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Rekordarbeitslosigkeit in der Eurozone: Jobflaute in Europa - Deutschland bleibt spitze

17,36 Millionen Menschen ohne Beschäftigung - höher war die Arbeitslosenzahl in der Eurozone noch nie. Gute Nachrichten gibt es vom deutschen Arbeitsmarkt, doch auch hierzulande trübt sich die Situation ein.

Noch nie waren in den Euro-Ländern so viele Menschen ohne Job: Im März hatten 17,36 Millionen Arbeitnehmer keine Stelle - ein neuer Negativrekord in den Ländern mit der Gemeinschaftswährung. Das geht aus Zahlen hervor, die die EU-Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in Luxemburg veröffentlichte. Die Arbeitslosenquote in den 17 Euro-Ländern betrug 10,9 Prozent - auch das war ein Höchstwert seit der Euro-Einführung. Zuletzt war die Lage am Arbeitsmarkt im Frühjahr 1997 ähnlich schlecht gewesen. Am schlimmsten ist die Situation derzeit im krisengeschüttelten Spanien.

In Deutschland dagegen ist die Zahl der Arbeitslosen dank des Frühjahrsaufschwungs um 65.000 auf 2,96 gesunken. Damit waren 115.000 Menschen weniger auf Jobsuche als noch vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 7,0 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei 7,3 Prozent gelegen.

"Auf dem Arbeitsmarkt hält die positive Grundtendenz an, obwohl die Konjunktur zuletzt an Schwung verloren hat", erläuterte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. "Insbesondere die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liegen weiter deutlich im Plus."

Weniger offene Stellen als im Vormonat

Die Zahl der Erwerbstätigen stieg nach den jüngsten Zahlen vom März binnen Jahresfrist um 596.000 auf 41,21 Millionen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legte im Vergleich zum Vorjahr um 694.000 auf 28,61 Millionen zu.

"Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst in allen Bundesländern und in den meistern Branchen", erläuterte die BA. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und bei den Wirtschaftlichen Dienstleistungen seien neue reguläre Jobs entstanden.

Weniger gut sieht die Entwicklung bei der Arbeitskräftenachfrage aus: Der Index der Bundesagentur, der die Zahl der offenen Stellen erfasst, war im April zum ersten Mal seit langem zurückgegangen. Aktuell seien dennoch 499.000 Arbeitsplätze als unbesetzt gemeldet, betonte die BA - ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 38.000.

Zuwachs nur in Westdeutschland

Die nachlassende positive Wirkung der Konjunktur auf den Arbeitsmarkt zeigt sich auch in den saisonbereinigten Zahlen: Die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl stieg im April um 19.000 auf 2,875 Millionen, wobei der Zuwachs in Gänze auf Westdeutschland entfiel.

Grund für den Anstieg sei zum einen der geringere Einsatz von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Ein-Euro-Jobs, erläuterte die BA. Auch habe der Stichtag für die Zählung in den Osterferien gelegen; viele Betriebe nähmen geplante Einstellungen aber erst nach den Ferien vor. "Die konjunkturellen Kräfte haben diese beiden Einflüsse auf die Arbeitslosigkeit nicht kompensieren können", räumte die BA ein.

be/DPA/Reuters / DPA / Reuters