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Verdacht der Veruntreuung: Held der Auto-Industrie stürzt: Chef von Renault-Nissan soll den eigenen Konzern betrogen haben

Carlos Ghosn hat die globale Auto-Allianz Renault-Nissan geschmiedet. Doch nach mehr als zehn Jahren an der Spitze ist der Topmanager ins Visier der Ermittler geraten. Der Verdacht: Veruntreuung von Firmengeldern.

Carlos Ghosn

Carlos Ghosn war bisher der Dreh- und Angelpunkt für das globale Bündnis Renault-Nissan

AFP

Ein lange gefeierter Automanager ist vom Sockel gestürzt: Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn ist in Japan festgenommen worden. Der Vorwurf lautet unter anderem auf Veruntreuung von Firmengeldern. Bei Nissan droht dem Franzosen bei der nächsten Verwaltungsratssitzung am Donnerstag der Rauswurf. Bei Renault hatte der französische Staat im Streit um seine hohen Bezüge bereits im Frühjahr seine Ablösung in die Wege geleitet. Sie könnte nun schneller kommen als gedacht.

In Japan galt Ghosn (sprich: "Gohn") bisher als Held. Nach dem Einstieg von Renault bei Nissan 1999 machte er den vor der Pleite stehenden japanischen Hersteller wieder fahrtüchtig. Sogar ein Manga-Comic ist dem Verwaltungsratschef gewidmet.

Nun wirft ihm Nissan vor, seine Einkünfte in Wertpapierberichten an die Börse in Tokio falsch angegeben und Firmenkapital zweckentfremdet zu haben. In Paris stürzte die Renault-Aktie deshalb um rund elf Prozent ab.

Dies rief Präsident Emmanuel Macron auf den Plan. "Der Staat wird als Aktionär über die Stabilität der Allianz und der Gruppe wachen", betonte er mit Blick auf den größten französischen Autobauer Renault und sein Bündnis mit Nissan. Der französische Staat hält rund 15 Prozent an Renault.

Bis zu 13 Millionen Euro Jahresverdienst

Erst im Frühjahr hatte die französische Regierung Ghosn Zugeständnisse abgerungen: Er blieb am Steuer von Renault-Nissan-Mitsubishi, musste beim Gehalt aber um 30 Prozent abspecken, um ein Zeichen gegen überhöhte Managervergütungen zu setzen. Zudem wurde mit dem für Wettbewerb zuständigen Renault-Vorstand Thierry Bolloré ein Kronprinz ernannt, der Ghosn nachfolgen soll - ein Termin stand bisher nicht fest.

"Ein Spitzenmanager ist zuallererst jemand, der etwas leistet", lautet einer der Wahlsprüche Ghosns. Im vergangenen Jahr dürfte er an der Spitze von Renault-Nissan-Mitsubishi nach Schätzungen rund 13 Millionen Euro verdient haben.

Ghosn ist seit 2005 Vorstandschef von Renault und gilt in Frankreich als einer der erfolgreichsten Manager. Er hat die Renault-Nissan-Allianz mit zuletzt fast elf Millionen verkauften Fahrzeugen zu einem der weltgrößten Autohersteller neben Volkswagen und Toyota gemacht.

Ghosn gilt als echter Weltbürger: Der gebürtige Brasilianer mit libanesischen Wurzeln ist Absolvent der französischen Elite-Ingenieurschule École Polytechnique. Er spricht neben Französisch fließend Portugiesisch, Italienisch, Spanisch und Englisch. Zudem hat er Japanisch gelernt, obwohl in den Führungsetagen bei Nissan Englisch geläufig ist.

Ghosn hat den Ruf eines "Kostenkiller"

Seine Karriere begann Ghosn mit 24 Jahren beim französischen Reifenkonzern Michelin, wo er es bis zur Nummer zwei im Konzern schaffte. Im Jahr 1996 heuerte ihn Renault-Boss Louis Schweitzer an und baute ihn schrittweise zum Nachfolger auf. Bei dem französischen Autobauer machte sich Ghosn als "Kostenkiller" einen Namen. Zugleich wurde er immer mehr zum Patriarchen.

Wenn die Renault-Gruppe im Dezember den 120. Jahrestag ihrer Gründung feiert, kann sie auf eine fast 20-jährige Allianz mit Nissan zurückblicken, die heute auch Marken wie Dacia, Lada und Mitsubishi umfasst. Von der Affäre um Ghosn werde diese Allianz "nicht betroffen sein", hieß es an der Nissan-Spitze.

sos / AFP