VG-Wort Pixel

Griechenland Europäer bereiten höheren Schuldenschnitt vor


Die privaten Gläubiger Griechenlands müssen sich auf hohe Verluste einstellen: Die EU-Finanzminister denken über einen Schuldenschnitt nach, der eher bei 50 als bei 21 Prozent liegen soll.

Zur Rettung Griechenlands haben die Europäer den Weg für einen deutlich kräftigeren Schuldenschnitt bereitet als bisher geplant. Die Euro-Finanzminister hätten sich darauf geeinigt, dass es "eine erhebliche Anhebung des von den Banken zu übernehmenden Beitrags" geben solle, sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Samstag. Sie sollen laut EU-Diplomaten auf mindestens die Hälfte ihrer Forderungen verzichten.

Die Finanzminister bereiten seit Freitag in Brüssel den Euro-Gipfel am Sonntag vor. Dabei geht es nicht nur um Griechenland, sondern auch um eine weitere Stärkung des Euro-Rettungsfonds EFSF. Zudem sollen Europas Banken krisenfest gemacht werden, indem sie verpflichtet werden sollen, mehr Eigenkapital aufzunehmen. Darüber berieten am Samstagvormittag die Finanzminister der gesamten EU, bevor sich am Nachmittag erneut die Ressortchefs der Eurozone treffen sollen.

Großbritannien drängt auf "umfassende Lösung"

Das Nicht-Euro-Land Großbritannien zeigte sich besorgt über die Folgen der Dauerprobleme im Euro-Raum. Die Krise der Währungsunion sei inzwischen "eine echte Gefahr" für ganz Europa, sagte Finanzminister George Osborne in Brüssel. Großbritannien wolle deshalb auf eine "umfassende Lösung" drängen und keine "Heftpflaster" mehr hinnehmen, die "die uns gerade mal durch die nächsten wenigen Wochen bringen". Am Freitagabend hatten die Euro-Finanzminister trotz Zweifeln an der langfristigen Gesundung der griechischen Staatsfinanzen grünes Licht für die Auszahlung von weiteren acht Milliarden Euro an Athen gegeben. Gleichzeitig nahmen die Minister in einem Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds zur Kenntnis, demzufolge Griechenland womöglich noch zehn Jahre internationale Finanzhilfen braucht. Um es nicht so weit kommen zu lassen, soll ein erst im Juli vereinbartes zweites Hilfspaket für Griechenland neu geschnürt werden. Es sieht bisher öffentliche Finanzhilfen von 109 Milliarden Euro vor und einen Schuldenverzicht der Privatgläubiger von 21 Prozent. Nun soll es eine angemessene "Kombination von zusätzlicher öffentlicher Finanzierung und der Beteiligung des Privatsektors" geben, wie die Euro-Finanzminister erklärten.

Merkel trifft sich mit Sarkozy

Die privaten Banken sollen dabei nach Angaben von EU-Diplomaten mindestens 50 Prozent ihrer Darlehen an Athen abschreiben. Die Euro-Länder müssten dann mit 114 Milliarden Euro fünf Milliarden Euro mehr bereitstellen als bisher geplant. Scheitert dieses Szenario, müssten nach Einschätzung der Troika bis 2020 möglicherweise sogar 252 Milliarden Euro nach Athen überwiesen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät am Abend im belgischen Meise mit anderen konservativen Staats- und Regierungschefs in der EU über die Schuldenkrise. Danach will die Kanzlerin in einem gesonderten Treffen mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy offene Fragen zur Euro-Rettung klären. Erste Fortschritte, wie durch einen "Hebeltrick" die Mittel im Euro-Rettungsfonds eine größere Wirkung entfalten können, gibt es bereits. Lagen zu Beginn der Gespräche Österreichs Finanzministerin Maria Fekter zufolge noch "bis zu sieben" Modelle dafür auf dem Tisch, sprach sie danach nur noch von "zwei Optionen". Ein EU-Diplomat sagte, dass bei keiner davon die EZB eine Rolle spiele. Frankreich wollte dem EFSF eine Banklizenz geben, damit dieser sich Geld bei der EZB besorgen kann. Deutschland ist strikt dagegen. Frankreichs Finanzminister François Baroin zeigte nun die Bereitschaft, von dieser Position abzurücken.

che/AFP AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker