Die Dame stoppte, schaute und sah sich dann nach dem nächsten Wagen um. Metin frage freundlich, was los sei. "Ich möchte einen deutschen Fahrer", soll sie kühl gesagt haben. Metin hatte gelächelt und ihr nett geantwortet, dass er hier geboren sei, mitten in Köln. "So sehen Sie mir aber nicht aus", hatte die Dame dann gesagt und schritt die Reihe der Wagen weiter ab. Metin hatte nichts mehr gesagt, sondern sich stumm wieder in seinen Wagen gesetzt. Jetzt spricht er. Die Kollegen berichten von ähnlichen Geschichten.

Eine gesunde Portion Selbstironie

Integration, Toleranz und Respekt - es ist noch ein weiter Weg. Wir diskutieren was man tun könnte. Als sie hören, dass ich ein Agenturtyp bin, schlagen sie Werbung vor. Jeder hat direkt Ideen für einen Spruch. Eason aus dem Senegal textet direkt sein Statement: "Ich bin dunkel, aber mein Lachen ist hell." Die Jungs haben alle eine gesunde Portion Selbstironie, ich bin begeistert. Tamer meint, man müsste mal alle Kölner Taxifahrer auf ein Bild packen. "Wir sind wie der Kölner Karneval, total bunt" sagt er. Ein schönes Bild.

"Herr Behrendt, Ihr Wagen ist fertig." Schade, ich wäre gerne noch mit Metin, Tamer, Eason und Tayo weitergefahren auf dieser bunten Tour durch Deutschland. Jeder der vier ist eine Bereicherung für unser Land. Und der Dame vom Bahnhof rate ich: Einsteigen und bei dem kölschen Jung mit Wurzeln in Alanya mitfahren. Er ist ein feiner Kerl und sein Lachen ist so strahlend wie die Sonne an der Türkischen Riviera.

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.