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16. April 2008, 09:08 Uhr

Wertverfall durch Fortschrittsfalle

Der Hybrid kommt. Das automobile Doppelherz aus Elektro- und Verbrennungsmotor hat Verbrauchsvorteile. Durch die zu erwartenden Entwicklungssprünge bei der noch jungen Technologie stellt sich aber die Frage: Wird mein Auto morgen schon von gestern sein? Von Christoph M. Schwarzer

Kommt nach der Hybrid- nun die Plug-In-Welle?© Toyota

112 Dollar für ein Fass Rohöl. Nur der schwache Kurs der US-amerikanischen Währung und die hohe Steuerlast schützen den Autofahrer noch vor einem Tankstellenpreis, der extrem weh tut. Ein Ausweg aus dem durch steigende Nachfrage, endliche Ressourcen und Spekulanten ausgelösten Dauerpreisschock kann der Hybridantrieb im Auto sein. Die Mischung aus Verbrennungs- und Elektroantrieb spielt ihre Effizienz vor allem im Stadtverkehr aus. Alle Hersteller forschen mit Hochdruck an diesem Konzept. Entwicklungsschübe werden die Folge sein. Und auch, weil andere Methoden zur Verbrauchsreduzierung eine echte Konkurrenz sind, müssen sich die potenziellen Käufer fragen: Ist mein teurer Hybridwagen, ähnlich wie ein Computer, morgen schon veraltet und überholt.

Dudenhöffer: "Hybride sind wertstabil"

Sicher nicht, sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen. Im Moment würden gebrauchte Hybride wie der Toyota Prius mehr weitergegeben als verkauft. Und was heute sparsam sei, wäre es auch morgen noch: "Sehen Sie sich die Entwicklung bei anderen modernen Technologien an: Wer früh auf einen Partikelfilter im Diesel gesetzt hat, wird beim Wiederverkauf einen Vorteil haben. Selbst wenn es dann bereits noch bessere Systeme gibt." Für einen plötzlich eintretenden, hohen Wertverlust könne es nur ein Szenario geben: Wenn sich herausstellen würde, dass es massive technische Mängel gäbe, die erst auf lange Sicht aufträten. Sollte sich etwa herausstellen, dass die Batterien nach sechs Jahren alle am Ende sind, wäre das ein solches Problem.

Schwieriges Kosten-Nutzen-Verhältnis

Der Kunde, der ein ökologisches Fahrzeug kaufen will, denkt immer auch ökonomisch. Gerade beim aufwändigen und anspruchsvollen Vollhybriden, also beim Auto, dass kurze Strecken vollelektrisch zurücklegen kann, sind die Baukosten immens. Aus Branchenkreisen werden 5.000 Euro Aufpreis gegenüber einem modernen Benzin- oder Dieselmotor genannt. Selbst, wenn Hybridanbieter diesen Mehrpreis nicht komplett weitergeben, muss jeder Kunde ins Grübeln kommen, ob sich das lohnt. Die Konkurrenz schläft nicht.

Mercedes zum Beispiel bringt schon nächstes Jahr einen so genannten Mildhybriden im S 400 BlueHybrid. Im Unterschied zum Vollhybriden fährt der nie ausschließlich mit Strom, spart aber trotzdem. Der Kofferraum wird im Gegensatz zu einem Lexus LS 600h kein Schrumpfformat haben, sondern voll nutzbar sein. Und als erster Hersteller überhaupt wagt Mercedes den Schritt zum aus Handys und Laptops bekannten Lithium-Ionen-Akku. "Wir haben eine Möglichkeit gefunden, diese Batterietechnik in den Kühlkreislauf zu integrieren", erklärt eine Sprecherin. Weitere Entwicklungsstufen werden erwartet, die über höhere Produktionszahlen sinkende Stückkosten versprechen.

Die Daimlerchefs Dieter Zetsche (l) und Manfred Bischoff neben einem Mercedes Blue-tec Hybriden© John Macdougall/AFP

Hybridisierung des Antriebsstranges

Das Grundprinzip des Mercedes S400 BlueHybrid: Den Verbrauchsvorteil des Vollhybriden sichern, ohne dessen Nachteile bei Gewicht, Kosten und Alltagsnutzen hinzunehmen. Die Idee, den Antriebsstrang durch Teilelektrifizierung immer effizienter zu machen, gehen gegenwärtig schon BMW und Mini mit der Efficient Dynamics-Technologie aufpreisfrei und sehr erfolgreich. Motor aus an der Ampel, Rückgewinnung von Bremsenergie, Bedarfssteuerung von Komponenten, und schon ist eine Menge gespart. Auch bei Volkswagen wird die Start-Stopp-Funktion aus den 80er Jahren und dem 3-Liter-Lupo wiederbelebt: In Braunschweig werden in letzter Zeit immer wieder Testautos gesehen, die an der Ampel einfach ausgehen. Und es ist kein Geheimnis, dass das neue Siebengang-Direktschaltgetriebe aus Wolfsburg sich mit Start-Stopp, TDI und TSI voll verträgt. Der im Herbst kommende Golf VI lässt leise grüßen.

Diesel für die USA

Im Mutterland des Hybrid-Hypes, den USA, kommt unterdessen der Diesel auf Touren. Mercedes verkauft jetzt schon 25 Prozent der M-Klasse als Selbstzünder. Und Audi setzt ebenfalls nur in zweiter Linie auf den Hybrid: "In den USA ist der Diesel der Fokus." Lange war es nicht möglich, die strengen Abgasnormen einzuhalten. Durch Partikelfilter und Katalysatoren mit Harnstoffeinspritzung ist das inzwischen machbar, wie zum Beispiel Audi mit dem TDI 3.0 zeigt. Und bei den typischen Konstantfahrten auf den Highways ist der Diesel schlicht überlegen.

Tod des Vollhybrids?

Der Vollhybrid heutiger Machart wird von zwei Seiten bedrängt: Neben den kostengünstigeren Weiterentwicklungen von Dieseln und Benzinern mit teilhybridisiertem Antriebsstrang lauern am Horizont die Elektroautos. Unabhängig davon, ob diese ihren Saft über eine Brennstoffzelle aus dem Wasserstofftank ziehen, wie es Mercedes mit der B-Klasse plant, oder ob sie als Elektroautos mit Range Extender-Motor ausgestattet werden wie beim Opel Flextreme – die Luft wird dünner.

Ein Effekt wie beim Computer, der nach drei Jahren überholt und nach fünf Jahren Schrott ist, bleibt aber sehr unwahrscheinlich: Teuer hin, aufwändig her, ein Vollhybrid wird immer gefragt sein, so lange er wenig verbraucht. Und je geringer der Verbrauch, desto geringer sind Spritkosten und Kohlendioxid-Emissionen. Für den Kunden zählt nicht die Technik, sondern das, was hinten rauskommt. Und das sollte möglichst wenig sein.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Replay (17.04.2008, 11:21 Uhr)
Gute Hybridtechnik ist wartungsfrei
So viele Unwahrheiten auf einem so kleinen Raum habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen. Eine Werbekampagne, schäbig verpackt und viele Leute schlucken dieses Schmierenkabinett der deutschen Autolobby auch noch.
Die Hybridtechnik im Prius ist wartungsfrei, im Gegensatz zum Verbrennungsmotor. Und wenn nach sechs Jahren die Batterien angeblich hops gehen sollen, stelle ich jetzt eine Frage: Warum gibt Toyota dann acht Jahre Garantie darauf? Ok, noch eine Frage: Wie kommt es, daß ein Prius-Taxi mittlerweile 600.000 km mit der ersten Batterie in 10 Jahren zurückgelegt hat? Tja, das war wohl nichts. Die Batterien deutscher Hersteller mögen nach sechs Jahren die Hufe strecken. Die japanischen Batterien indes nicht.
Wenn die Deutschen die angeblich "besten Autos der Welt" bauen, können sie wohl auch die "sparsamsten Autos der Welt" bauen. Können sie nicht? Na sowas aber auch. Also war das dann wohl nichts mit den besten Autos der Welt. Glaube kann Berge versetzen. Willkommen in der Wirklichkeit.
Ich freue mich schon darauf, wenn der Ölpreis auf $ 250 für das Barrel geklettert ist =)
Silbador (16.04.2008, 19:20 Uhr)
Der Anfang des Autos war richtig
denn da wurde Alkohol als Reibstoff verwendet, dann entschied man sich für Erdöldestillate (ohne hier näher auf die Gründe einzugehen) und nun muss man eben wieder zurück. Das Problem sind einerseits die Automobilhersteller, viel mehr aber noch die Erdölkonzernde, die das nun auf keinen Fall möchten.
Und wer regiert die Welt?
Ist Bush ein Ölmann? Ein Alkoholiker bzw. Alkoholmann ist er ja nun derzeit jedenfalls bestimmt nicht.
Wobei derzeit das Angebot an Öl auch nicht wirklich das Problem ist, das wird nur so dargestellt, ist ja auch viel schöner über 100 Dollar pro Fass zu kassieren anstatt nur 50-60 Dollar, was eigentlich der tatsächliche Preis ohne Steuerung wäre.
Für die Umwelt wäre Alkohol bzw. Bioethanol der deutlich bessere Treibstoff.
papaleo2000 (16.04.2008, 16:45 Uhr)
Wenn ein Auto zum Computer mutiert
Die ganze Technik ist noch nicht ganz ausgereift. Je komplexer und wartungsintensiver solche Technik ist, desto teurer wird das Auto als Endprodukt sein. Die gewonnene (Elektro)Energie muß so billig sein, dass Herstellungs- und Beschaffungskosten um das zehnfache unter dem jetzigen Diesel-, bzw. Benzinpreis liegen. Der Staat sollte unsere Autofahrer nicht als Melkkühe der Nation ausnehmen da sonst unsere Autowirtschaft den Bach runtergeht.
Ich persönlich bevorzuge momentan Dieselfahrzeuge, einen Benziner würde ich heutzutage garnicht mehr kaufen.
einsatzreicht (16.04.2008, 16:39 Uhr)
Es wäre alles so einfach
wenn das auto bei uns nicht so ein Statussymbol wäre:
Endlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung einführen und die Autohersteller könnten sich voll und ganz auf Gewichts- und Treibstoffersparnis konzentrieren.
Und Geländewagen dürften nur zum Zwecke des Arbeitseinsatzes benütz werden und nicht um damit durch die Stadt zu fahren.
endbenutzer (16.04.2008, 16:15 Uhr)
Und zur Frage...
wie man denn möglichst umweltverträglich ein Elektrofahrzeug aufladen kann, gab es gestern in Frontal21 (ZDF) zumindest im Ansatz eine Lösung: Das eigene Kraftwerk im Keller. Aber auch das ist ja nicht gewünscht.
-
-
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/22/0,1872,7225590,00.html
endbenutzer (16.04.2008, 16:12 Uhr)
Zunächst einmal...
...sollte die Frage gestellt werden, ob man den Individualverkehr nicht reduzieren könnte z.B. durch einen besseren Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Ich würde gerne mit dem Bus zur Arbeitsstelle fahren, wenn es denn einen gäbe. Darüber hinaus muss endlich das Elektroauto kommen. Viele Studien beweisen, dass die meisten Fahrten innerhalb eines Radius von 8-10 Kilometern stattfinden. Eine perfekte Distanz für E-Fahrzeuge.
Medley (16.04.2008, 12:29 Uhr)
Spritsparend Energie- und Wartungsaufwändig
Dort, wo hochkomplexe Technik reingesteckt wird um Sprit zu sparen, muss im Gegenzug mit energieverzehrenden(z.B. elek. Strom) und teuren Wartungs- und Reparaturarbeiten gerechnet werden umd die ganzen hochkomplizierten Systeme im "Enegiespar"-auto am laufen zu halten. Wo sind dann also die Spareffekte? Und zudem, diese HighTech-Inovationen fallen ja nicht vom Himmel, sonden sie mussen ja erstmal, mit viel Verbrauch an Energie und Rohstoffen, konzipiert, hergestellt und verbaut werden. Also nocheinmal: Wo sind dann die angeblichen Energieeinspareffekte aufzufinden?
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