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Margarete von Wrangell: Deutschlands erste Professorin

Vor 80 Jahren wurde Margarete von Wrangell die erste ordentliche Professorin in Deutschland und erhielt den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim. Doch als große Vorkämpferin für die Frauenbewegung gilt sie nicht.

"Ich habe viele Kämpfe in meinem Berufe", schreibt Margarete von Wrangell 1923 an ihre Mutter. Ihr wissenschaftlicher Erfolg habe ihr zwar "die Feindschaft vieler eingetragen ... Jedoch weiß ich, wofür ich kämpfe." Mit ihrer immensen Durchsetzungskraft, aber auch mit Fleiß und Können hatte es die Chemikerin weit gebracht - sehr weit sogar für eine Frau in der damaligen Zeit: Von Wrangell wurde am 12. März vor 80 Jahren die erste ordentliche Professorin in Deutschland und erhielt den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim bei Stuttgart. Als große Vorkämpferin der Frauenbewegung kann die erfolgreiche Wissenschaftlerin jedoch nicht gelten.

Sie lernte von Marie Curie

Margarete von Wrangell stammte aus einem deutsch-baltischen Adelsgeschlecht und wurde 1877 in Moskau geboren. Ihre wissenschaftliche Laufbahn begann 1904 als Gasthörerin an der Universität Tübingen, wo sie zu den ersten Studentinnen im Königreich Württemberg gehörte. Sie promovierte 1909 in Organischer Chemie und arbeitete anschließend unter anderem bei der Nobelpreisträgerin Marie Curie in Paris.

Schließlich übernahm sie als erste Frau die Leitung der Versuchsstation des Estländischen Landwirtschaftlichen Vereins in Reval. Nach der russischen Oktoberrevolution musste sie jedoch und kam im August 1918 an die Landwirtschaftliche Hochschule nach Hohenheim, wo sie sich zwei Jahre später habilitierte.

An dem beruflichen Aufstieg der jungen Frau hatte die damalige wirtschaftliche Lage auf dem Weltmarkt einen wesentlichen Anteil: Deutschland war bei seiner Düngerproduktion von dem teuren Import von Rohphosphor angewiesen. Wrangell hatte gemeinsam mit dem Wissenschaftler Friedrich Aereboe zur Phosphordüngung geforscht. Ihr "Düngungssystem Aereboe-Wrangell" versprach, das vom Weltmarkt isolierte Deutschland vom Import unabhängiger zu machen. Dies machte chemische Industrie und die Politik auf die Wissenschaftlerin aufmerksam.

Auch in deutschen Böden sind durchaus Phosphate enthalten, jedoch in einer Form, die für Pflanzen schwer aufzunehmen ist. Wrangells Versuche zielten darauf, die Pflanzen so zu stimulieren, dass sie auch diesen Phosphor verwerteten. Kritiker warfen ihr nach ihrer Berufung vor, sie sei nur durch die Unterstützung der Industrie an den Posten gekommen.

Professorin mit Gutsherrenart

Viele bezweifelten zudem grundsätzlich, ob eine Frau ein Institut mit überwiegend männlichem Personal leiten könne. Einige Wissenschaftler gingen sogar noch weiter und beschuldigten sie, ihre Forschung sei nicht ausreichend belegt oder sogar abgeschrieben, sie habe "getäuscht" und "betrogen". Allerdings erklärte das damalige württembergische Kultusministerium die Sache zu einem rein wissenschaftlichen Streit - zu einem rechtlichen Nachspiel oder anderen Konsequenzen führten die Vorwürfe daher nicht.

Der Hohenheimer Historiker Ulrich Fellmeth hat unter anderem die Rolle der Forscherin in der Frauenbewegung untersucht: "Der Emanzipation ihrer Zeit stand Wrangell eher ablehnend gegenüber." Ihren Mitarbeitern gegenüber verhielt sie sich zwar oft mütterlich und fürsorglich, ansonsten zeigte sie sich aber wenig weiblich. Im Institut habe sogar das Wort kursiert: "In einem Kreis von Männern ist Margarete von Wrangell oft der einzige Mann."

"Sie hatte wohl eine ziemliche Gutsherrenart an sich und konnte sehr schroff sein", sagt Fellmeth. Ein Charakterzug, der sowohl dazu beitrug, Karriere zu machen, ihr jedoch auch viele Feinde einbrachte. Nachdem sie als junge Frau in Briefen an eine Freundin zu dem Schluss kam: "Heiraten ist gut - nicht heiraten ist besser", trat sie doch noch im Alter von 51 Jahren mit ihrem Jugendfreund und entfernten Vetter Fürst Wladimir Andronikow vor den Traualtar. Allerdings währte ihr Glück nur kurz: Ihre Gesundheit war nach einer verschleppten Grippe schon lange angeschlagen gewesen. 1932 starb sie im Alter von 55 Jahren an Nierenversagen in Stuttgart.