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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn der Räuber Hotzenplotz Follower im Netz fängt

Als Frank Behrendt seiner Tochter Holly eines Abends den berühmten Kinderbuch-Klassiker "Räuber Hotzenplotz" vorlas, ahnte er nicht, dass sich der legendäre Spitzbube am nächsten Morgen höchstpersönlich bei ihm melden würde.

Der Räuber Hotzenplotz im Behrendt'schen Kuscheltierland

Der Räuber Hotzenplotz im Behrendt'schen Kuscheltierland

Als Kommunikationsberater vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit einer Kundin oder einem Kunden über die Digitalisierung spreche. Bestehendes in die neue Welt zu überführen ist eine Kern-Thematik der digitalen Transformation. Das kostet Nerven und Geld. Manchmal ist es aber auch ganz einfach und diese plakativen Beispiele präsentiere ich gerne im Job.

Vor allem, wenn man von Protagonisten überrascht wird, denen man es am allerwenigsten zugetraut hätte. Dazu gehörte vor kurzem eine fiktive Gestalt aus einem Kinderbuch, die älter als ich ist: 1962 war es, als "Der Räuber Hotzenplotz" erstmals erschien. Der Autor Otfried Preußler hatte die Geschichte eigentlich geschrieben, um sich selbst von dem zähen Angang seines späteren Jugendbuch-Hits "Krabat" zu erholen.

Der ungewöhnliche Name des Titel-Helden geht auf ein Städtchen in Schlesien zurück, das den Autor seit Kindertagen faszinierte. Als im zweiten Band der Hund Wasti aus Versehen in ein Krokodil verwandelt wurde und am Ende nicht in seine Ursprungsform zurückkehrte, hagelte es Proteste der jungen Leserschaft. Ein früher Shitstorm gewissermaßen. Preußler verfasste ein drittes Buch, in dem Wasti wieder Hund sein durfte. 

Die köstlichen Geschichten machten mir als kleinem Jungen Spaß und meine Kinder lachen heute immer noch darüber. Also postete ich das Buchcover inmitten einer Horde Kuscheltiere meiner Jüngsten nach einer abendlichen Vorleserunde auf meinen digitalen Kanälen. Am nächsten Tag staunte ich nicht schlecht als mir @achtung_raeuber höchstpersönlich auf Twitter, Instagram und Facebook antwortete.

Ich war begeistert. Die Macher vom Thienemann-Esslinger-Verlag verstehen es vorzüglich, wie man auch in die Jahre gekommene Buch-Helden mit Hilfe von Social Media in der Neuzeit agieren lässt. Wir Profi-Kommunikatoren hatten anschließend richtig Freude am Digital-Dialog mit dem bekanntesten aller Räuber, dessen Social-Media-Gehilfen auch ein sehr gutes Händchen für die passende Tonalität haben. Flugs machten wir uns einen Spaß daraus, dem Burschen mit den sieben Messern ein paar weitere Follower zu verschaffen. Allen voran der sympathische PR-Chef der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Rüdiger Scharf, der unter dem Hashtag #makehotzenplotzgreatagain richtig Gas gab. 

Als ich in der vergangenen Woche am Weltfrauentag vor der Vorleserunde noch einmal schnell mein Smartphone checkte, sah ich auch einen Retweet vom Hotzenplotz: "Die Welt braucht mehr Räubertöchter und weniger Prinzessinnen." Ich musste grinsen, denn zur ersten Gattung gehört auch die kleine Zuhörerin, der ich jeden Abend seine Geschichten vorlese.

Ein Mädchen schaut durch einen Türspalt
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