Jetzt werden Deutschlandreisen billiger

2. November 2012, 16:41 Uhr

Reisende können sich über eine billige und umweltbewusste Alternative zur Bahn freuen: Die Politik verhindert nicht länger Fernbusse im Linienverkehr. Was sich ab Januar alles ändern soll.

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Fernbus, Buslinien, Busfahren

So billig könnten Reisen sein: Diese Linie bringt für neun Euro Passagiere von Dresden nach Berlin.©

Konkurrenz von Billigfliegern am Himmel haben die ICE und Intercity der Bahn schon länger. Künftig sollen Reisende auch zu Lande mehr Alternativen haben, wenn es für längere Inlandsstrecken nicht das Auto sein soll. Fernbusse, die das Gesetz seit mehr als 70 Jahren bremst, bekommen von 2013 an bundesweit freie Fahrt auf Linien von Stadt zu Stadt. Günstigere Tickets sollen Kunden locken. Wie schnell ein großer neuer Markt entsteht, muss sich aber erst zeigen.

Was hemmt Fernbuslinien bisher in Deutschland?

Die Politik. Sondergesetze, die auf die NS-Zeit zurückgehen, haben Fernbuslinien bis heute in Deutschland verhindert. Mit dem Verbot soll die Bahn vor unliebsamer Konkurrenz geschützt werden. Die Idee: Fernbuslinien werden nicht genehmigt, wenn es eine Zugverbindung gibt. Umsteigen unmöglich, so kassiert die Bahn sicher ab.

Ausnahme ist seit der deutschen Teilung Berlin. Auch ins Ausland gibt es Reisebusfahrten schon länger. Zuletzt hatten Fernbusse laut Statistischem Bundesamt zwei Millionen Inlandskunden im Jahr, Fernzüge aber 125 Millionen.

Was soll sich 2013 ändern?

"Zukünftig sind überall in Deutschland Fernbuslinien möglich, die untereinander und auch mit dem Eisenbahnfernverkehr konkurrieren dürfen", verkündete eine ganz große Bus-Koalition im September. Nach langem Streit fanden Union, FDP, SPD und Grüne einen Kompromiss, den der Bundesrat am Freitag absegnete. Die K.o.-Klausel zum Schutz der Bahn fällt weg.

Fallen jetzt alle Schranken?

Nein. Nach wie vor müssen Busunternehmer Fernlinien bei den Länderbehörden beantragen. Landespolitiker haben durchgesetzt, dass für die Haltestellen ein Mindestabstand von 50 Kilometern gilt. Damit wird aus der Reform ein Reförmchen. Denn so ist ein engmaschiges Busnetz in den Flächenstaaten nicht möglich.

Die neue Schutzklausel soll verhindern, dass Fernbusse den Strecken im Nahverkehr Konkurrenz machen, die mit Steuergeldern mitfinanziert werden. Böse gesagt: Für Pendler darf es keine schnellere oder billigere Alternative zur Bahn geben.

Praktisch bedeutet die fatale 50-Kilometer-Regel, dass Buslinien zwar das Reisen günstiger machen, aber keine Verbesserungen bei alltäglichen Routen erreichen werden.

Für welche Kunden sind Fernbusse interessant?

Busse sind eine Alternative für preisbewusste Kunden, die für einen günstigen Fahrpreis eine längere Reisedauer in Kauf nehmen. So kostet die knapp dreieinhalb Stunden lange ICE-Reise von Berlin nach Dortmund 96 Euro zum Normaltarif, eine Busfahrt ist für regulär 38 Euro zu haben - dauert aber gut sieben Stunden.

Geschäftsleute dürfte das kaum zum Umsteigen bewegen. Die neuen Angebote richten sich denn auch zuerst an "preissensible Pkw-Nutzer", denen eine Mitfahrzentrale nicht verlässlich genug ist oder ihr Auto wegen hoher Spritprise schlicht zu teuer, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer erwartet. Buslinien in anderen europäischen Ländern bieten zudem Rabatte an. Wer terminlich flexibel ist, wird mit dem Bus in Zukunft sehr günstig reisen können.

Was sagt die Umwelt?

Reisebusse haben kein besonderes Öko-Image, aber umweltschonender als mit dem Bus kann man nicht unterwegs sein. Der Energieverbrauch pro Personenkilometer liegt noch unter dem der Bahn.

Stehen Busfirmen schon in den Startlöchern?

Etwa 50 bis 100 mittelständische Busfirmen interessieren sich für den neuen Markt, wie es beim Verband heißt. Dass zum 1. Januar sofort etliche neue Linien starten, wird in der Branche aber nicht erwartet. Nach der langen politischen Unsicherheit sind Investitionen etwa ins Marketing nötig, kleinere Anbieter könnten sich für Kooperationen zusammentun. Der größte private Bahn-Konkurrent Veolia Verkehr hatte schon 2010 drei Buslinien von Mönchengladbach nach München sowie von Essen nach Hamburg und München beantragt - nach alter Rechtslage. Sie würden nun nochmals neu bewertet, wie eine Sprecherin sagt. "Insofern können wir heute noch nicht sagen, wie, wann und wo wir starten."

Was sagt die Deutsche Bahn?

Der bundeseigene Konzern wartet zunächst ab. "Wir beobachten die Entwicklungen des Fernbusmarktes und werden entsprechend reagieren", sagt ein Sprecher. Dabei wollte die Bahn als größter Anbieter der Republik (rund 14 000 Busse/30 Fernlinien) bei einer Marktöffnung eigentlich selbst in die Offensive gehen. Im vergangenen Jahr entschied der Vorstand aber erst einmal, sich auf das Kerngeschäft mit Zügen zu konzentrieren.

kra/DPA
 
 
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