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Autobauer: Kooperation oft besser als Fusion

Während sich in der Autobranche viele vorher hochgelobte Mega-Fusionen als Flops entpuppten, laufen gemeinsame Projekte auch ohne Kapitalverflechtung völlig problemlos. Nach Renault und GM könnten nun weitere Allianzen kommen.

Die von US-Großinvestor Kirk Kerkorian angestoßene Dreier-Allianz von General Motors (GM) mit Renault und Nissan sorgt schon jetzt für Nervosität in der Autobranche. Noch ehe klar ist, wie weit sich das Trio überhaupt annähern will, wird über die nächsten Bündnisse und Fusionen spekuliert. Doch viele der einst lautstark angekündigten Mega-Fusionen und "Welt-AGs" haben sich als Flops erwiesen oder sind gescheitert. Dagegen laufen viele Projekte, die die Hersteller etwa zum Bau einzelner Modelle oder zur Motorenentwicklung und -produktion vereinbart haben, auch ohne gegenseitige Kapitalverflechtungen seit Jahren effektiv und reibungslos.

Nächster Kandidat wäre Ford

Am Freitag wollen Renault-Chef Carlos Ghosn und GM-Chef Rick Wagoner in Detroit erstmals über eine Annäherung des schwer angeschlagenen Weltmarktführers an Renault und Nissan beraten, die seit langem miteinander kooperieren. Allein die theoretische Aussicht, dass sie dabei voran kommen könnten, facht die Debatte über weitere Allianzen an. "Ford wäre der Nächste, der sich um eine Koalition bemühen müsste", sagt Helmut Becker, Leiter des Münchner Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. Die Nummer zwei in den USA hinter GM hat ein Sanierungsprogramm eingeleitet und will auf seinem Heimatmarkt zehntausende Stellen streichen.

"Der Markt schreit nach Konsolidierung", sagt Becker. Der Weg zum Ziel ist aber umstritten. Analysten halten Kerkorians Pläne auch deshalb für riskant, weil in den vergangenen Jahren viele Auto-Bündnisse gescheitert sind. Die Übernahme von Rover durch BMW geriet zum Fiasko. DaimlerChrysler zog bei seiner Vision einer Welt-AG die Notbremse, stieg bei Mitsubishi Motors aus und kappte die engeren Bande zu Hyundai. Nun halten Börsianer den koreanischen Konzern Hyundai für einen denkbaren Partner von VW. Die Wolfsburger leiden unter Überkapazitäten und wollen in Europa Personal abbauen.

Erfolgsmodell Peugeot und Toyota

Ohne viel Aufhebens arbeiten viele Autohersteller - selbst direkte Konkurrenten - hinter den Kulissen längst eng zusammen. Als mustergültig gilt die Zusammenarbeit der französischen Peugeot Citroen (PSA) mit dem japanischen Marktführer Toyota: Ohne gegenseitige Kapitalbeteiligung bauen die Partner im tschechischen Kolin die Stadtautos Aygo, Peugeot 107 und Citroen C1. Eine einheitliche Plattform und die niedrigen Löhne in Tschechien senken Kosten und Verkaufspreise.

Peugeot arbeitet gleichzeitig mit anderen Autobauern in der Motorenentwicklung zusammen. Die Franzosen liefern zum Beispiel das Aggregat für den Ende des Jahres geplanten neuen Mini von BMW. Ford und Fiat entwickeln gemeinsam einen Nachfolger für den Kleinwagen Fiat 500 und den Ford Ka. Bei Transportern haben sich PSA und Fiat schon vor 25 Jahren verbündet. Mehr als drei Millionen Fahrzeuge nach Beginn ihrer Kooperation bringen Fiat, Citroen und Peugeot schon die dritte Generation der Modelle Ducato, Jumper und Boxer an den Start.

Auch VW und DaimlerChrysler ein Paar

VW lässt den neuen Transporter Crafter von DaimlerChrysler bauen - wie das Vorgängermodell LT, das auf der selben Plattform gebaut wird wie der Mercedes Sprinter. Inzwischen haben beide auch bei Personenwagen Bande geknüpft. Chrysler soll für Volkswagen einen Minivan für den nordamerikanischen Markt bauen, den die Wolfsburger dort in der Produktpalette bisher schmerzlich vermissen. Über eine Ausweitung der Zusammenarbeit wird spekuliert. Eine Kapitalverflechtung von DaimlerChrysler und Volkswagen gilt dagegen als unwahrscheinlich, seit Porsche bei Europas größtem Autobauer eingestiegen ist.

Jan Christoph Schwartz/Reuters / Reuters