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Bei "Maybrit Illner": Kampfansage vom VW-Chef: Diess verspricht "Auto wie Tesla, aber halb so teuer"

Bei der Aufarbeitung der Diesel-Affäre macht Volkswagen nach wie vor eine schlechte Figur. Diesen Eindruck konnte VW-Chef Herbert Diess auch im ZDF-Talk "Maybrit Illner" kaum kaschieren. Er trat stattdessen die Flucht nach vorne an.

Im Streit um mögliche Diesel-Fahrverbote wegen zu schmutziger Luft in deutschen Städten hat VW-Konzernchef Herbert Diess eine zu emotionale Diskussion kritisiert. "Wir sehen da schon Verantwortung für uns, gerade bei Volkswagen", sagte er am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Dennoch halte ich die Diskussion, die wir jetzt führen, für zu emotional." 

Gleichzeitig betonte Diess, dass Volkswagen sich nicht gegen die  Hardware-Nachrüstung ausspreche. Wenn es entsprechende gesetzeskonforme Lösungen gebe, werde VW sich daran beteiligen - "wenn's denn der Kunde dann auch will". Allerdings wolle VW die Kosten weiterhin nur zu 80 Prozent tragen. Darüber hinaus seien die betroffenen Dieselfahrzeuge nach den Software-Updates zu "100 Prozent gesetzeskonform". Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte dazu in der Sendung, es gebe die "klare Erwartung" der Regierung, dass die Dieselbesitzer nicht zur Kasse gebeten werden. Jeder Kunde müsse ein Mobilitätsversprechen von seinem Automobilhersteller bekommen. Das bedeute im Zweifel auch die Finanzierung der Hardware-Nachrüstung und zwar "zu 100 Prozent".

VW-Chef schaltet einen Gang hoch

Auf Nachfrage von Cem Özdemir, früherer Grünen-Chef und Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, wie viele moderne Busse VW im Angebot habe, ging Diess in die Offensive. "Da kommen wir jetzt ganz stark", kündigte er an. "Wir haben 30 Milliarden in Elektromobilität investiert. Wir haben ein Werk in Zwickau schon umgewidmet. Wir bauen in Shanghai ein Elektrofahrzeugwerk auf." Und: "Wir werden 2020 kommen mit Fahrzeugen, die alles können wie Tesla und um die Hälfte billiger sind."

Eine Kampfansage. Zwar würden Elektrofahrzeuge die Mobilität durch die Autobatterien an Bord verteuern, allerdings würden "wirklich hochattraktive Fahrzeuge" in den Jahren 2019/2020 kommen, "die für viele Kunden sowohl vom Preis als auch von der Leistung, der Reichweite, der Ladefähigkeit eine Alternative sein werden." Diess' Prognose: "Und dann kommt ein großer Boom!"

E-Werk in Zwickau: Serienproduktion von täglich 1500 E-Autos soll 2020 starten

Ab Ende 2019 werden die ersten vollelektrischen Modelle der ID-Serie in Zwickau vom Band laufen, wie VW-Finanzvorstand Frank Witter am Mittwoch am Rande des 22. Internationalen Automobilkongresses in Zwickau sagte. Die Serienproduktion von täglich 1500 E-Autos soll 2020 starten. Der Umbau erfolge bei laufendem Betrieb. Derzeit werden in Zwickau der Golf und der Golf Variant gefertigt. "Das Spannende wird sein, elektrische Fahrzeuge ins Volumen zu bringen", so Witter. In den kommenden Jahren rechne der Konzern mit einem weltweiten Elektroanteil von 20 bis 25 Prozent, wobei China der wesentliche Treiber der Entwicklung sein werde. 

Derzeit baut VW den Angaben zufolge weltweit rund 10,7 Millionen Autos im Jahr. Mittelfristig werde Zwickau, derzeit das Elektro-Leitwerk bei VW, den Bedarf nicht decken können. Zeitversetzt werde daher 2020 auch ein rein elektrisches Werk in China die Produktion aufnehmen.

In Zwickau sollen demnach vorerst sechs Modelle der Marken Volkswagen, Seat und Audi gebaut werden. Zwei ID-Modelle sollen den Anfang machen und zukünftig zum Preis eines vergleichbaren Fahrzeugs mit Dieselmotor erhältlich sein. Darüber hinaus plant der Autobauer ein Komplettangebot inklusive Ladesäule und Stromtarif.

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dho / fs / AFP / DPA