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Europas Schuldenkrise: Dramatische Tage im Überblick

Schuldenschnitt, Rettungsschirm, Bankenbeteiligung. Tagtäglich überschlagen sich die Ereignisse in der Eurokrise. Was gestern noch als unvorstellbar galt, wird heute als letzter Rettungsanker gepriesen.

Europa erlebt in der Schuldenkrise dramatische Tage. Offen streitet die Politik über die Stärkung des Euro-Rettungsfonds, eine Absicherung möglicherweise gefährdeter Banken und die Rettung Griechenlands. stern.de fasst kurz zusammen, was in den letzten Tagen passiert ist.

Mittwoch, 19. Oktober

Nach tagelangen erfolglosen Beratungen über die Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF fliegt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kurzfristig nach Frankfurt am Main, um sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu beraten. Er verpasst dadurch die Geburt seiner Tochter, die Präsidentengattin Carla Bruni in Paris zur Welt bringt. Das hochverschuldete Griechenland erlebt derweil vor der Verabschiedung weiterer Sparmaßnahmen die größten Proteste seit der Finanzkrise, bei denen es vor dem Parlament in Athen zu heftigen Ausschreitungen zwischen jungen Demonstranten und der Polizei kommt.

Donnerstag, 20. Oktober

Stundenlang gibt es Gerüchte, dass der anstehende Euro-Gipfel wegen der fehlenden Einigung Deutschlands und Frankreichs verschoben wird. Kurz nach 19.00 Uhr kündigen Berlin und Paris an, dass es nach dem Gipfel am Sonntag "spätestens" am Mittwoch ein weiteres Spitzentreffen der Staats- und Regierungschefs der Eurozone geben wird. Merkel sagt ihre eigentlich für Freitagvormittag geplante Regierungserklärung zum Gipfel ab; die soll es nun erst am Mittwoch vor dem nächsten Euro-Gipfel geben. Am zweiten Tag des Generalstreiks in Griechenland gibt es erneut Straßenschlachten. Ein Mann stirbt an seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Freitag, 21. Oktober

Die Empörung bei anderen Euro-Ländern über die Verschiebung der Gipfelbeschlüsse zur Schuldenkrise auf die kommende Woche ist groß. "Die Außenwirkung ist desaströs", sagt der luxemburgische Ministerpräsident und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. Ein EU-Diplomat fürchtet, "dass uns die Märkte massakrieren", wenn es bis Montag nichts Substantielles bei der Krisenbekämpfung gibt. Am Abend geben die Euro-Finanzminister weitere Milliardenhilfen für das hoch verschuldete Griechenland frei - und nehmen zur Kenntnis, dass Athen wahrscheinlich noch ein Jahrzehnt Finanzhilfen braucht.

Samstag, 22. Oktober

Nun tagen alle 27 EU-Finanzminister. Das Nicht-Euro-Land Großbritannien bezeichnet die Schuldenkrise als "eine echte Gefahr" für ganz Europa. Am Nachmittag kommen auch die EU-Außenminister zur Vorbereitung des Gipfels zusammen und abends treffen sich vorab die konservativen Staats- und Regierungschefs. Merkel und Sarkozy kommen danach nochmals zusammen, um nach einer Lösung für ihre Meinungsverschiedenheiten zu suchen.

Sonntag, 23. Oktober

Jetzt soll der Gipfel der Staats- und Regierungschefs zusammenkommen. Doch offiziell entscheiden darf die Runde zur Schuldenkrise nicht, Deutschland pocht darauf, dass erst der Bundestag geplanten Änderungen am Euro-Rettungsfonds zustimmen muss. Beschlüsse soll es dann erst bei dem von Merkel und Sarkozy angesetzten weiteren Euro-Gipfel am Mittwoch geben.

Martin Trauth, AFP / AFP