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Opel-Rettung: Berlin setzt auf Magna statt Fiat

Bei der Suche nach einem Opel-Investor bevorzugen SPD und Unions-Teile offenbar Magna. Der Autozulieferer sei für Berlin eine bessere Option als Fiat, berichtet die "Financial Times Deutschland". Die Opel-Mutter General Motors will noch heute einen neuen Sanierungsplan vorlegen.

Die SPD und Teile der Union setzen sich offenbar für einen Einstieg des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna bei Opel ein. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier habe sich in die Gespräche eingeschaltet, berichtete die "Financial Times Deutschland". "Magna ist eine ernsthaftere Option als Fiat", zitierte die "FTD" das Umfeld des Vizekanzlers. Zuvor hatte sich bereits Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) für Magna stark gemacht.

Steinmeier hat laut "FTD" mehrfach mit Magna-Europachef Siegfried Wolf und dem Aufsichtsrat und früheren österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky geredet. Zudem habe der Kanzlerkandidat am Freitag mit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesprochen, um eine zu frühe Festlegung auf einen Investor zu verhindern. Guttenberg will Anfang der Woche direkt mit Magna verhandeln. Ihm war zunächst Sympathie für Fiat nachgesagt worden.

Auch der Betriebsrat des Opel-Werkes in Bochum warb nochmals für einen Magna-Einstieg. Opel und Magna seien in ihren Produkten keine Konkurrenten und würden bereits an einem österreichischen Standort zusammenarbeiten: "Wir haben dort sehr gute Erfahrungen gemacht", sagte Betriebsratschef Rainer Einenkel. Magna habe als Zulieferer zudem einen ausgezeichneten Ruf: "Es gibt viele Gemeinsamkeiten, auf die man aufbauen kann." Auch Magna müsse allerdings erst einmal ein Konzept vorlegen.

Fiat würde angeblich keine Opel-Werke schließen

Medienberichten zufolge soll Fiat in den Verhandlungen über einen Einstieg bei Opel den Erhalt aller vier Opel-Montagestandorte in Deutschland garantiert haben. Das bedeute allerdings nicht, dass auch die aktuellen Kapazitäten der Werke garantiert werden könnten, meldete "Spiegel Online" unter Berufung auf einen ungenannten "Insider" in Turin, der unmittelbar mit der geplanten Übernahme vertraut sei. Die Italiener planen demnach eine weitere Zusammenlegung der Produktion. Eine Bestätigung für die Informationen gab es bislang nicht. Opel produziert in Rüsselsheim, Bochum und Eisenach Autos, in Kaiserslautern werden Einzelbestandteile der Wagen hergestellt.

Fiat habe zugesichert, dass alle Schulden der Turiner Gruppe aus einer Fusion herausgehalten werden sollten, berichtete "Spiegel Online" weiter. Das Unternehmen habe zudem garantiert, dass alle Schulden der Gruppe aus einer Fusion herausgehalten werden sollten. Auch beim Namen des möglichen neuen Konzerns zeige sich Fiat kompromissbereit: Er könne FiatOpel heißen oder OpelFiat.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors will im Laufe des Montags einen weiteren Sanierungsplan mit neuen, noch härteren Einschnitten vorlegen. Das bereits dritte Konzept werde Einzelheiten über weitere Werkschließungen und weiteren Stellenabbau enthalten und offiziell das Ende der mehr als 80 Jahre alte Marke Pontiac verkünden, berichteten US-Medien. Keine Informationen gab es zunächst dazu, ob die neuen Einschnitte nur den US-Markt oder auch das Europa-Geschäft unter anderem mit Opel treffen sollen.

General Motors (GM) hat von der US-Regierung Zeit bis zum 1. Juni bekommen, ein tragfähiges Zukunftskonzept vorzulegen. Die vorherigen zwei Sanierungspläne schmetterte Washington als realitätsfern ab. Die Opel-Mutter hat bisher insgesamt 15,4 Milliarden Dollar (rund 11,6 Milliarden Euro) staatliche Unterstützung erhalten und will weitere 14,6 Milliarden. Das Weiße Haus will vor weitere Hilfen jedoch sicher sein, dass GM überhaupt überleben kann.

Gewerkschaft einigt sich mit Chrysler, Fiat und US-Regierung

Einen Fortschritt in seinem Überlebenskampf hat unterdessen Chrysler erzielt. Die Gewerkschaft UAW teilte am Sonntagabend mit, dass sie mit dem Unternehmen, dem italienischen Autobauer Fiat und der US-Regierung eine vorläufige Vereinbarung über Entschuldungsmaßnahmen getroffen habe. Danach erhielt Chrysler von der UAW anscheinend Zugeständnisse im Ringen um fällige Beiträge für den Gesundheitsfonds zugunsten pensionierter Beschäftigter. Chrysler wollte erreichen, dass die Gewerkschaft die Hälfte der Beiträge in Form von Anteilen akzeptiert, um seinen Schuldenberg abzubauen.

Die US-Regierung hat dem Unternehmen eine Frist bis Ende April gesetzt, sich mit Fiat zusammenzuschließen, da Chrysler allein nicht überlebensfähig sei. Eine Vereinbarung mit der UAW gilt als wesentliche Voraussetzung für das Zustandekommen einer solchen Allianz. Der vorläufige Deal muss aber noch von den Gewerkschaftsmitgliedern bei Chrysler ratifiziert werden. Ein Votum wird für Mittwoch erwartet. Chrysler muss außerdem noch Banken dazu bewegen, ihm einen großen Teil seiner durch Unternehmens-Vermögenswerte abgesicherten Milliardenschulden im Gegenzug zu Aktienpaketen zu erlassen.

mad/DPA/Reuters / DPA / Reuters