Nur altes Blech? Von wegen. Wer es richtig anfängt, für den können Oldtimer zu einer profitablen Geldanlage werden. Und der Fahrspaß kommt noch obendrauf Von Frank Janßen

Ferrari-Sammler Uwe Maczkowiak, 56, vor seinem Dino 246 GT© Frank Janßen
Da schlummert er unter Baumwolltüchern, der Millionenschatz aus altem Blech. Ande Votteler betritt sein Lager, eine ausgediente Fabrikhalle, und er beginnt, die Staubschutzhüllen von den Karosserien zu zupfen. "Hier", sagt der Oldtimerhändler aus Balingen im Schwarzwald und legt einen orangefarbenen Porsche frei, "ein 356 A von 1959. Unrestauriert, rostfreier Originalzustand, aus Kalifornien, 82.000 Meilen auf dem Tacho." Der Innenraum duftet nach Leder und Wachs. Den Preis der fast 50 Jahre alten Seltenheit nennt er auf Nachfrage: "100.000 Euro". Oder hier: "Ein 911 S 2,7 in Dunkelblaumetallic mit erst 5200 Meilen für 55.000 Euro." Oder dort: "Ein 964 RS im Farbton Sternrubin mit nur 170 Kilometern." Also wie neu. Geschätzter Marktwert des nur 2282 Mal gebauten Renners: "Um die 140.000 Euro." Neupreis 1992: 145.450 Mark. Offensichtlich keine schlechte Wertanlage.
Ande Votteler, 49, gilt unter Porsche-Sammlern als absoluter Experte. Seit 17 Jahren beschäftigt er sich professionell mit den klassischen Sportwagen aus Stuttgart. Neben den alten Modellen aus den Anfängen der Marke vom Typ 356 gilt seine Leidenschaft den seltenen Sportversionen des 911, allen voran dem RS von 1973. Dieses Auto mit dem geschwungenen Schriftzug an der Seite und dem sogenannten Entenbürzel-Spoiler am Heck ist eine der gesuchtesten Raritäten auf dem Markt. Nur 1580 Exemplare wurden gebaut.
Liebhaber zahlen hohe Summen, mittlerweile in jedem Fall sechstellige Euro-Beträge - auch für Exemplare in verbrauchtem Zustand. Diese Begehrtheit bringt Probleme mit sich: "Vom 73er RS gibt es ganz viele Fälschungen", sagt Votteler. "Da muss man höllisch aufpassen." Manche RS, die angeboten werden, sind umgebaute 911er, die an ihrer Fahrgestellnummer leicht zu identifizieren sind. Umbauten seien übrigens völlig legal, sagt der Balinger Fachmann. "Es muss nur offenkundig sein."
Doch so einfach ist die Lage nicht, wenn kriminelle Energie dahinter steckt. Gerade hat Votteler von einem Kunden den Auftrag bekommen, dessen weiß-roten RS auf Originalität zu überprüfen. Er kennt die Tricks der Fälscher: "Wenn beispielsweise aus einem Unfall-RS das Blech mit der Fahrgestellnummer herausgetrennt und in einen normalen 911 eingeschweißt wird." Wurde das von einem erfahrenen Karosseriebauer gemacht und wirkt auch der Rest des Autos authentisch, ist die Enttarnung der Kopie schwierig.

Joachim Stickel aus Rutesheim ist Experte für den Mercedes SL "Pagode"© Frank Janßen
Noch heikler ist der Markt der extrem seltenen Porsche-Rennwagen. "Das sind Autos, bei denen sich für Betrüger jede Investition lohnt", warnt Votteler. "Die beste Garantie ist eine lückenlose Historie." Liebhaber heben zum Glück meist alles auf: den Kaufvertrag und die Rechnungen über Reparaturen, die Versicherungspolicen und Steuerbescheide, das Werkstatt-Scheckheft mit den Wartungsstempeln. Und vielleicht gibt es sogar Urlaubsfotos von dem Auto, die belegen, dass es aus Familienbesitz stammt. "Nicht bloß Notizen und Tankquittungen", sagt Votteler. "Wer einen solchen Wagen verkauft, muss eine Dokumentation bieten können."
Bei einigen Marken kann der Hersteller mit seinen Archiven helfen. Ferrari hat beispielsweise kürzlich eine eigene Abteilung namens Classiche gegründet. Dort werden nicht nur Oldtimer restauriert. Besitzer können ihre Autos auch auf Echtheit überprüfen lassen - gegen Gebühr freilich. In strittigen Fällen muss das Auto dazu allerdings nach Italien transportiert werden. Dem angehenden Käufer eines klassischen Porsche rät Votteler: "Grundsätzlich sollte jeder sich vor dem Kauf fragen: Will ich ihn fahren, oder will ich ihn bloß haben?" Dann nennt er ein Preisbeispiel für den in kleiner Stückzahl gebauten 964 RS von 1992. "Wenn ich so ein Auto als Wertanlage wegstellen möchte, dann einen möglichst neuwertigen mit wenig Kilometern auf dem Tacho. Dafür muss man mindestens 100.000 Euro anlegen." Wertsteigerung: ziemlich sicher.
Andererseits: "Wenn ich damit regelmäßig fahren will, vielleicht sogar auf der Rennstrecke, dann kann ich einen kaufen, den schon drei Vorbesitzer über den Nürburgring gescheucht haben. Für so einen Wagen muss man mit 60.000 Euro rechnen. Dann habe ich einen großen Zuwachs an Lebensfreude, und der Wertverlust ist sehr gering. Mit jedem Neuwagen mache ich mehr Geld kaputt."
Weitere Informationen Die Seite des Porsche-Spezialisten Ande Votteler: www.356911.net
Joachim Stickel, Experte für den Mercedes SL W113:
www.pagoden-center.com
Die Homepage von Jürgen und Markus Schröder: www.sportscars-schroeder.de