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22. Januar 2010, 06:15 Uhr

Luden aufgepasst! Euer Auto gibt's nicht mehr

Im US-Bundesstaat Louisiana werden die Letzten einer Art zusammengeschraubt. Die Produktion des Hummer wird eingestellt. Wie kein anderes Automobil war der Hummer Sinnbild eines allzu verschwenderischen Umgangs mit der Natur. Von Helmut Werb

Humme, Humvee, H1, H2, H3

In seinen Glanzseiten sonnte sich der Hummer im Flair von Halbwelt und Glitter© Dmitry Kostyukow/AFP

Wenige Automobile haben Autofahrer und Nicht-Autofahrer so polarisiert wie der Hummer. Für Fans des Ungetüms wie Ari Fleischer, Pressesprecher des Ex-Präsidenten George Bush, war der Hummer ein Symbol "unseres Gott-gesegneten American way of life". Der amerikanische Umweltpapst und Teilzeit-Präsidentschaftskandidat George Nader sagte hingegen, der Benzinvernichter sei "das Symbol amerikanischer Arroganz schlechthin". In Deutschland kam der Hummer nie über ein Nischendasein in der Halbwelt hinaus. In Germany war er nur als Stretchlimousine für den Junggesellenabschied, als Promotion-Mobil mit GoGo-Girls oder schlicht als Wagen für Zuhälter im Einsatz. Weltweit galt die tonnenschwere Landmaschine als personifizierte Heizsonne für das Weltklima, während Leute aus den General Motors’ Chefetagen wie Bob Lutz den militanten Kleinlaster als wirtschaftliche Notwendigkeit verteidigten. "So lange die Leute das kaufen", sagte der gute Mann noch vor einigen Jahren, "so lange werden wir es bauen." Mit Kaufen und Bauen ist jetzt Schluss. Mit dem Verkauf an die Chinesen zogen Bob und die anderen GM-Generäle den Schlussstrich unter einem einmaligen automobilen Kapitel, und der Hummer wird als Klassiker in die Automobilgeschichte eingehen.

Humme, Humvee, H1, H2, H3

Das traurige Ende auf der Rabatt- und Resterampe© Scott Olson/Getty Images/AFP

Langsames Sterben

Dabei ging die Ära des Hummers langsam zu Ende. Seit dem 11. September 2001 erschien gemäßigter Benzindurst in den USA als patriotisch, und stetig steigende Benzinpreisen dämpften die Nachfrage nach fahrenden Ungetümen mit einem Durchschnittsverbrauch von bis zu dreißig Litern Jahr um Jahr. Als die Bankenkrise 2009 voll durchschlug, rutschten die verkauften Stückzahlen trotz dramatischer Rabatte endgültig in homöopathische Bereiche ab. Mit nicht mal 15.000 verkauften Einheiten für alle Hummer-Modelle, entschied sich der blutende Riese General Motors, im Rahmen des Konkursverfahrens die Reißleine zu ziehen und die Marke Hummer zu verscherbeln.

Geschichte eines Missverständnisses

Dabei war das Fortbewegungsmittel für den wahren amerikanischen Mann in Wirklichkeit immer schon eine Mogelpackung. Im Jahr 1984 begann beim US-Konzern AM General Corporation die Produktion des Ur-Vaters aller Hummers. Das militärisch genutzte "High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicle", kurz HumVee genannt, sorgt bis heute mit Kanonen, Radarschirmen und Mikrowellenstrahlern weltweit für Ruhe und Ordnung nach US-Art. Auf Drängen des damaligen Action-Stars und heutigen Gouverneurs von Kalifornien Arnold Schwarzenegger, entwickelte AM General 1992 eine zartere Version des Mini-Panzers und gab ihm den Namen Hummer M998. Der Ur-Hummer war geboren. "Arnie" war zufrieden und kaufte gleich acht Stück davon.

Sechs Jahre später kam General Motors auf die Idee, sich den Vorgartenkrieger einzuverleiben, und kaufte AM General die Marke Hummer ab. AM baute den nun H1 genannten M998 weiter für die Kollegen in Detroit, bis der Opa-Hummer 2006 unter dem Vorwand eingestellt wurde, Kapazitäten fürs Militär freischaufeln zu müssen. Hinzu kam die von General Motors vorgestellte weichgespülte Version der Zivil-Version, der H2. GM’s nächster Streich, die vollkommen softe Variante H3, verkaufte sich anfangs recht ordentlich. Was weniger an der Technik lag, die von einem schlaffen Chevrolet Colorado stammte, als am martialischen Aussehen des Zweieinhalbtonners. Noch als die Verkäufe völlig abrutschten, malten sich die Hummer-Manager die düstere Zukunft mit Dieselmotoren und Hybrid-Modellen schön, aber nichts kam über einen Vorproduktionsstatus hinaus. 2008 musste GM dann den H2 auf Grund der Nachfrage Null einstellen.

Humme, Humvee, H1, H2, H3

In China ist der Hummer populär© Eugene Hoshiko/AFP

Urahn lebt weiter

In der kleinen Gemeinde der echten Off-Roader gilt das Ende des Hummer als Trauerfall. Im Gelände setzten die Hummer Standards, an die andere Vierrädler nicht denken konnten. Bei einer Vorstellung in Colorado fuhr man den H2 eine fast senkrechte Wand hoch, und das ohne Händezittern, von wilden Flussdurchquerungen und atemberaubenden Seitenneigungen ganz zu schwiegen. US-Renn-Legende Robbie Gordon bestritt die gerade zu Ende gegangene Rallye Dakar mit zwei Hummern, deren brachiale V8-Motoren er zwecks größerer Federbeinwege einfach hinter die Hinterachse verlegte. Ob er nun unter Regie der Volksrepublik durch Chile oder die Baja jagen wird? "Was weiß schon ich", zuckte Gordon hilflos mit den Schultern, als ihn stern.deauf die ungewisse Zukunft ansprach. "Meint ihr, ich soll jetzt Mandarin lernen?"

Ob sich die chinesische Transplantation des ur-amerikanischen Hummers als Erfolg herausstellen wird, bleibt abzuwarten. Immerhin scheint die Begeisterung für bombastische Geländewagen in Asien (noch) ungebrochen. Und ganz werden die kantigen Spritsäufer auch in den USA nicht verschwinden. Dank der amerikanischen Kriegsführung in Irak und Afghanistan läuft die Produktion des Militär-Humvee auf Hochtouren. Der Ur-Saurier überlebt locker seine verweichlichten Abkömmlinge.

Von Helmut Werb
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
chatahootchee (24.01.2010, 01:01 Uhr)
FRAGE AN HERRN WERB:
Ist jetzt der Governor von Kalifornien ein Overlude?
Warum ist denn 'stern.de' immer in Wettbewerb mit Geistlosigkeut und vorpubertaerer Neidhammelei?
Leute, manchmal koennt Ihr es doch besser.
STR_EDDS (23.01.2010, 16:24 Uhr)
@vladimir
Ihr Kommentar war eindeutig besser als der gesamte Artikel. Mehr Analyse, mehr Aussage in weniger Worten. Passt.
STR_EDDS (23.01.2010, 16:22 Uhr)
Umweltverschmutzung, CO2? Hummer?
Was? Ein paar Artikel früher gackerten die Kommentatoren massenhaft davon, dass es die Klimakatastrophe ("CO2-Lüge") nicht gäbe. Ebenso schrieb der Stern darüber. Und trotzdem wird der Hummer hier zweckdienlich als "Co2-Schleuder" hingestellt. Der Verbrauch ist ein Fakt. Darüber muss man nicht duskutieren. Aber die ständige Kritik an Geländewagen und SUV entlarvt sich immer wieder als das was sie eigentlich ist: Thaddäisches Besserwissertum in Einheit mit einer Prise Neid und Missgunst.
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Und ich bin mir sicher: Einem Fußgänger ist es herzlich egal, ob er von einem Hummer oder einem Volvo platt gemacht wird. In beiden Fällen würde das Auto an sich nicht die Schuld tragen.
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Ich bin den Hummer in einigen NATO-Manövern selbst gefahren. Der Wagen war damals (89?) etwas Besonderes. Unsere G-Klasse Mil. konnte besser klettern, bot aber keinen Insassenschutz. Es gab einfach nichts Vergleichbares. Heute ist das Konzept veraltet. Trotzdem wird es der Wagen (insbes. die ziv. H1-Version) zum Klassiker bringen. Der H3 ist kein echter Hummer mehr. Zu viel aus anderen Plattformen verbaut. Verwässert und geländetauglich wie ein 2CV.
Vladimir (23.01.2010, 08:45 Uhr)
Schlechte Art zu schreiben
OK, der Hummer ist nicht der Brüller, nicht im Gelände, nicht auf Asphalt.

Aber, er war und ist das Spielbild einer Zeit und in den USA fuhr ihn jeder, von Geschäftsführer bis zur über Terrorismus besorgten Mama der Bush-Ära. Aber, dass alle Hummer Fahre "halbseiden" sind ist schon sehr diskriminierend, wenn nicht beleidigend. Das Zeug allerdings von mangelnden Analysefähigkeit des Herrn Werb und von seinem fast-schon-Neid nie dazugehört zu haben, dass er nie das Statement machen konnte, "hab' ich auch!", welchen noch von3-4 Jahren gesellschaftsfähig war.
Der Hummer war auch eine modische Parade-Kutsche, mit der man auch aufs Land fahren konnte, aber kein Geländewagen. Es ist auch kein SUV im Sinne eines Mercedes ML oder Q7, mit denen man entspannt reisen kann. Aber die Hummer gab viele Menschen die Geborgenheit nach dem 911, denn wenn er für Soldaten gut ist, ist der für die besagte Mamy . Nun muss sich wieder in einem kompaktem Toyota sorgen machen, den der Sprit ist eindeutig zu teuer für so viel "Sicherheit".
G-Klasse (23.01.2010, 08:41 Uhr)
Wertsteigerung
Letztlich wäre es doch nicht so schlimm wenn die Hummerproduktion eingestellt wird (wenngleich diese Info schlecht recherchiert ist). Es gäbe dann eine gewisse Wertsteigerung der H2 - aber Herr Werb sieht sie halt lieber verschrottet. Dabei ist egal, dass Cayenne oder Q7 mehr verbrauchen. Wenn er was gegen Luden hat (Frau abgehauen oder einfach nur Neid), aber verblendet bestimmte Autobesitzer beleidigend diffamiert, ist das doch nur braun (diese Art und Weise Stimmungsmache kennt man ja). Stern hätte besser den Artikel als bestimmte Kommentare gelöscht. Und nein, ich habe keinen Hummer, bin aber trotz SUV auch kein Lude.
Mercedesfan (23.01.2010, 02:44 Uhr)
Unsachlich
Ich mag den Hummer auch nicht. Doch die Art und Weise wie Helmut Werb hier die Käufer dieses Fahrzeugs beleidigt, mag ich noch weniger. Wenn jemand in einem (unsachlichen) Kommentar ein bestimmtes Fabrikat pauschal als Ludenauto bezeichnet, mag man ja noch nachsichtig sein. Von einem Journalisten erwarte ich schon etwas mehr Objektivität (zumal es sich ja hier nicht um einen Kommentar handelt)
Fakten (22.01.2010, 22:45 Uhr)
Mir ist es voellig egal wer Spritschleudern kauft oder faehrt.
Die steigende Umweltverschmutzung wird euch Befuerwortern teuer zu stehen kommen.

Trinkwasser und nicht verseuchte Nahrung braucht ihr ja offenbar nicht, ganz zu schweigen von Atemluft.
guenni22 (22.01.2010, 20:35 Uhr)
sachlich
ist nur, wer den hochintelligenten beitrag der hervorragenenden sternjournalisten mit der gebührenden demut anerkennt und nicht etwa scherze mit dem unsinn treibt den dieses käseblatt alltäglich verbreitet, mein abo kündige ich jetzt auch endgültig
chatahootchee (22.01.2010, 15:39 Uhr)
LEUTE, LEUTE,
wer sich keinen leisten kann oder will, sollte doch lieber ruhig sein. Oder wollen hier jetzt einige Obererzieher auch schon vorschreiben, was Leute fahren duerfen? Geschmack ist Geschmackssache und mir gefallen nun mal ein Polo oder Porsche nicht so sehr.
Administrator (22.01.2010, 13:07 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
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